Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2024-06-03
Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2024-06-03
Wortprotokoll
Die Horrorszenarien, die ich mir bis jetzt anhören musste, sind unglaublich, obwohl wir hier über eine Initiative diskutieren, die eine reine Selbstverständlichkeit will, nämlich das Wirtschaften innerhalb unserer planetaren Grenzen. Sie will keine Wohlstandsvernichtung, im Gegenteil, es geht um die Zukunft - falls denn auch unsere Kinder eine Zukunft haben sollen. Es ist logisch, dass wir innerhalb der planetaren Grenzen wirtschaften müssen und nicht mehr verbrauchen können, als uns der Planet hergibt und er für die Zukunft wieder regenerieren kann. Das ist nun einfach nicht mehr ignorierbar, ausser die Zukunft der Menschheit ist uns allen egal, gemäss dem Motto "Nach uns die Sintflut".
Die Allmachtsfantasien, es sei alles machbar und die Ressourcen seien unerschöpflich, gehen nicht auf, das wird jetzt sichtbar. Wir haben Probleme mit der Umwelt, und das schadet uns. Für die Natur ist quasi alles möglich, da geht es irgendwie weiter, nur für uns Menschen geht es so nicht weiter. Wir sind abhängig von einer gesunden Umwelt. Haben wir zu wenig Biodiversität, so haben wir zu wenig Nahrung. Haben wir schlechte Luft, so macht uns Menschen das krank. Haben wir verdrecktes Wasser, so sterben die Fische und wir können sie nicht mehr essen, vor allem aber werden auch wir krank. Sauberes Wasser ist existenziell für unser Leben. An den Folgen der Klimaerwärmung - den Tsunamis, den Dürren, Überschwemmungen, Erdrutschen, Erdbeben - sterben die Menschen, oder sie haben kein Auskommen mehr. Es geht also ums menschliche Überleben.
Interessanterweise stösst das reichste Prozent der Weltbevölkerung so viel klimaschädigende Treibhausgase aus wie die ärmsten zwei Drittel der Welt. Und trotzdem sind es die ärmeren und die armen Menschen, die von Katastrophen überproportional betroffen sind. Die Folgen der Klimakrise wie Dürren, Hungersnöte und überflutete Küstenregionen sind zuerst im globalen Süden sichtbar. Aber siehe da, mit Überschwemmungen sind wir jetzt auch hier in der Schweiz konfrontiert. Ganz schlimm ist die Lage zurzeit in Deutschland. Und schauen Sie die Studien an. Sogar eine Studie der Weltbank sagt: Wenn wir nicht sehr viel mehr für den Klimaschutz tun, werden in fünfzehn Jahren 100 Millionen Menschen mehr in Armut leben. Und es geht weiter: Gemäss der Klima-Allianz Schweiz gehen wissenschaftliche Schätzungen davon aus, dass bei einer Erwärmung um 2,5 Grad zusätzliche 45 bis 55 Millionen Menschen Hunger leiden werden; bei einem Anstieg der Temperatur über 2,5 Grad sind es 65 bis 75 Millionen Menschen; bei 3 bis 4 Grad mehr sind wir dann bereits bei 80 bis 125 Millionen Menschen in absoluter Armut - und stellen Sie sich die Migration vor, die darauf folgt.
Es ist also für uns alle dringend, eine Politik der gesunden Umwelt zu installieren. Wir sind dran, aber - wir wissen es eigentlich alle - eben nicht in genügendem Mass. Armutsbekämpfung, mehr soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz sind kein Widerspruch. Der Umbau hin zu erneuerbaren Energien befördert keinen Wirtschaftsabbau, wie Sie hier postuliert haben, sondern bringt genügend Arbeitsplätze mit sich und befördert sogar den Aufbau von würdigen Arbeitsplätzen. Es gibt dazu eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation, die das klar zeigt. Mit Aufforstung, mit nachhaltiger Landwirtschaft, mit Solarenergie, mit Wasserversorgung, in der Bildung und im Gesundheitswesen können wir nachhaltig zugunsten aller investieren. [PAGE 1006]
Sagen Sie also Ja zu dieser Initiative oder zumindest zum Antrag der Minderheit I (Trede) auf einen direkten Gegenentwurf, der einen sinnvollen Weg aufzeigt.