Marti Min Li · Nationalrat · 2023-09-19
Marti Min Li · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2023-09-19
Wortprotokoll
Im Gegensatz vielleicht zu anderen Leuten hier im Saal finde ich es durchaus gut und sinnvoll, wenn der Bund als Arbeitgeber eine Vorbildfunktion einnimmt, wenn der Bund ein guter Arbeitgeber ist. Das gilt natürlich auch für die bundesnahen Betriebe.
In meinem Vorstoss geht es um die Frage der Lohntransparenz. Wir wissen, Lohntransparenz ist ein wichtiger Beitrag, wenn es um Lohngleichheit geht, und es ist ein wichtiger Beitrag, um eben diese Lohngleichheit gewährleisten zu können und Lohndiskriminierung zu bekämpfen. Darum fordere ich mit meinem Vorstoss, dass in den Stellenausschreibungen sowohl beim Bund als auch bei den bundesnahen Betrieben der Lohn schon in der Stellenausschreibung aufgeführt wird. Es gibt diverse Studien, die sagen, dass schon der Anfangslohn einen Einfluss in Bezug auf eine Lohndiskriminierung haben kann. Wenn die Lohnhöhe offen ist, kann das Leute bevorteilen, die sehr gut verhandeln können, aber nicht unbedingt besonders geeignet sind; dies im Gegensatz zu Leuten, die vielleicht nicht verhandeln und vielleicht am Anfang einen Fehler gemacht haben. Es führt auch zu Unzufriedenheit im Betrieb, wenn nicht klar ist, wie hoch die Löhne sind, wenn Löhne als diskriminierend oder als ungerecht wahrgenommen werden.
Das ist der Grund, warum in verschiedenen Ländern jetzt Gesetze erlassen werden, um Lohntransparenz bereits beim Beginn herzustellen. Es gibt diverse Studien, die hierzu einen positiven Effekt nachweisen, gerade wenn es um die Lohngleichheit geht, und diese ist ja auch dem Bund ein wichtiges Anliegen.
Jetzt haben Post und Swisscom bekannt gegeben, dass sie Transparenz in ihren Stelleninseraten herstellen wollen. Das begrüsse ich sehr. Meines Erachtens wäre dies auch für den Bund selber sowie für alle bundesnahen Betriebe sinnvoll. Der Bundesrat bekämpft dieses Anliegen aber und sagt, in [PAGE 1756] der internen Ausschreibung werde z.[NB]B. die Lohnklasse angegeben, den Internen sei das Lohnsystem also quasi bekannt. Das unterstütze einen durchlässigen internen Stellenmarkt. Es ist mir nicht ganz einsichtig, warum man unbedingt die internen Bewerber und Bewerberinnen bevorteilen und nicht auch für externe Bewerberinnen und Bewerber gleich lange Spiesse schaffen soll. So haben auch Letztere eine klare Einschätzung, wie das Lohnsystem des Bundes funktioniert und in welcher Lohnklasse die Stelle, die ausgeschrieben ist, sich befindet. Mir scheint, wenn der Bund als vorbildlicher Arbeitgeber im Kampf gegen Lohndiskriminierung und für Lohngleichheit wirklich ernst machen will, dann wäre die Transparenz eigentlich ein sehr gutes und sehr einfaches Mittel, um diese herzustellen.
Ich bitte Sie, meinem Vorstoss zuzustimmen.