Jost Marc · Nationalrat · 2025-05-06
Jost Marc · Nationalrat · Bern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-05-06
Wortprotokoll
Stabile Paarbeziehungen sind für unsere Gesellschaft, für unsere Wirtschaft, ja für unser ganzes Land von grossem Nutzen. Wenn es Paaren hingegen schlechtgeht, hat dies weitreichende negative Folgen. Das merken nicht nur die Angehörigen, sondern auch zum Beispiel der Arbeitgeber. Damit sind die Folgen weitreichender und betreffen nicht nur den privaten Sektor.
Laut dem Bundesamt für Statistik hat die familiäre Situation auch einen direkten Einfluss auf die finanzielle Lage der Haushalte. Paarhaushalte sind oft finanziell bessergestellt und in der Regel auch zufriedener als andere Haushalte. Besonders alleinerziehende Personen sind stärker gefährdet, in Armut zu geraten oder gesundheitliche Probleme zu bekommen. Eine Paarbeziehung ist jedoch nicht einfach der Himmel auf Erden; wir haben es soeben bei der Behandlung des Postulates Docourt 24.4642 gehört. Auch in Partnerschaften bestehen Probleme. Es lohnt sich, dieser Tatsache Beachtung zu schenken. Gesunde Paarbeziehungen reduzieren beispielsweise das Risiko für häusliche Gewalt oder eben auch für psychische Gewalt. Vergessen wir nicht: Die Hälfte der Tötungsdelikte in der Schweiz findet im häuslichen Bereich statt. Auch das Wohlergehen von Kindern hängt stark [PAGE 628] von der Beziehungsqualität und der Konfliktfähigkeit ihrer Eltern ab. Schliesslich wird auch der Wohnungsmarkt belastet, wenn Partnerschaften scheitern.
Nun ist der Bundesrat der Meinung, es gebe schon genügend Daten und Studien zu den verschiedenen Lebenssituationen von Familien. Ja, Frau Bundesrätin, es gibt zahlreiche Daten, auch zur wirtschaftlichen Situation. Das ist richtig. Ich hätte gerne eine grobe Einschätzung gehabt, aber ich ziehe den Teil des Postulates, in dem es um quantitative Feststellungen geht, zurück.
Es besteht jedoch ein öffentliches Interesse an der Förderung von Partnerschaften und ihrer Gesundheit. Dazu und auch zur Frage, wie Prävention am besten umgesetzt wird, liegen keine Studien vor, und es gibt auch keinen Überblick über die bestehenden Angebote. Insbesondere geht es mir um Angebote für Beratung und Therapie. Das können Angebote im Bereich der psychischen Gewalt sein; das kann aus meiner Sicht aber auch sehr viel umfassender sein, als es das Postulat Docourt 24.4642 verlangt, welches wir soeben beraten haben. Gerade im vom Bundesrat zitierten Bericht des Bundesamtes für Sozialversicherungen "Dienstleistungen für Familien" fällt auf, dass darin kaum spezifische Angebote für Ehe- und Paarbegleitungen erwähnt werden. Der Bericht weist auf die Väter- und Mütterberatung hin, eine Institution, die fest in den Kantonen verankert ist. Der Qualität der Paarbeziehung wird jedoch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Wenn Sie schon sagen, es passe in Ihre Strategie, dass gegen psychische Gewalt in Paarbeziehungen vorgegangen wird, so finde ich, dass man das viel umfassender angehen könnte. Deshalb schlage ich Ihnen Folgendes vor, Frau Bundesrätin: Da das Postulat Docourt angenommen worden ist, sollten Sie im Postulatsbericht auch diesen Bereich abdecken. Sie sollten also einen umfassenden Bericht zu beiden Postulaten erstellen und darin auch diese präventiven Massnahmen und Möglichkeiten und eine diesbezügliche Übersicht hinsichtlich der Kantone aufnehmen. Denn wenn Paare und Familien leiden, leidet unsere ganze Gesellschaft, unsere ganze Wirtschaft. Gesunde Paare hingegen sind eine stabile Grundlage, von der die Allgemeinheit und das Gemeinwohl profitieren.
Wie gesagt, der erste Teil meines Postulates ist zurückgezogen, es geht nur noch um den zweiten Teil. Besten Dank, wenn Sie diesen Teil des Postulates unterstützen.