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preparatory:AB 363011

Riniker Maja · Nationalrat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion · 2025-09-22

Wortprotokoll

Er war einer, der das Leben liebte und es mit ganzer Kraft lebte. Völlig unerwartet ist unser Kollege Alfred "Fredi" Heer in der Nacht auf Freitag aus dem Leben gerissen worden - einige Stunden nachdem wir ihm hier im Bundeshaus noch begegnet sind. Mit grosser Fassungslosigkeit und Erschütterung[NB]mussten wir die Nachricht vom Tod von Alfred Heer entgegennehmen. Wir sind alle sehr traurig.

2007 wurde der Stadtzürcher Alfred Heer für die SVP des Kantons Zürich in den Nationalrat gewählt. Als Kaufmann und Kleinunternehmer - mit unserem Kollegen Mauro Tuena gründete er eine IT-Firma - verkörperte er in der Politik den sprichwörtlichen Selfmademan. Seine politische Karriere hatte er in den Parlamenten von Stadt und Kanton Zürich begonnen. Bis 2011 war er Mitglied der nationalrätlichen Kommission für Rechtsfragen, bis er in die Geschäftsprüfungskommission wechselte.

In der Aufsicht über die Behörden fand Alfred Heer eine grosse Aufgabe. 14 Jahre lang gehörte er der Geschäftsprüfungskommission an, die er 2016/17 präsidierte. Ab 2015 nahm er auch Einsitz in die Geschäftsprüfungsdelegation, der er von Ende 2019 bis Ende 2021 als Präsident vorstand. Es war in seiner Präsidialzeit, als die sogenannte Crypto-Affäre umfassend untersucht wurde. Als Geschäftsprüfer waren es seine Akribie und seine Zielstrebigkeit, die Alfred Heer auszeichneten. Er war einer, der den Dingen immer auf den Grund gehen wollte.

Ebenfalls im Jahr 2011 begann das zweite Mandat, das Alfred Heer ununterbrochen und mit Herzblut ausübte: die Mitgliedschaft in der Europaratsdelegation. 2016 bis 2018 präsidierte er die Delegation. Im Europarat engagierte er sich unter anderem in der Korruptionsbekämpfung. Aber auch für die Wahl von Alain Berset zum Generalsekretär des Europarates, die exakt vor einem Jahr stattfand, setzte er sich aktiv und erfolgreich ein. Wie in Bern erlangte er auch in Strassburg Respekt über alle Parteigrenzen hinweg. Sein Delegationskollege Damien Cottier sagt es treffend:

"Il était un membre très engagé, défendant ses positions avec conviction, n'hésitant pas à débattre, parfois vivement, mais réussissant à établir des relations cordiales avec de nombreux collègues, grâce notamment à sa capacité de contact humain et à l'humour rugueux, mais affectueux, qui le caractérisait."

Eine andere Delegationskollegin, Sibel Arslan, formuliert es wie folgt: "Sein tiefes Verständnis für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit machte ihn zu einem aussergewöhnlich guten Vertreter unserer Delegation im Europarat, und es trug entscheidend zum Erfolg des 'Team Switzerland' bei. Selten habe ich jemanden erlebt, der Sitzungen so effizient und prägnant leitete. Seine scharfsinnigen Witze spiegelten oft seine aussergewöhnliche Intelligenz wider."

Weiter war Alfred Heer in seiner Zeit als Nationalrat auch Mitglied der Immunitätskommission und der Delegation zur OECD. In der SVP-Fraktion hatte er das Amt des Vize-Fraktionspräsidenten inne.

Im Ratssaal und in der Öffentlichkeit war Fredi Heer alles andere als ein Leisetreter. Er war einer, der eine eigene Meinung hatte und für diese auch immer laut und deutlich geradestand. Wenn er das Wort ergriff, wurde Klartext geredet, vor verbalen Auseinandersetzungen fürchtete er sich nie. Seine prägnanten Sätze waren fadengerade, ohne aber zu verletzen. Immer schwang dabei auch eine gehörige Portion Schalk mit, zum Beispiel, als er sich als ehemaliger Fussballer hier in der Wintersession 2022 in der Debatte über die Frauenfussball-Weltmeisterschaft von Kollegin Schneider-Schneiter die Offsideregel erklären lassen wollte.

Fredi Heer war ein sehr warmherziger und lebensfroher Kollege, der sich ohne Scheuklappen mit allen Menschen verstand. Aus diesem Grund glaube ich behaupten zu können, dass jetzt alle hier im Saal im Kopf ihren persönlichen "Fredi-Moment" vor Augen haben. Er war ein unglaublich authentischer Mensch, der sich nie verstellte oder eine Rolle spielte und der immer zu seinem Wort stand. In geselliger Runde traf er singend den richtigen Ton, in kritischen Momenten war er derjenige, der ohne Zögern half. Mike Egger konnte das erst kürzlich erleben, als Fredi ihn in die Notaufnahme brachte.

Nun fehlt uns Fredi Heer schmerzlich. Kurz vor seinem vierundsechzigsten Geburtstag wurde er aus dem Leben und aus unserer Mitte gerissen. Fredi Heer hinterlässt eine erwachsene Tochter, Angehörige und ganz viele Freunde. Ihnen allen wünschen wir viel Kraft und viele schöne Erinnerungen an Fredi.

Wer unserem verstorbenen Kollegen Fredi Heer persönlich gedenken möchte, kann sich gerne im Kondolenzbuch eintragen, das bis zum Ende der Herbstsession im Bundesratszimmer aufliegt.

Ich bitte Sie nun alle, im Saal und auf den Tribünen, sich zu erheben und dem Verstorbenen in einem Moment der Stille zu gedenken.