Bieri Peter · Ständerat · 2004-10-06
Bieri Peter · Ständerat · Zug · Christlichdemokratische Fraktion · 2004-10-06
Wortprotokoll
Es ist so, wie Frau Fetz gesagt hat: Wir haben lange über diese Thematik diskutiert, und am Schluss haben wir eine gemeinsame Lösung gefunden. Deshalb erstaunt es mich jetzt, dass Sie wieder einen Schritt zurück tun wollen. Diese ganze Tierschutzgesetzrevision ist als Gemeinschaftswerk entstanden. So sollten wir bis zum Schluss zu dem stehen, was wir miteinander vereinbart haben.
Nun, Frau Fetz hat gesagt, die Lösungen seien vorhanden, es sei alles klar. Herr Direktor Wyss vom Bundesamt für Veterinärwesen hat nur den Kopf geschüttelt. So einfach ist es in der Wissenschaft - auch in der Veterinärwissenschaft und in der agronomischen Wissenschaft - leider nicht. Es ist ein chirurgischer Eingriff, wenn Sie die Geschlechtsmerkmale, die Hoden, entfernen. Sie greifen damit auch in den Hormonhaushalt des Tieres ein. Das ist zugegebenermassen ein sensibler Eingriff. Im Gegenzug ist die Ausschaltung des Schmerzes bei Tieren, die zwei, drei Tage alt sind, eine ausserordentlich schwierige Aufgabe. Es gibt verschiedene Ansatzmöglichkeiten, um dieses schwierige Problem zu lösen: sei es, dass man die Tiere gar nicht mehr kastriert, oder dass man sie mit Narkosegasen betäubt, damit der Eingriff ohne Schmerz möglich ist.
Wenn hier behauptet wird, die Lösungen seien vorhanden, ist das nun wirklich nicht wahr, es stimmt schlichtweg nicht. Wir stehen vor Herausforderungen, übrigens nicht nur in der Schweiz. Auch in anderen Ländern sucht man nach Lösungen. Wenn man nun hingeht und sagt, die Lösung sei auf dem Tisch, ist das schlicht nicht wahr, Frau Fetz. Bezüglich dessen, was in der Veterinärmedizin heute passiert, habe ich einen gewissen Überblick. Man ist intensiv an der Arbeit. Deshalb war es auch mein Antrag, dass man in diesem Forschungsbereich einen speziellen Effort machen muss. Aber es braucht in der Wissenschaft Zeit dazu.
Wir müssen eine Lösung für einen Eingriff finden, den nicht nur der Tierarzt vornehmen kann. Wir brauchen - das haben wir im zweiten Satz dann auch ausgeführt - eine praxistaugliche Lösung. Wie die genau aussehen wird, das muss später spezifiziert werden. 1,3 bis 1,5 Millionen Ferkel zu kastrieren kann aber ja nicht eine Aufgabe der Tierärzte sein. Wir müssen eine praxistaugliche Lösung finden. Mit dem Antrag von Frau Sommaruga, den zweiten Satz von Artikel 42a zu streichen, würde auch der Begriff der Praxistauglichkeit herausfallen. Praxistauglichkeit ist für mich eine zwingende Voraussetzung dafür, dass wir hier zu einer guten Lösung kommen. Ich teile die Meinung, dass es richtig ist, in diesem Wissenschaftsbereich einen gewissen Druck aufzubauen. Nur dann geschieht etwas. Nur dann ist letztlich auch eine wirtschaftliche Möglichkeit vorhanden, die Wissenschaftsergebnisse in der Praxis umzusetzen.
Ich lese Ihnen auch einen Satz der Schweineproduzentenorganisation vor, die mir Folgendes geschrieben haben: "Die Suisseporcs" - also der Branchenverband der Schweineproduzenten - "wird in der laufenden Diskussion im Stände- und im Nationalrat die gesetzliche Verankerung des Verbotes der Ferkelkastration ohne Schmerzausschaltung nicht bekämpfen." In den Gesprächen, die ich mit ihnen geführt habe, wünschten sie zuerst, dass das Verbot noch weiter, nämlich bis 2011, hinausgeschoben wird. Ich habe dann aber gesagt, vorliegende Lösung sei für mich die Mittellinie, auf der wir fahren könnten.
Ich möchte Sie bitten - das ist auch aus meiner Optik realistisch -, darauf hinzuwirken, dass bis zu diesem Zeitpunkt eine Lösung erarbeitet werden kann. Herr Direktor Wyss hat dies bestätigt, und es wäre von mir aus gesehen klug, wenn auch Sie bei der Linie der Mehrheit bleiben und nicht plötzlich wieder einen Schritt zurückkrebsen würden.