preparatory:AB 345574
Gmür-Schönenberger Andrea · Ständerat · Luzern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2024-09-23
Wortprotokoll
Leider hatte ich während der Sitzung keine Gelegenheit mehr, den Minderheitsantrag zu unterzeichnen, ich melde mich aber trotzdem. Ich hätte nämlich diesen Minderheitsantrag unterschrieben.
Der Numerus clausus prüft rein kognitive Fähigkeiten. Die braucht es zweifelsohne. Sie reichen aber bei Weitem nicht aus, um die Eignung eines jungen Menschen für das Medizinstudium abzuklären. Eine Ärztin, ein Arzt muss mindestens ebenso sehr soziale und kommunikative Kompetenzen haben. Es braucht die einfühlsame und klare Kommunikation mit Patienten, mit Angehörigen, mit Kollegen; es braucht auch sehr viel Empathie. Bei einem Numerus clausus wird diese null geprüft. Eine Ärztin, ein Arzt muss auch über die notwendige Belastbarkeit und Resilienz verfügen. Wie geht man mit einer Situation um, in der ein Patient im Sterben liegt? Wie arbeitet man unter ausserordentlich hohem Druck noch immer effektiv, und wie hält man dies alles aus? Auch das wird mit dem Numerus clausus nicht geprüft. Schlussendlich braucht es auch organisatorische und administrative Kompetenzen. Es braucht ein Zeitmanagement, man muss Berichte schreiben, man muss dokumentieren können; auch das wird bei einem Numerus clausus nicht geprüft. Eine erfolgreiche Ärztin muss aber all diese Kompetenzen haben, muss über diese verfügen.
Der Numerus clausus ist viel zu einseitig, und, wie gesagt, er bildet die erforderlichen Kompetenzen und Qualitäten nicht ab. Es braucht zwingend neue Massnahmen. Vor Studienantritt braucht es zum Beispiel ein längeres Praktikum, sodass [PAGE 878] die Eignung eben im Detail geprüft werden kann. Umgekehrt würden die angehenden Studierenden dann eben auch merken, ob das wirklich der Beruf ist, den sie später ausüben möchten. Heute ist es nämlich immer noch so, dass sehr viele junge Menschen, die ein Medizinstudium absolvierten, schlussendlich etwas ganz anderes machen.
In der Schweiz haben wir einerseits zu wenig Studienplätze, wir müssen laufend Leute aus dem Ausland beiziehen. Andererseits haben wir gleichzeitig das neue Phänomen, dass unsere jungen Leute ins Ausland abwandern, um dort ein Medizinstudium zu absolvieren. Das alles kann es nicht sein.
Ich bitte Sie, der Minderheit und damit dieser Motion zuzustimmen.