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Suter Gabriela · Nationalrat · 2023-09-13

Suter Gabriela · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2023-09-13

Wortprotokoll

Vor zwei Wochen war ich an der Ausstellung der Aargauer Landwirtschaft in Lenzburg, genauso wie einige meiner Kolleginnen und Kollegen hier im Saal. Wir kamen in den Genuss einer Führung durch das Gelände. Das war sehr beeindruckend. Ein Obstbauer präsentierte uns voller Stolz seine Obstkulturen, gedeckt mit Agri-Fotovoltaik. Seine Äpfel und Birnen seien so vor Extremwetter wie Hagel geschützt, und er könne doppelt ernten, nämlich Früchte und Strom, meinte er. Der Obstbauer bedauerte allerdings, dass Agri-Fotovoltaik momentan nur möglich sei, wenn die Kulturen darunter mehr Ertrag abwürfen, was nicht bei allen Kulturen der Fall sei.

Die Schweiz soll bis spätestens 2050 klimaneutral werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die inländische erneuerbare Stromproduktion stark ausgebaut werden. Gemäss dem neuen Gesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien, das wir hoffentlich in dieser Session bis zur Schlussabstimmung bringen können, sollen bis 2035 zusätzliche 35 Terawattstunden Strom mit erneuerbaren Energien produziert werden. Den Löwenanteil davon wird, ja muss sogar die Fotovoltaik liefern. Neben dem massiven Zubau auf Dächern, Fassaden und versiegelten Flächen brauchen wir eben auch kluge Agri-Fotovoltaik-Lösungen.

Im Ausland hat man die Vorteile von Agri-Fotovoltaik längst erkannt. In Frankreich und Deutschland wird sie gefördert. Man hat erkannt, dass die Bauern eben doppelte Ernte einfahren können, neben den angebauten Kulturen können sie auch Strom ernten und verkaufen. Die Klimamodelle zeigen, dass auch in der Schweiz Hitzeperioden und extreme Wetterereignisse zunehmen werden, deshalb braucht es sowieso zusätzliche Schutzvorrichtungen für empfindliche Kulturen. Anstelle von temporären Vorrichtungen wie Folientunnels oder Netzen, die auch Quellen von Mikroplastik sind, könnte Agri-Fotovoltaik zum Einsatz kommen.

Eine geschickte Kombination von Fotovoltaik und Landwirtschaft bringt neben der Produktion von erneuerbarem Solarstrom auch einen Zusatznutzen für die Landwirtschaft. Fotovoltaikmodule beschatten landwirtschaftliche Flächen, was sich positiv auf die Unterkulturen auswirkt und den Wasserverbrauch senkt. Es müssen weniger Pflanzenschutzmittel und Fungizide verwendet werden. Fotovoltaisch genutzte Acker- und Grünlandflächen könnten zur Förderung der Biodiversität beitragen und somit eben auch einen Beitrag zum Naturschutz leisten.

Wie der Bundesrat richtig schreibt, ist das Potenzial von Agri-Fotovoltaik in der Schweiz mittlerweile bereits erhoben worden. Ich werde deshalb mein Postulat zurückziehen, es hat sich erübrigt. Aber ich nutze die Gelegenheit, Ihnen einige Erkenntnisse aus der Studie der ZHAW bekannt zu geben. Sie weist nämlich ein enorm hohes Potenzial aus. Insgesamt könnten 131,9 Terawattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden. Gemäss Berechnungen der ZHAW liegt das Stromerzeugungspotenzial bei Dauerkulturflächen wie Obstbaumkulturen, Reben oder Kernobstbaumkulturen wie Himbeeren immerhin bei 5,1 Terawattstunden pro Jahr; verglichen zum anderen Potenzial ist das sehr wenig. Das mit Abstand grösste Stromerzeugungspotenzial weist die Studie für Ackerflächen aus, gefolgt von Weiden und Wiesen.

Es ist jetzt an uns, die nötigen Regulierungen zu beschliessen, um dieses Potenzial besser auszuschöpfen. Oder wie es der Obstbauer an der Aargauer Landwirtschaftsausstellung gesagt hat: Es müsste doch möglich sein, Fotovoltaik in der Landwirtschaft zu verwenden, auch ohne dass ein Mehrertrag nötig ist. Das wäre ein wesentlicher Beitrag zur Energiewende.