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Hess Hans · Ständerat · 2004-09-29

Hess Hans · Ständerat · Obwalden · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2004-09-29

Wortprotokoll

Ich lege meine Interessenbindung offen: Ich bin Präsident der Lignum Holzwirtschaft Schweiz. In dieser Eigenschaft hatte ich mich in der jüngsten Vergangenheit häufig mit diesem Thema zu befassen. Für mich steht fest, dass die blosse Förderung des Waldzuwachses nur ein beschränkt tauglicher Ansatz zur Schaffung einer dauerhaften CO2-Senke ist. Ich bin vielmehr der Überzeugung, dass wir einen umfassenden Ansatz bedenken sollten, denn die dauerhafteste CO2-Senke heisst Holz und nicht Wald.

Wenn Holz geerntet und zu dauerhaften Produkten wie Gebäuden verarbeitet wird, entzieht dies dem natürlichen Kreislauf Kohlenstoff und fixiert ihn für Jahrzehnte, unter Umständen sogar für Jahrhunderte, in einem Depot. Der Kernbau des Hauses Niederöst in Schwyz wurde im Jahre 1176 aus Holz erstellt und könnte noch lange weiterleben. Während der ganzen Zeit, während der das Kohlendioxid im verbauten Holz im Depot bleibt, wird im Wald durch nachwachsendes Holz neues Kohlendioxid gebunden. Diese CO2-Senken-Wirkung nachhaltiger Holznutzung wird noch akzentuiert, wenn die Holzresten und am Ende auch das ein- oder mehrfach genutzte Holz anstelle fossiler Energieträger verbrannt werden. Denn Holz ist CO2-neutral, das haben wir bereits gehört: Bei der Verbrennung wird nie mehr CO2 frei, als ein Baum im Laufe seines Wachstums gebunden hat. Die in einer derartigen CO2-Senke erreichten Werte sind klimapolitisch von Gewicht, vor allem im Bauwesen, wo die grösste Menge von CO2 gebunden ist. Untersuchungen im Auftrag des Buwal liefern aktuelle Zahlen zur Einschätzung der Klimawirkung von Holz im Bau. Die Holzlager im Schweizer Gebäudepark - darin sind rund drei Viertel des Holzes aus dem Zivilisationskreislauf gespeichert - entsprechen bis dato netto, also nach Abzug aller Emissionen durch den Herstellungsprozess, bereits rund 45 Millionen Tonnen deponiertem Kohlendioxid.

Der nachhaltigste Nutzen von Holz im Bauwesen besteht aber in seiner Verwendung anstelle anderer Baustoffe, denn die Herstellung der meisten Holzprodukte benötigt markant weniger Energie als die Fertigung ihrer Konkurrenzprodukte. Durch die energieeffiziente Verarbeitung von Holz sinkt der Ausstoss von Treibhausgasen erheblich. Wird das anfallende Restholz konsequent thermisch verwertet, können mit einem zusätzlichen Holzverbrauch von einer Million Kubikmeter fester Holzmasse im Bauwesen in der Schweiz rund eine Million Tonnen Kohlendioxidäquivalente eingespart werden. Der Baumarkt ist für Holz so aufnahmefähig, dass mit der Senkenleistung einer vermehrten Verwendung des Rohstoffes im Bauwesen gegen 25 Prozent der Reduktionsziele von Kyoto zu erreichen sind.

Die Senkenleistung durch Biomasse hat klimapolitisch Gewicht. Indem man den Blickwinkel dabei auf den Wald verengt, wird man den grösseren Zusammenhängen jedoch zu wenig gerecht. Es ist deshalb grundsätzlich richtig, wenn der Bundesrat in seiner Stellungnahme vom 9. Mai 2003 zur Motion festhält, der Senkenbildung im Wald sei eine vermehrte Nutzung des Holzes als CO2-neutraler Ersatz für andere, mit fossiler Energie erzeugte Materialien und als Energieträger gegenüberzustellen. Es ist unabdingbar, dass die Schweiz unter den geltenden nationalen Gesetzen und internationalen Regelwerken einen Weg findet, die Senkenleistung von Holz, das durch die Nutzung im zivilisatorischen Kreislauf massive bezifferbare Kohlenstoff-Depotleistungen erbringt, zu würdigen.

Ich bitte Sie deshalb, der Kommission zu folgen und die Motion anzunehmen, damit der Bundesrat diesem Auftrag nachkommen kann.