preparatory:AB 51723
Kaufmann Hans · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2005-03-02
Wortprotokoll
Wenn Sie heute die Geschäftsberichte der börsenkotierten Unternehmen anschauen, sehen Sie in der Regel heute schon den Totalbetrag der Bezüge und die Saläre der Spitzenverdienerinnen und -verdiener. Und wenn Sie einen Taschenrechner besitzen, können Sie von dieser Summe das Salär des Spitzenverdieners abzählen, und Sie kriegen das Durchschnittsgehalt der übrigen Führungsleute. Wenn Sie diese Beträge auch einzeln kennen würden, hätten Sie als Aktionär an der Generalversammlung keine Chance einzugreifen. Sie haben ja nur die Möglichkeit, Verwaltungsräte zu wählen oder abzuwählen, aber Sie haben keinen Einfluss auf die Geschäftsleitung. Diese wird eben vom Verwaltungsrat selektiert, und wenn Sie das Gefühl haben, die Lohnsumme sei zu hoch, müssen Sie eben die Verwaltungsräte abwählen. Dort will ich dann wirklich die einzelnen Beträge kennen.
Wir verbieten es ja auch nicht, diese Saläre offen zu legen, und ich kann Ihnen hier offen erklären: Ich bin im Verwaltungsrat einer börsenkotierten Unternehmung, und wir publizieren die Bezüge individuell. Vielleicht haben wir etwas weniger Angst, dass unsere Leute abgeworben werden, weil die Geschäftsleitungsmitglieder eben zugleich auch grosse Aktionäre und deshalb auch mehr Unternehmer sind.
Ich glaube nicht, dass eine Offenlegung der einzelnen Saläre uns wesentlich weiterbringt. Für mich ist die Gesamtsumme entscheidend, denn auch wenn wir die Saläre einzeln kennen, können wir nicht feststellen, ob der einzelne Manager wirklich die Leistung erbracht hat und ob er die Boni bezieht, weil für seine Abteilung oder Produktegruppe ein spezielles Bonussystem besteht und er vielleicht die Leistung erbracht hat und sein Kollege eben nicht.
Ich bestätige nochmals: Die Abwerbungsgefahr ist bei Spitzenleuten da, und es ist auch intern nicht immer sinnvoll, wenn man den Lohnwettbewerb nach oben hat. Ich kann Ihnen auch sagen: Der Wettbewerb hat immer nach oben und nie nach unten stattgefunden.
Ich empfehle Ihnen deshalb im Namen der SVP-Fraktion, den Antrag der Minderheit abzulehnen.