Gysi Barbara · Nationalrat · 2026-04-29
Gysi Barbara · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2026-04-29
Wortprotokoll
Auch in dieser Motion geht es um die zweite Säule. Ich knüpfe eigentlich direkt an den Vorstoss Weichelt an. Er wurde im vorletzten Votum, das Sie gehört haben, vorgestellt. Es geht in dieser Motion ebenfalls um Erziehungs- und Betreuungsgutschriften in der zweiten Säule.
Dieser Vorstoss unserer Fraktion, den ich vertreten darf, trägt den Titel "Berücksichtigung der Care-Arbeit endlich auch in der zweiten Säule". Frauen leisten in der Schweiz jedes Jahr für mehr als 250 Milliarden Franken unbezahlte Care-Arbeit. Das ist mehr, als Bund, Kantone und Gemeinden zusammen in einem Jahr ausgeben. Es ist also eine unermesslich grosse Summe. Diese Summe wird in der zweiten Säule überhaupt nicht berücksichtigt. Die Care-Arbeit ist in der zweiten Säule Privatsache, und das soll endlich geändert werden.
Sie haben es vorhin auch schon gehört: Frauen haben deutlich tiefere Rentenleistungen im Alter, und das ist vor allem so, weil sie in der zweiten Säule grosse Rentenlücken haben. Frauen haben etwa 55 Prozent tiefere Pensionskassenrenten als Männer. Der Grund ist vor allem, dass sie weniger in die berufliche Vorsorge einzahlen können, weil sie Teilzeit arbeiten, oft in der Familienphase Teilzeit arbeiten, weil sie für gewisse Zeiten, während die Kinder noch klein sind, vielleicht sogar ganz aus der Berufstätigkeit aussteigen. Je mehr sich Männer und Frauen die Erziehungs- und Betreuungsarbeit teilen, je mehr wird diese Rentenlücke auch Männer betreffen. Es ist also ein gesellschaftliches Thema, und darum ist es wichtig. Im Moment ist es vor allem ein Frauenthema, aber für die Zukunft sieht das etwas anders aus.
Sie haben es auch gehört: In der AHV haben wir diese Diskriminierung bei den Renten nicht, weil die Erziehungs- und Betreuungsgutschriften geschaffen worden sind, mit denen diese wichtige gesellschaftliche Familienarbeit in der Altersvorsorge der ersten Säule abgegolten wird, valorisiert wird. Darum haben die Frauen etwa gleich hohe AHV-Renten wie die Männer. Wir wollen die heutige Situation in der zweiten Säule nun ändern, im Sinne, dass auch dort die Care-Arbeit berücksichtigt wird, dass rentenbildende Erziehungs- und Betreuungsgutschriften eingeführt werden. Die Regelung soll sich an das Modell der AHV anlehnen. Wir fordern im Text aber auch, dass diese Gutschriften einkommensabhängig sein sollen und mit zunehmendem Einkommen abnehmen. Wir haben auch einen Finanzierungsvorschlag. Die Finanzierung soll nämlich über den Sicherheitsfonds durch eine dauerhafte Umlagekomponente erfolgen; Sie können das auch im Vorstoss lesen.
Wir haben also ein konkretes Modell vor Augen. Es ist finanzierbar, es gibt auch technische Lösungen, und das ist wichtig. Es ist eine Frage des politischen Willens. Wir wissen auch, dass wir eine grosse Frauenarmut im Alter haben, weil eben die Frauenrenten deutlich tiefer sind. Es müssen höhere Ergänzungsleistungen an Frauen bezahlt werden, und zwar schon beim Eintritt ins Rentenalter, weil sie eben tiefere Renten haben. Darum möchten wir hier wirklich etwas ändern. Sie können das mit uns zusammen tun. Es ist wirklich wichtig.
Alle sagen, dass wir die Familienarbeit besser valorisieren sollen. Was die Motion fordert, wäre ein ganz konkreter Schritt, diese Diskriminierung in der zweiten Säule aufzuheben.
Besten Dank für die Unterstützung dieses Vorstosses.