AB 358162
Jauslin Matthias Samuel · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion · 2025-06-12
Wortprotokoll
Ja, auch ich nehme die Berichterstattung in den Nachrichtengefässen der SRG als spürbar links wahr. Und ja, auch ich finde etliche Sendungen aus dem Hause Leutschenbach eher peinlich als unterhaltsam. Doch das ist wohl ein persönliches Empfinden und beruht auf einer einseitigen Sichtweise. Ich frage mich, ob diese vereinfachte Darstellung herangezogen werden darf, um ein tief verankertes Medienhaus in die Knie zu zwingen.
Die Behauptung der Initianten, die SRG bedränge die privaten Medien und behindere dadurch die nationale Medienvielfalt, erachte ich als falsch. Vielmehr passiert nämlich das Gegenteil. Ohne eine stabile SRG, die sich bemüht, die schweizerische Vielfalt auf ihren Plattformen auszuspielen, wären die privaten Medienhäuser nicht imstande, der ausländischen Konkurrenz die Stirn zu bieten. Allein der nationale Werbemarkt würde vollständig von den internationalen Sendern abgezügelt.
Auch die Forderung der Initianten, die SRG solle sich nur noch auf Kernaufgaben konzentrieren, ist etwas schräg. Erstens haben es weder das Bundesparlament noch der Bundesrat bis heute geschafft, diesen Kernauftrag zu schärfen, und zweitens braucht ein Medienhaus einen maximalen Themenmix, um die notwendige Breite überhaupt zu erreichen. Diese Vielfalt gilt es auf möglichst vielen Kanälen zu verbreiten - ein multimedialer Service public. Dazu[NB]gehören[NB]logischerweise auch Online-Anbindungen, zeitversetztes Ausstrahlen, Hintergrundinformationen, Bildmaterial und Kommentare, die Sie jederzeit und überall abrufen können.
Es macht etwas nachdenklich, wenn insbesondere die jüngere Generation mit einer Selbstverständlichkeit der Ansicht ist, dass all diese Angebote gratis zu haben sind, oder darauf hinweist, dass sie die Angebote der SRG gar nicht will und daher auch nicht einsieht, einen Obolus dafür zahlen zu müssen. Da kann man sich auch fragen, warum die gesamte Bevölkerung die Infrastrukturen wie Sportanlagen, Freizeit- und Kultureinrichtungen, Mobilitätsangebote, Schulen, höhere Berufsbildungsangebote oder Kindertagesstätten finanzieren soll, selbst wenn sie es gar nicht braucht. Die Antwort liegt auf der Hand: Es dient eben dem allgemeinen Wohlbefinden und dem Zusammenhalt; es dient uns als Gesellschaft. Unser Wohlstand misst sich nicht nur an materiellen Gütern, nicht nur am Kontostand, sondern auch am gegenseitigen Respekt, am Gemeinsinn und an einer aktiven Kommunikation. Die SRG ist ein Teil davon, und den sollten wir nicht über Bord werfen.
Selbstverständlich ist die SRG gefordert, nur ein Zurücklehnen darf es nicht geben, notwendige Korrekturen sind sorgfältig aufzugleisen. Ich erwarte von der SRG-Führung eine vermehrte Zusammenarbeit mit sämtlichen nationalen Medien. Projekte sind womöglich auch mal gemeinsam anzugehen. Warum nicht mal Sportübertragungen einem privaten Anbieter überlassen? Warum nicht mal Bildmaterial allen nationalen Medien zur Verfügung stellen? Warum nicht mal ein Filmprojekt gemeinsam aufgleisen? Warum soll man sich nicht regelmässig treffen, um Probleme anzusprechen, anstatt die Faust im Sack zu machen?
Den Initianten ist zu verdanken, dass die SRG aufgewacht ist und sich nicht mehr einfach hinter Artikel 93 der Bundesverfassung verstecken kann. Es braucht Bewegung, aber es braucht auch finanzielle Mittel.
Sagen wir daher Nein zur 200-Franken-Initiative und Nein zur Schwächung der SRG. Ärgern wir uns einerseits weiterhin über Sendegefässe wie "Arena" mit dem Besserwisser Sandro Brotz und über Fussballübertragungen mit dem nervigen Sascha Ruefer oder über das seichte Magazin "Gesichter und Geschichten". Erfreuen wir uns andererseits an gut recherchierten Wissenschaftsmagazinen, spannenden Leichtathletikübertragungen und dem traditionellen "Echo der Zeit". Das ist es mir wert!