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Widmer Hans · Nationalrat · 2003-05-06

Widmer Hans · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2003-05-06

Wortprotokoll

Ich möchte daran erinnern, dass noch etwa vor einem Jahr - die Situation war damals tatsächlich etwas anders - immerhin 120 Mitglieder dieses Parlamentes in Motionen für 6,5 Prozent plädiert haben. Jetzt sind wir in einer neuen Situation, und die Kommission hat einstimmig für 5 Prozent votiert, wie das Herr Scheurer eben gesagt hat. Ich persönlich werde aber selbstverständlich für die Motion stimmen, die 6 Prozent Erhöhung verlangt.

Dazu einige Überlegungen: Herr Scheurer hat es gesagt: In Krisenzeiten muss man dort investieren, wo es sich lohnt. Zusätzliche Investitionen sind notwendig bei den Faktoren, die für die Wirtschaft entscheidend sind. Das ist das beste Mittel, um aus der Krise herauszukommen, allerdings nicht in einer kurzfristigen Logik, sondern längerfristig betrachtet. Ich erinnere an das berühmte Beispiel Finnland, das Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre in wirtschaftlich äusserst schwierigen Zeiten beschloss, in Bildung und Forschung zusätzliche Mittel zu investieren. Die Früchte dieser Politik können die Finnen heute ernten. Ich verweise weiter auf ein für die Schweiz ganz trauriges Kapitel, auf die Pisa-Studie. Bei dieser Untersuchung der Schulleistungen hatte Finnland im Unterschied zur Schweiz in Europa eine absolute Spitzenleistung vorzuweisen. Finnland hat übrigens sehr viel in eine umfassende Lehrerbildung investiert, welche die Grundlage für hohe Qualifikationen in allen Berufsbereichen darstellt. Wenn wir dort sparen, sparen wir bei den Multiplikatoren, und am Schluss ergibt sich das Problem, dass die Qualität weiter und grossflächig sinkt.

Auch der kürzlich veröffentlichte Wachstumsbericht des Bundesrates weist auf den Zusammenhang von Investitionen im BFT-Bereich und wirtschaftlichem Wachstum hin. Wir können aber auch auf die Geschichte unseres eigenen Landes blicken; da bitte ich Sie, Ihr Gedächtnis zu aktivieren, Ihre geschichtlichen Kenntnisse abzurufen. Ende der Sechziger- und Anfang der Siebzigerjahre hat der Bund in diesem Bereich ganz massiv investiert. Zwischen 1960 und 1973 hat der Bund seine Mittel für die ETH um mehr als 1000 Prozent erhöht. Die Mittel für den Nationalfonds stiegen in jener Zeit um 700 Prozent. Der Bund hat in diesen Jahren auch begonnen, die kantonalen Universitäten zu unterstützen. Er hat damals auch schon erhebliche Mittel in die Berufsbildung investiert. Diese weitsichtige Politik hat ihre Früchte getragen. Sie hat uns in den letzten dreissig Jahren Entwicklung, Wohlstand und Stabilität gebracht. Wir stehen in der Verantwortung, heute für die nächste Generation dieselben Investitionen zu tätigen.

Stimmen Sie deswegen einem grossen Zuwachs zu, wenn möglich 6 Prozent. Jene, die nicht über ihren Schatten springen können, bitte ich, einem Zuwachs von 5 Prozent zuzustimmen.