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AB 343412

Gysi Barbara · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2024-09-11

Wortprotokoll

Sie haben es vom Präsidenten gehört: Es geht hier um Myalgische Enzephalomyelitis, das Chronic Fatigue Syndrome oder eben um ME/CFS; diese Abkürzung lässt sich wesentlich einfacher aussprechen. Das ist eine komplexe Thematik. Mindestens rund 20[NB]000 Personen sind in der Schweiz an ME/CFS erkrankt. Es handelt sich um eine Krankheit, die von der Forschung kaum beleuchtet wird und auch in der Behandlung kaum Beachtung findet.

Meine Kollegin, alt Nationalrätin Yvonne Feri, hat mit ihrem Postulat einen Bericht verlangt. Ich habe den Vorstoss übernommen und darf heute dazu sprechen.

Es ist sehr wichtig, dass wir mehr über diese Krankheit erfahren. Ich selber hatte verschiedene Kontakte, auch mit Betroffenen und Familienangehörigen. Diese sind sehr oft in einer schwierigen Situation, wenn es um die Begutachtung geht oder auch um die Frage, IV-Leistungen zu bekommen; das sind wesentliche Themen.

In den letzten eineinhalb Jahren ist, was ja auch erfreulich ist, nicht nichts passiert, wie man aus der Stellungnahme des Bundesrates erfährt. Zum einen sind schon früher parlamentarische Vorstösse eingereicht worden. So soll demnächst auch das Postulat Müller Damian beantwortet werden. Ständerat Müller Damian hat schon im Jahre 2020 ein Postulat eingereicht. Es wird auch, glaube ich, auf das erste Quartal des nächsten Jahres ein Bericht zur Situation in den Sozialversicherungen erarbeitet. Dort geht es natürlich nicht ausschliesslich um ME/CFS, sondern auch um Long Covid. Sehr oft werden diese Krankheiten zum Glück jetzt auch miteinander betrachtet. Es gibt natürlich Unterschiede, aber in den Ausprägungen und in den Folgen sind diese Krankheiten doch auch verwandt. Es macht Sinn, dass man sie heute gemeinsam betrachtet.

Auch Ihre SGK hat sich mit dem Thema beschäftigt. Anfang April haben wir dem Bundesrat ein Schreiben geschickt, in dem ausgeführt wird, dass es aufgrund von Long Covid und ME/CFS wirklich wichtig ist, dass es ein nationales Kompetenzzentrum für postinfektiöse Erkrankungen gibt, das in allen Sprachregionen wirkt, dass es Forschung braucht und dass man auch die IV-Thematik angehen muss.

Jetzt einen weiteren Bericht zu verlangen, macht vielleicht nicht wirklich Sinn. Ich habe mich darum mit Kollegin Feri besprochen und werde dieses Postulat heute zurückziehen. Aber es war mir trotzdem wichtig, auch darauf hinzuweisen, wie wichtig diese Thematik ist und dass Menschen, die[NB]von[NB]ME/CFS[NB]betroffen sind, von der Politik gesehen und gehört werden und sie erfahren, dass wir ihre Anliegen aufnehmen.

Es ist, wie ich bereits gesagt habe, in den letzten eineinhalb Jahren einiges passiert. So gibt es unter anderem inzwischen eine internationale bzw. interregionale Zusammenarbeit zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich. Man pflegt einen interdisziplinären und kollaborativen Austausch. Es gibt also nicht nur in unserem Land Expertise. Vielmehr sucht man die Zusammenarbeit mit dem nahen Ausland, was meines Erachtens gut und richtig ist. [PAGE 1471]

Gerade heute Morgen stand ich im Austausch mit Personen, die sich in diesem Bereich engagieren. Ich durfte erfahren, dass erst kürzlich - ich nehme an, dass die Frau Bundesrätin vielleicht auch noch etwas dazu sagen wird - ein runder Tisch stattgefunden hat, an dem Organisationen, die ME/CFS-Erkrankte vertreten, teilnahmen wie auch Long Covid Schweiz, das Bundesamt für Gesundheit, FMH und Gilead. Man hat an einem runden Tisch die Problematik umfassend besprochen, über Massnahmen diskutiert und auch festgehalten, dass es notwendig ist, eine nationale Strategie zu erarbeiten, Kompetenz- und Referenzzentren zu vernetzen. Man war sich aber auch einig, dass es Daten, Kohortenregister braucht. Insofern denke ich, dass wir jetzt nicht weitere Berichte brauchen, sondern dass vielmehr gehandelt werden muss.

In diesem Sinne bin ich froh, wenn die Thematik weiterverfolgt wird. Dieses Vertrauen habe ich, und darum ziehe ich das Postulat zurück.