Moser Tiana Angelina · Ständerat · 2026-06-08
Moser Tiana Angelina · Ständerat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2026-06-08
Wortprotokoll
Letzten Donnerstag, den 4.[NB]Juni, haben die wichtigsten Verbände aus den Bereichen Fischerei, Trinkwasserversorgung und Gewässerschutz eine gemeinsame Resolution zum Umgang mit PFAS verabschiedet. Es sind dies der Schweizerische Fischerei-Verband, der Fachverband für Wasser, Gas und Wärme, der Schweizerische Berufsfischerverband, der Schweizerische Brunnenmeister-Verband und der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute. Die Botschaft dieser Resolution, die sie letzten Donnerstag verabschiedet haben, ist unmissverständlich. Es braucht ein rasches und auch ein konsequenteres Vorgehen des Bundesrates. Die Schweiz müsse jetzt handeln, um eine weitere Anreicherung von PFAS in Gewässern, Böden, Trinkwasser und Lebensmitteln zu verhindern und somit auch langfristige Schäden abzuwenden.
Die Resolution verdient eine besondere Aufmerksamkeit. Sie stammt nicht nur von einzelnen Organisationen, sondern von denjenigen, die die Folgen der PFAS-Belastung im Interesse und zum Schutz der Bevölkerung bewältigen müssen. Die Brunnenmeister beispielsweise sind zuständig für die Sicherung der Wasserqualität und die Versorgung der Bevölkerung.
PFAS sind nicht einfach ein Umweltproblem. Es erwarten uns mittlerweile auch enorme volkswirtschaftliche Kosten. Eine SRF-Recherche schätzt die Kosten für die Sanierung PFAS-belasteter Böden, Gewässer und Trinkwasservorkommen in der Schweiz je nach Szenario auf bis zu 26 Milliarden Franken. Damit bewegen wir uns in einer Grössenordnung, die die Kosten vieler bisheriger Altlastensanierungen deutlich übersteigt.
PFAS sind zunehmend auch ein Gesundheitsproblem. Diese sogenannten Ewigkeitschemikalien reichern sich selbstverständlich in der Umwelt an, aber eben auch im menschlichen Körper. Sie schwächen das Immunsystem, mindern die Wirkung von Impfungen, können Organe schädigen. Besonders beunruhigend ist, dass wir den Stoffen über Trinkwasser, Lebensmittel und die Umwelt täglich ausgesetzt sind. Deshalb wäre es auch wichtig, zu wissen, wie stark die Bevölkerung tatsächlich belastet ist. Dieses Wissen wäre gerade auch vertrauensfördernd.
Vor diesem Hintergrund ist die Stellungnahme des Bundesrates zu Frage 2 meiner Interpellation besonders bemerkenswert. Der Bundesrat anerkennt ausdrücklich den Nutzen des Human Biomonitoring für die Erfassung der Belastung der Bevölkerung. Genau solche Daten bräuchten wir, um Risiken frühzeitig zu erkennen und entsprechende Entwicklungen zu verfolgen. Umso weniger verständlich ist es, dass ausgerechnet dieses Instrument aus Spargründen eingestellt worden ist. Die Kosten des Human Biomonitoring stehen in keinem Verhältnis zu den Folgekosten der PFAS-Belastung, die sich, Sie haben es gehört, im Milliardenbereich bewegen. Auf das Monitoring zu verzichten, heisst, auf Wissen zu verzichten, das helfen könnte, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen und Schäden zu begrenzen.
Die Resolution der Wasserfachleute fordert entsprechend eine Überwachung von Gewässern, Sedimenten, Böden, Lebensmitteln und des Trinkwassers, um Belastungen frühzeitig zu erkennen. Die Schweiz befindet sich beim Thema PFAS noch weitgehend im Ungewissen. Verschiedene Fälle beunruhigen die Bevölkerung, nur schon diejenigen, welche die Gewässer betreffen: Der Verkauf von Hecht und Egli aus dem Zugersee beispielsweise wurde wegen der PFAS-Belastung verboten. In Basel wurde der Bevölkerung empfohlen, den Verzehr von selbst gefangenem Fisch auf maximal einmal pro Monat zu reduzieren. Und in der Interpellation habe ich das Beispiel eines Fischers erwähnt, dessen Blutwert den Wert, der als unbedenklich gilt, um das 77-Fache überstieg. Das sind, wie gesagt, nur die Beispiele zum Gewässer.
Es ist offensichtlich, dass es sich hier um eine schweizweite Herausforderung handelt. Wir stehen bei der PFAS-Thematik erst am Anfang, und gerade deshalb können wir es uns nicht leisten, auf Wissen zu verzichten. Entsprechend wichtig wäre eine Wiederaufnahme des Human Biomonitoring im Rahmen des Aktionsplans zur Reduktion der Ewigkeitschemikalien. Diese Einschätzung wurde im Übrigen auch von der Eidgenössischen Finanzkontrolle 2024 geteilt. Gerade angesichts der gesundheitlichen Risiken und der möglichen Folgekosten sowie der grossen Wissenslücken wäre das eine sehr wichtige Aussage, um auch das Vertrauen der Bevölkerung zu steigern.
In diesem Sinne danke ich Ihnen herzlich für die Antworten und bin gespannt auf die weiteren Schritte.