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Hubmann Vreni · Nationalrat · 2000-06-05

Hubmann Vreni · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-06-05

Wortprotokoll

Was Herr Bundesrat Couchepin gerade gesagt hat, hat mich herausgefordert. Er sagt, es bestehe ein Ungleichgewicht zwischen Schweizerinnen einerseits und Ausländerinnen und Ausländern andererseits, weil Leute aus dem Ausland während der Arbeitszeit die regionale Sprache lernen könnten, die Romands und die Tessiner aber nicht. Es hält aber den Bundesrat nichts davon ab, dasselbe auch Romands und Tessinern zu ermöglichen. Das kann überhaupt kein Argument dafür sein, diese Motion nicht zu überweisen.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch von einer Initiative sprechen, die die Kantone Basel-Stadt und Baselland ergriffen haben und die schweizweit Vorbildcharakter hat. Sie haben eine Aufklärungskampagne gestartet mit dem Ziel, den "grossen Nachholbedarf an objektiven Informationen" zu Migrationsfragen abzubauen und Vorurteile durch Fakten zu ersetzen.

Eine Tatsache ist Folgendes - das müssen wir uns klar vor Augen halten, auch Sie, Herr Bundesrat Couchepin -: Wir haben sehr viele Migrantinnen und Migranten, die in die Schweiz kommen und in irgendeinem Betrieb als Hilfsarbeiterin oder Hilfsarbeiter arbeiten, und zwar zu 100 Prozent. Daneben haben sie eine Familie, sie sind also voll ausgelastet.

Zehn Jahre später sind die gleichen Leute immer noch in der gleichen beruflichen Stellung und sprechen kaum die lokale Sprache, weil sie sich am Arbeitsplatz vorwiegend mit Personen anderer Muttersprachen unterhalten müssen. Es wäre also ganz dringend, dass die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen ihre Verantwortung wahrnehmen und den Leuten, die in der Schweiz arbeiten, die hier ihr Leben verdienen und Steuern zahlen, auch ermöglichen, die Sprache und die Kultur des jeweiligen Landesteiles zu erlernen und kennenzulernen.

Wie ich gesagt habe, Herr Bundesrat Couchepin: Das kann selbstverständlich auch für Romands und für Tessiner gelten, und für Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer im Tessin und in der Romandie. Das darf nicht das Argument sein, um diese Motion nicht zu überweisen.

Ich bitte Sie, diese Motion ganz stark zu unterstützen.