Trede Aline · Nationalrat · 2026-03-10
Trede Aline · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2026-03-10
Wortprotokoll
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist oftmals in diesem Haus kein Thema, obwohl hier sehr viele mehr damit "struggeln", als sie beispielsweise im Stau stehen oder von Standortförderung betroffen sind. Trotzdem, denke ich, ist es ein sehr, sehr wichtiges Thema, gerade in einem Milizparlament oder im politischen Alltag des Bundesrates.
In diesem Parlament sollten Beruf, Familie und Politik vereinbar sein. Aber wir können hier nicht über die Sessionsrhythmen diskutieren, die wir einmal verändern oder anpassen wollen, beispielsweise was die Zeiten betrifft, zu denen die Session oder die einzelnen Tage beginnen.
Bei den letzten Ersatzwahlen für den Bundesrat hat die Schweiz eine der ältesten Regierungen gewählt bekommen, die heute natürlich noch einmal zwei Jahre älter ist. Sämtliche sieben Bundesrätinnen und Bundesräte sind zwischen 58 und 67 Jahre alt. Gleichzeitig beträgt der Altersdurchschnitt der Schweizer Bevölkerung 43 Jahre. Die Altersgruppe kurz [PAGE 296] vor der Pensionierung ist in unserer Exekutive also deutlich übervertreten, während die Sichtweisen der jüngeren Bevölkerung gänzlich fehlen. Das ist unserer Meinung nach problematisch. Nicht nur ist fast ein Viertel der Wählerinnen und Wähler nicht im Bundesrat vertreten, hinzu kommt noch, dass es keine Generationenvielfalt gibt.
Die fehlende Repräsentation der verschiedenen Generationen ist nur ein Teil des Problems. Die Suche nach einer Nachfolge von alt Bundesrätin Viola Amherd hat damals gezeigt, dass zahlreiche vielversprechende Personen mit Verweis auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf eine Kandidatur verzichtet haben. So sind am Schluss des Suchprozesses zwei Kandidaten mit den Jahrgängen 1963 und 1967 zur Auswahl gestanden. Es ist offensichtlich: Die aktuelle Ausgestaltung des Amtes, die Zunahme der erwarteten Leistungen, die fehlende Möglichkeit des Topsharings, wenig Flexibilität bei den Arbeitszeiten und die daraus resultierende fehlende Möglichkeit, Amt und Familie zu vereinbaren, halten viele Politikerinnen und Politiker von einer Kandidatur ab, solange ihre Kinder noch relativ klein sind. Das sind eben diejenigen Politikerinnen und Politiker, die ziemlich genau den Durchschnitt der Schweizer Bevölkerung ausmachen.
Die Gesellschaft und die Zusammensetzung des Parlamentes haben sich stark verändert, und diese Tendenz wird stärker. Chefinnenposten zu teilen, Teilzeitarbeit und Jobsharing sind in der Privatwirtschaft längst auch in Spitzenpositionen Standard, und ein solcher Standard wird folglich von Frauen und Männern aller Generationen eingefordert. Teilzeitarbeit und Topsharing ermöglichen es auch Menschen unter 50 Jahren, verantwortungsvolle Jobs anzunehmen, ohne komplett auf Zeit mit ihrer Familie zu verzichten. Auf diese Vereinbarkeit von Karriere und Familie verzichten zu müssen, ist nicht mehr modern und auch nicht angesagt. Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie soll auch für Bundesrätinnen und Bundesräte ermöglicht werden.
Mit der geforderten Flexibilisierung soll zudem sichergestellt werden, dass in Zukunft wieder jüngere Personen für ein Bundesratsamt kandidieren, damit wieder mehr unterschiedliche Perspektiven in die Regierungstätigkeit einfliessen.
Wir schauen auf sprachliche Vielfalt, wir schauen, dass die Regionen vertreten sind, wir schauen, dass die Geschlechter gut im Bundesrat vertreten sind. Das sollten wir auch für die verschiedenen Generationen und Lebensentwürfe tun.