Egger Mike · Nationalrat · 2025-12-17
Egger Mike · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-12-17
Wortprotokoll
Mit dieser Initiative bestellt man nicht einen Fortschritt oder eine Erhöhung des Selbstversorgungsgrades, sondern eine Mangelernährung à la carte. Als gelernter Fleischfachmann, als stellvertretender Geschäftsführer eines Fleischunternehmens mit über 350 Mitarbeitenden und als Nationalrat sage ich es heute in aller Klarheit: Diese Vegan-Initiative ist gefährlich, wissenschaftlich fragwürdig und führt unsere Bevölkerung schleichend in Richtung staatlich verordneter Menüplan. Das ist nicht Ernährungspolitik, das ist staatlicher Küchenkommunismus.
Die Studienautoren bei Notabene Nutrition unter der Leitung von Dr.[NB]Colombani der ETH weisen klar darauf hin, dass bei den geltenden Ernährungsempfehlungen des Bundes veraltete Methoden angewendet werden. Die heutige Forschung spricht klar von einem deutlich höheren Proteinbedarf als früher angenommen. Die Empfehlungen des Bundes unterschätzen massiv, wie viel hochwertige Proteine der Mensch eben braucht. Zudem, und das ist zentral, zählt nicht einfach nur der Proteingehalt, sondern die tatsächliche Verwertbarkeit. Pflanzliche Proteine schneiden deutlich schlechter ab als tierische, das heisst, man müsste deutlich mehr[NB]Bohnen,[NB]Linsen[NB]und[NB]Tofu essen, damit sie mit einer normalen Fleischportion mithalten könnten. Viele pflanzliche Ersatzprodukte liefern neben den vielen E-Nummern, die man in verarbeiteten Produkten findet, auch eine grosse Menge an Kalorien.
Leider ignoriert man diese wissenschaftlichen Erkenntnisse beim Bund aufgrund einer ideologisch geprägten Führung durch die zuständigen Bundesbeamten. Mit dieser Initiative würden wir genau diejenigen Lebensmittel einschränken, die zuverlässig und effizient hochwertige Proteine und Nährstoffe liefern, ausgerechnet jene, die unsere Gesundheit sichern. Wenn wir künftig die tierische Lebensmittelproduktion einschränken und Ersatzprodukte propagieren, riskiert die Bevölkerung weniger Lebensmittel mit weniger Nährwert, weniger Volumen mit weniger Wirkung, mehr Preissteigerung mit weniger Substanz, einen Speiseplan light statt einer sicheren Ernährung.
Auch agrarökologisch ist diese Initiative ein absolutes Eigentor. Über 70 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsfläche sind Grünland, ein grosser Teil davon in Berggebieten. Dies bedeutet: Ein Grossteil der Landwirtschaftsfläche kann nur dank der Nutztierhaltung überhaupt für die Lebensmittelerzeugung genutzt werden, insbesondere in den Berggebieten. Ohne Nutztiere liegen diese Flächen brach, und die Versorgungssicherheit steigt nicht, sondern sie fällt. Man kann den Selbstversorgungsgrad nicht erhöhen, indem man die Tierhaltung zerstört. Das wäre, als würde man eine Leiter kürzen, um höher hinaufzusteigen. Ohne Nutztiere fehlt zudem der natürliche Dünger, und ohne Dünger hungert zuerst der Boden und dann entsprechend der Mensch.
Für die Bevölkerung, die Wirtschaft und die Ernährungssicherheit hätte diese Initiative gravierende Folgen: höhere Preise, weniger Auswahl, mehr Versorgungslücken, mehr Importe, gerade auch von veganen Ersatzprodukten aus Übersee oder Fleisch aus Ländern mit massiv tieferem Tierschutz. Gleichzeitig gefährdet und schadet diese Initiative dem Werkplatz Schweiz. Es sind doch 20[NB]000 Arbeitsplätze in der Fleischwirtschaft betroffen und über 148[NB]000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft.
Abschliessend gilt es festzuhalten, dass diese Initiative wissenschaftlich mangelhaft begründet, politisch bevormundend, agrarökologisch unlogisch und wirtschaftlich brandgefährlich ist. Sie schwächt unsere Proteinversorgung, bedroht die Existenz unserer Bauern- und Metzgerfamilien, welche täglich mit ihrem Herzblut die besten Lebensmittel der Welt herstellen, und sie bevormundet am Schluss die [PAGE 2411] Konsumentinnen und Konsumenten. Mit dieser Initiative gibt es am Ende mehr Verbote als Vitamine und Proteine aus der Schweiz, und das kann nicht ernsthaft unser Ziel sein.
Wer der Schweizer Landwirtschaft für ihren täglichen Einsatz auf dem Feld oder im Stall danken möchte, tut dies am besten mit einem klaren Nein zur Ernährungs-Initiative und mit einem Ja zur Wahlfreiheit.