Würth Benedikt · Ständerat · 2026-06-02
Würth Benedikt · Ständerat · St. Gallen · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2026-06-02
Wortprotokoll
Vorab bedanke ich mich beim Bundesrat für seine Stellungnahme zu meiner Interpellation. Ich erkenne in der Stellungnahme des Bundesrates, dass er meine Meinung teilt, dass eine Verbesserung der Exportchancen für den Schweizer Wein essenziell ist. Denn es ist klar: Man muss Märkte erschliessen, nicht sich abschotten.
Wenn ich im Moment die aktuelle Stimmungslage in der Schweiz betrachte - nicht nur beim Produkt Wein, sondern generell -, dann sehe ich, dass die Politik in Richtung Abschottung geht. Das ist meines Erachtens nicht zwingend und insbesondere auch nicht zielführend. Ich spreche hier auch die aktuelle Vernehmlassung zur Verordnungsanpassung betreffend den Weinhandel an. Es schadet nur, es hilft überhaupt nicht.
Was bedeutet das konkret? Erstens geht es doch um Qualität - das ist das Zentrale, das ist das Wichtigste; das ist die Aufgabe der Produzenten. Zweitens geht es um die Regulierung, um regulatorische Rahmenbedingungen; das ist die Aufgabe der Politik. Hier sind wir insgesamt mit Freihandelsabkommen, mit der Sicherung der Marktzugänge usw. gut unterwegs. Drittens geht es um eine wirksame, zielgerichtete und auch fokussierte Promotion. Hier haben wir meines Erachtens deutlichen Nachholbedarf. Hier gibt es zu viel Fragmentierung, zu wenig Fokussierung. Das ist ein Auftrag an die Branche; das sehe ich genau gleich wie der Bundesrat. Hier müsste viel mehr kommen: Statt der Bricolage, die wir im Moment haben, wären ein einheitlicher und konzentrierter Auftritt und eben auch eine Fokussierung auf bestimmte Märkte, Weintypen und Weinstile wichtig.
Auslöser der verschiedenen weinpolitischen Vorstösse ist der Strukturwandel; das ist offensichtlich. Man kann es gut oder schlecht finden, aber dieser findet statt. Was ist der Treiber? Der Treiber ist ebenfalls offensichtlich: Es ist der rückläufige Konsum. Das ist bedauerlich, das finde ich auch, aber es ist nun einmal ein verändertes Konsumverhalten festzustellen, und darauf muss die Branche, muss man als Produzent, muss auch die öffentliche Hand reagieren.
Die Politik hat ja auch in einem durchaus positiven Sinne reagiert. Wir haben die Strukturhilfen verstärkt und Strukturverbesserungsmassnahmen ergriffen; in der Schweiz wie auch im Ausland müssen Flächenabbauprogramme erfolgen. Wir haben reagiert, indem wir die Promotionsmittel aufgestockt haben. Ich glaube, wir müssen auch reagieren - das ist der Hintergrund dieser Interpellation -, indem wir die Exportchancen für den Schweizer Wein verbessern. Was wir aber nicht tun sollten, ist, in den Markt einzugreifen. Ein Zurück in die 1990er-Jahre hilft uns überhaupt nicht. Es hilft insbesondere nicht dem Schweizer Weinbau, es zerstört nur gewachsene und tragfähige Handelsstrukturen, und es verärgert am Ende die Konsumentinnen und Konsumenten. Darum sind dies alles Programme, die in die Kategorie Rohrkrepierer gehören.
Insgesamt gilt also: Wir müssen hier mehr tun, wir müssen deutlich mehr tun. Insofern bin ich von der Stellungnahme des Bundesrates nur teilweise befriedigt.