Regazzi Fabio · Ständerat · 2025-09-08
Regazzi Fabio · Ständerat · Tessin · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-09-08
Wortprotokoll
Ich vertrete eine starke Minderheit der Kommission und möchte zu Beginn meine Interessenbindung offenlegen: Ich bin Verwaltungsrat des HC Lugano und kenne die Herausforderungen im Profisport sehr gut, insbesondere die stark steigenden Lohnkosten, die zu den zentralen Problemen zählen. Wir sprechen von Durchschnittslöhnen - Durchschnittslöhnen! - von über 300[NB]000 Franken. Die Politik hat diese Entwicklung bereits vor Jahren erkannt und während der Covid-19-Pandemie die A-Fonds-perdu-Zuschüsse an Lohnsenkungen gekoppelt.
Mir liegt das wirklich am Herzen. 12 von 14 Clubs unterstützen das Vorhaben, und ich bin überzeugt, dass die Politik hier in der Verantwortung steht. Ich erlebe in Bezug auf die Sommersession 2024 ein Déjà-vu. Damals empfahl die ständerätliche Kommission für Wirtschaft und Abgaben, auf eine gesetzliche Grundlage zur freiwilligen Einführung einer Bruttolohn-Obergrenze zu verzichten. Der Ständerat nahm besagten Artikel 6 Absatz 4 jedoch deutlich mit 31 zu 8 Stimmen bei 5 Enthaltungen an.
Inzwischen lehnte der Nationalrat die Bestimmung, wie vom Berichterstatter erwähnt, auf Antrag seiner Kommission ab. Heute diskutieren wir eine neue Formulierung - erarbeitet durch das SECO - mit demselben Ziel, eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, damit Clubs freiwillig, in Eigenregie und mit Mehrheitsentscheid, eine flexible Bruttolohn-Obergrenze im Rahmen eines Financial-Fairplay-Systems einführen können. Eine solche freiwillige Vereinbarung ist nur auf Basis einer expliziten kartellrechtlichen Ausnahme möglich. Es gibt kein milderes Mittel als eine gesetzliche Verankerung im Kartellgesetz, um die Ziele der Clubs zu erreichen. Bieten wir Hand dafür.
Ce n'est pas à la politique de fixer les salaires. Sur ce point, nous sommes tous et toutes d'accord. Pourtant, douze des quatorze clubs de hockey sur glace de la National League sollicitent aujourd'hui un soutien politique. Offrons-leur cet instrument, afin qu'ils puissent l'utiliser sur une base volontaire.
Ich bin, wie viele hier im Saal, ein überzeugter Vertreter einer liberalen Marktordnung. Doch im Profi-Hockeysport greifen [PAGE 737] die Prinzipien der freien Marktwirtschaft, wie sie das Kartellgesetz fördern soll, nicht.
1.[NB]Die Clubs der National League sind sportliche Konkurrenten, jedoch nur in einer ausgeglichenen, spannenden Liga wirtschaftlich überlebensfähig. Dieses Bewusstsein führt zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, etwa bei der gleichmässigen Verteilung der TV-Einnahmen, unabhängig von Zuschauerzahlen oder Vermarktungswerten.
2.[NB]Der Markt eines Clubs ist lokal begrenzt. Dies betrifft sowohl die Zuschauenden als auch das Potenzial an Sponsoren und Gönnern. Ein Wechsel zu einem anderen Club ist bei ungenügender Leistung nicht einfach möglich. Anders ist dies etwa bei einem Malergeschäft.
3.[NB]Der Sport lebt von Emotionen und ist nicht gewinnorientiert. Hockeyclubs sind auf das Vertrauen zahlreicher Sponsoren, Aktionäre und Unterstützer angewiesen, ohne dass diese Aussicht auf Dividendenausschüttungen haben.
4.[NB]Alle 14 Clubs der National League investieren seit jeher stark in die Nachwuchsförderung und zunehmend auch in das Fraueneishockey. Beide Bereiche sind schweizweit defizitär, aber politisch gewünscht.
Neben diesen besonderen Marktmechanismen gibt es weitere Argumente, warum wir dem Anliegen der 12 Clubs entsprechen sollten. Hockeyclubs schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sondern sind oft auch ein bedeutender Identifikationsfaktor für eine Region oder einen ganzen Kanton. Ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Funktionen - etwa Investitionen in den Nachwuchs- oder Frauensport - können sie nur auf einer soliden finanziellen Basis nachhaltig erfüllen.
Die neue gesetzliche Grundlage ermöglicht es den Sportligen, freiwillig und ohne jeglichen Zwang ein Financial-Fairplay-System einzuführen. Auch für die Arbeitnehmenden ist die Einführung einer Gehaltsobergrenze unbedenklich. Betroffen sind ausschliesslich Gehälter im Bereich von mehreren Hunderttausend Franken. Die Obergrenze wäre flexibel und könnte durch den Mehrheitsentscheid der Clubs unter Berücksichtigung der Interessen der Spieler angepasst werden. Das System liegt auch im Interesse der Arbeitnehmenden, da es das Risiko finanzieller Schwierigkeiten oder gar Insolvenzen reduziert.
Das Financial Fairplay hat sich im Ausland bewährt. Es gibt zahlreiche positive und funktionierende Beispiele. Man braucht nur den "salary cap" zu erwähnen, der in den USA und in Kanada in der NHL, also dem Eishockey, und in der NBA - Basketball - seit vielen Jahren gilt. Das sind Länder, die für eine sehr offene und liberale Marktwirtschaft bekannt sind. Ihre Regeln sind wesentlich strenger und rigider als diejenigen, die Gegenstand meines Minderheitsantrages sind. Es wird wohl einen Grund dafür geben, weshalb sie diese Regelung eingeführt haben. Ich glaube daher nicht, dass uns die Einführung einer ähnlichen Regelung in der Schweiz allzu grosse Probleme bereiten wird.
Eine überwältigende Mehrheit der Clubs befürwortet die Einführung des Financial-Fairplay-Systems. Es handelt sich nicht um einen staatlichen Eingriff, sondern um die Schaffung eines gesetzlichen Rahmens für die Einführung einer freiwilligen Massnahme. Aus Sicht der Minderheit ist dies das einzig erkennbare und wirksame Mittel, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Mehrheitsentscheide führen auch in der Politik zu den besten Resultaten. Geben wir den Clubs mit dieser gesetzlichen Grundlage die Möglichkeit, sich selbst zu organisieren und im Interesse des Sports zu entscheiden!
Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und bitte Sie, meine Minderheit zu unterstützen.