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Wiederkehr Roland · Nationalrat · 2000-06-21

Wiederkehr Roland · Nationalrat · Zürich · Evangelische und Unabhängige Fraktion · 2000-06-21

Wortprotokoll

Ich lege zuerst meine Interessenbindung offen: Ich bin Präsident der Vereinigung für Familien der Strassenopfer und damit jeden zweiten Tag mit einem tragischen Fall befasst, mit einem tragischen Fall nicht nur auf der Seite des Opfers, sondern auch auf der Seite des Verursachers. Ein kleines Beispiel: Ein 26-Jähriger hat vor drei Tagen eine 74-jährige Frau angefahren, weil er so genannt unaufmerksam war. Konkret hat er nach einer rollenden Tasche auf dem Beifahrersitz geschaut und hat die Frau überfahren. Er ist in der Stadt mit über 50 km/h gefahren. Meine Tochter, die Medizin studiert, kam dazu. Sie konnte diese Frau reanimieren; später ist sie dann aber trotzdem gestorben. Der Autofahrer ist völlig gebrochen; die Frau ist tot. Wäre er mit 30 km/h gefahren, wäre die Frau mit grösster Wahrscheinlichkeit noch am Leben.

Dies alles betrifft also auch die Autofahrer. Wenn ich die Argumente heute höre, muss ich Ihnen allen zuerst einmal danken, denn Sie alle stehen eigentlich meinen Interessen als Präsident der Vereinigung für Familien der Strassenopfer ausserordentlich nahe. Alle sagen: Selbstverständlich wollen wir weniger Tote, weniger Verletzte im Verkehr; das ist eine Bürgerpflicht, das ist ethisch erforderlich. Doch dann kommen die "Aber". Doch welche "Aber" gibt es eigentlich? Wissen Sie, diese ganze Diskussion haben wir schon einmal geführt, als es darum ging, innerorts von 60 auf 50 km/h hinunterzugehen. Da hat der Triponez von damals den Tod des Gewerbes beschworen. Das hat Herr Triponez von heute wenigstens nicht gemacht. Das Gewerbe lebt heute immer noch wunderbar, und es lebt sogar dort, wo Fussgängerzonen eingeführt wurden, noch besser. Gegen die war man auch total; heute sind sie eine Selbstverständlichkeit.

Wir sind uns diesen Kampf eigentlich gewohnt. Wir sind uns gewohnt, dass jedes Mal, wenn eine Neuerung kommt, die vielen viel bringt und einigen wenigen ein Stück weit Zügel anlegt, diese Neuerung zuerst bekämpft wird. Herr Neirynck hat die Kräfte beschworen, die beim Autofahren zum Tragen kommen. Ich möchte Ihnen dazu noch ein kleines Beispiel geben: Nehmen Sie an, jemand fährt mit 60 und jemand mit 50 km/h. Dann stehen beide voll auf die Bremse. Derjenige, der mit 60 fährt, hat dort, wo der andere schon steht, noch 43 km/h auf dem Tacho; es ist kaum zu glauben!

Diese 10 km/h Unterschied - ob man also 50 oder 60 km/h fährt - machen so viel aus.

Jetzt geht es um eine Senkung von 50 auf 30 km/h, und zwar wohlverstanden nicht an den Ausfallachsen. Diese Möglichkeiten bietet diese Initiative, entgegen den Behauptungen von etlichen Rednern, die sagen, die Initiative sei zu eng gefasst. Das ist nicht richtig; diese Möglichkeiten werden geboten.

Alle Unfallmediziner können Ihnen bestätigen, dass 30 km/h gerade jene Geschwindigkeit sind, bei welcher die Menschen bei einem Unfall noch überleben können. Sobald die Geschwindigkeit höher als 30 km/h ist, wächst die Gefahr, dass jemand bei einem Unfall sehr schwer verletzt wird oder dass er sogar stirbt, überproportional.

Ich bitte Sie daher im Namen unserer gesamten Fraktion, diese Initiative zur Annahme zu empfehlen.