Fasel Hugo · Nationalrat · 2000-06-05
Fasel Hugo · Nationalrat · Freiburg · Grüne Fraktion · 2000-06-05
Wortprotokoll
Die Realisierung des Elternurlaubes für die Beschäftigten des Bundes ist nicht nur eine gute [PAGE 505] Sache, sondern sie ist die konsequente Umsetzung des Gleichstellungsgebotes. Es ist nicht einzusehen, warum nicht auch Männer, wenn sie Erziehungsarbeit und Kinderbetreuung leisten wollen, Anspruch auf Elternurlaub haben sollen. Der Gesetzgeber hat dafür zu sorgen, dass echte Wahlfreiheit besteht, wie Mann und Frau ihre Rollenverteilung einrichten wollen.
Heute ist es so, dass viele Männer und Väter es erst gar nicht wagen, bei ihrem Arbeitgeber einen Eltern- oder Vaterschaftsurlaub anzumelden oder gar zu beantragen - nicht einmal einen unbezahlten Urlaub -, weil sie sonst Gefahr laufen, ihre Stelle zu verlieren oder an ihrem Arbeitsplatz zumindest in ihrer Karriere zurückgestellt zu werden. Mehr noch: Die Praxis zeigt, dass gerade solche Männer und Väter, die in der Arbeitswelt auch die Interessen ihrer Kinder mit berücksichtigen und entsprechend Teilzeit arbeiten möchten oder bei Krankheit des Kindes auch einmal zu Hause bleiben sollten, betriebsintern sofort als nicht beförderungswürdig gelten. Solche Tatsachen sind aktenkundig, Personalchefs geben das auch offen und ehrlich zu. Sie geben also eine Haltung zu, die eigentlich in die Mottenkiste überholter Vorstellungen gehören würde.
Doch vor kurzem gab es einen Lichtblick, denn ich konnte in einer grösseren Schweizer Zeitung lesen: "Kinder sind Chefsache!" Offenbar beginnt man auch in einigen Chefetagen zunehmend zu merken, dass Kinder nicht nur Frauensache, sondern auch eine bereichernde Lebenserfahrung und gute Herausforderung für Männer und umtriebige Manager sein können.
Diese Spur gilt es weiter zu verfolgen, und deshalb leistet der Elternurlaub zwei Dinge: Er sorgt dafür, dass Frau und Mann gleiche Chancen haben, Erziehungsaufgaben zu übernehmen und sich ihren Kindern gemeinsam zu widmen; Elternurlaub kann dafür sorgen, dass Frauen am Arbeitsmarkt nicht dafür bestraft werden, weil sie vielleicht eines Tages ein Kind zur Welt bringen und für einige Zeit am Arbeitsplatz fehlen werden, weil sie Mutterschaftsurlaub beziehen. In der Arbeitswelt ist das nämlich ein wichtiges Element, aufgrund dessen darüber entschieden wird und das dafür verantwortlich ist, dass Frauen betriebsintern weit weniger gefördert und befördert werden. Dies sind auch Gründe dafür, dass Frauen immer ein geringeres Gehalt beziehen als Männer.
Die Parlamentarische Initiative Teuscher ist aber auch ein Beitrag zur partnerschaftlichen Rollenteilung. Rollen wollen allerdings gelernt sein. Gerade bei der Geburt eines Kindes ist die Gefahr, aus so genannten Sachzwängen heraus in alte Rollenmuster zurückzufallen, besonders gross, auch wenn die Eltern es vor der Geburt anders besprochen hatten.
Dies vor allem auch deshalb, weil mit der Geburt eines Kindes die Familienausgaben zunehmen und umgekehrt das Einkommen meistens sinkt, weil auch die Erwerbszeit abnimmt. Die übliche Lösung ist eine durch die heutigen Rahmenbedingungen meist erzwungene, nämlich die, dass die Frau den Mutterschaftsurlaub bezieht und der Mann das Einkommen sicherstellt. Die Chance aber, dass auch der Mann in den ersten Lebensphasen seines Kindes eine neue Rolle erlernen kann, wird so oft vertan. Die Erfahrung, dass Kleinkinder nicht nur regelmässig frisch gewickelt sein wollen; die Erfahrung, dass Kleinkinder viel liebevolle Zuneigung brauchen; die Erfahrung, dass Kleinkinder aber auch oft krank sein können - all diese Erfahrungen bleiben leider vielen Vätern verschlossen.
Die Parlamentarische Initiative Teuscher beinhaltet aber auch ein zweites wesentliches Element, nämlich das Recht, dass die Eltern - Vater oder Mutter - zehn Betreuungstage erhalten, um im Krankheitsfall ihre Kinder zu pflegen. Dieser Vorschlag ist bedeutsam, trägt er doch dazu bei, ein falsches Bild zu korrigieren. Heute gilt das Klischee, dass die Absenzen von Frauen am Arbeitsplatz viel häufiger sind als die der Männer; als Argument dafür, dass man Männer besser bezahlt als Frauen. Analysiert man die Gründe für die häufigeren Absenzen, stellt man fest, dass die Ursache für die häufigeren Absenzen der Frauen meistens darin besteht, dass sie eben die kranken Kinder pflegen, und weil sie keine Betreuung für ihr krankes Kind finden, zu Hause bleiben müssen - ehrlich gesagt, manchmal auch scheinkrank. Insofern trägt die Initiative zu mehr Ehrlichkeit und Offenheit bei; Gründe genug, dieser Initiative Folge zu geben.
Ich beantrage Ihnen deshalb im Namen der Minderheit und der grünen Fraktion, der Parlamentarischen Initiative Teuscher Folge zu geben.