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Flach Beat · Nationalrat · 2025-12-11

Flach Beat · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion · 2025-12-11

Wortprotokoll

Ich wohne in der Agglomeration, in einem ganz normalen Siedlungsgebiet. Am Morgen nach dem[NB]1.[NB]August liegt manchmal über dem ganzen Dorf und über dem Aaretal und den angrenzenden Wäldern ein beissender Nebel aus Pulverdampf. In den letzten Jahren sah ich auch Tiere, die in Panik aus dem Wald flüchteten, die genug hatten von der Knallerei, Rehe und andere Tiere, die plötzlich irgendwo in den Vorgärten herumstanden, oder Haustiere, die sich im Dorf verliefen, weil sie vor der Knallerei davongesprungen waren.

Ich verstehe deshalb sehr gut, warum die Initiative in breiten Bevölkerungsteilen grosse Zustimmung erhält. Sie ist Ausdruck eines, wie ich glaube, realen Problems. Feuerwerkslärm belastet Menschen, Haustiere, Wildtiere und auch die Umwelt. Viele Leute haben auch das Gefühl, dass Rücksicht und Vernunft verloren gegangen sind. Nachdem Feuerwerkskörper derart günstig geworden und in derart grossen Mengen verkauft worden sind, dass man das Gefühl hat, es gebe keine Grenzen mehr, hat die Eigenverantwortung plötzlich auch aufgehört. Dieses Gefühl sollte man nicht einfach ignorieren. Die Initiative ist insofern auch ein Warnsignal; ich halte sie für durchaus mehrheitsfähig in der Schweiz. Sie ist damit auch ein Aufruf an die Vernunft derjenigen, die Feuerwerk gern haben.

Gleichzeitig bin ich auch der Meinung, dass ein vollständiges Verbot zu weit geht. Feuerwerk gehört für viele Menschen zum 1.[NB]August und zunehmend auch zum Silvester. Es geht um Traditionen, und die haben ihren Wert. Ein generelles Verbot würde die Bevölkerung wahrscheinlich spalten und diejenigen bestrafen, die eigenverantwortlich und verantwortungsvoll mit Feuerwerk umgehen, die Spass daran haben, etwas Schönes zu sehen und zu erleben und auch die Gemeinschaft zu pflegen.

Deshalb halte ich den indirekten Gegenvorschlag für den richtigen Weg. Er geht nicht so weit wie die Initiative, aber er nimmt deren Kernanliegen ernst, und er setzt dort an, wo der Schaden am grössten ist, nämlich beim Lärm.

Erstens schaffen wir mit dem Gegenvorschlag ein Verbot von Feuerwerkskörpern, die ausschliesslich Knall erzeugen.

Zweitens wird die Ausweis- und Erwerbsscheinpflicht auf die lärmintensiven Feuerwerkskategorien ausgeweitet, womit etwas, das es bereits gibt, verbessert wird. Damit verhindern wir, dass besonders laute Produkte ohne jegliche Fachkenntnisse und ohne Rücksicht gezündet werden. Es ist ein gezielter Eingriff in die Freiheit, der dort ansetzt, wo die Belastung am stärksten ist, ohne dass aber die gesamte Tradition infrage gestellt wird.

Drittens stärken wir die Kompetenzen der Kantone und Gemeinden, denn gerade beim Feuerwerk sind lokale Gegebenheiten wie die topografische Lage, die Nähe zu Wäldern, die Siedlungsdichte oder das Vorhandensein von Schutzgebieten und so weiter eben zentral. Mit dem Gegenvorschlag können Gemeinden und Kantone strengere Regeln erlassen, wenn die Bevölkerung das wünscht. So entsteht ein kluger Kompromiss, eine Schweizer Minimalregelung, kombiniert mit lokalen Gegebenheiten. Das Schutzbedürfnis wird somit dort geregelt, wo es besteht.

Es ist ähnlich wie mit der Frage, ob es in Dörfern Tempo-30-Zonen geben soll; darüber sollten die Dörfer, die Städte selbst entscheiden. Ich verstehe die Argumentation von rechts nicht, man solle die Handhabung von Feuerwerk lokal regeln. Wenn es dann aber um den individuellen Schutz nicht nur am 1.[NB]August, sondern an 365 Tagen im Jahr geht bzw. um die Frage, ob Tempo-30-Zonen gemacht werden sollen, um Kinder und alle Menschen auf der Strasse zu schützen, dann soll dies nicht lokal geregelt werden.

Wo wir am Ende stehen werden, kann ich, ehrlich gesagt, nicht sagen. Insbesondere am Küchentisch meiner Familie wird das Thema wahrscheinlich heiss diskutiert werden. Wenn der Gegenvorschlag eine Mehrheit hat, glaube ich, [PAGE 2250] wird auch am Küchentisch der Familie Flach der Gegenvorschlag obsiegen, ansonsten wahrscheinlich die Initiative.