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Teuscher Franziska · Nationalrat · 2005-06-08

Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2005-06-08

Wortprotokoll

Vielfach reden wir hier stundenlang über "kosmetische" Anpassungen eines Gesetzes. Beim Tierschutzgesetz ist dies nicht der Fall. Dieses Gesetz braucht nach 25 Jahren eine grundsätzliche Erneuerung. Wir müssen es den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Gegebenheiten anpassen. Wir verbessern damit die Tierschutzvorschriften und schaffen Voraussetzungen für einen wirksamen Schutz und Vollzug.

Das ist auch das Verdienst der Volksinitiative "für einen zeitgemässen Tierschutz (Tierschutz - Ja!)", die diese Revision in die richtige Bahn gelenkt hat; denn sowohl der Ständerat als auch unsere vorberatende Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur sind von der Botschaft des Bundesrates abgewichen und haben wesentliche Verbesserungen eingebracht. Ich hoffe, dass der Nationalrat ihnen folgen wird. Ich denke da an die umfassende Deklarationspflicht für Nahrungsmittel aus tierischer Produktion und für Fellimporte, und ich denke an das Importverbot für Hunde- und Katzenfelle. Zudem beschränken wir mit dieser Vorlage die Schlachtviehtransporte auf sechs Stunden. Heute dauert fast jeder fünfte Transport ins Schlachthaus acht Stunden und mehr. Das ist unnötige Tierquälerei.

Wir müssen jedoch auch verhindern, dass Tiere zu Forschungszwecken unnötigen Belastungen, Qualen und Schmerzen ausgesetzt sind. Tierversuche nehmen seit Jahren wieder zu. Das zeigen die Trendmeldungen des Bundesamtes für Veterinärwesen. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Tierversuche. Ich weiss als Biologin, dass viele Tests und Forschungen nur möglich sind, wenn wir Tierversuche zulassen. Ich möchte aber Schranken einbauen, damit Tierversuche wirklich nur noch dann zur Anwendung kommen, wenn es nicht möglich ist, eine Alternativmethode anzuwenden. Es geht nicht um eine Sache oder um ein Ding, es geht um Lebewesen mit Empfindungen.

Eigentlich müssen wir uns schämen, dass wir überhaupt Tierschutz brauchen. International hinken wir beim Tierschutz ohnehin hintennach. In Deutschland gab es vor Jahren sogar eine theologische Debatte darüber, ob es von christlicher Seite vertretbar sei, BSE-Rinder zu töten und die wirtschaftlichen Folgen einer lebensverachtenden Agroindustrie mit Intensivtierhaltung und quälerischen Tiertransporten durch ganz Europa in Kauf zu nehmen.

Der ökumenische Verein "Aktion Kirche und Tier" veranstaltet offenbar Tiergottesdienste, die auch am Fernsehen übertragen werden. So weit will ich wirklich nicht gehen. Ich fordere jedoch einen zeitgemässen Tierschutz. Das bringt uns auch Vorteile. Es bringt leistungsfähigere Tiere, weniger Medikamenteneinsatz und bessere Produkte. Der Mensch ist nicht alles, und Tiere sind keine frei verfügbaren Objekte!

Wir bekommen die Folgen unserer Einstellung zur Umwelt heute deutlich zu spüren. Die Ressourcen schwinden, die Böden versauern, die Luft wird immer mehr verpestet, Pflanzen und Tiere verschwinden. Nur die Menschheit wächst und wächst. Ein globaler ökologischer Kollaps ist nicht mehr nur ein Albtraum, sondern wird immer wahrscheinlicher.

Zum Schluss ein Blick zurück: Vor vier oder fünf Millionen Jahren erhob sich ein affenähnliches Wesen auf zwei Beine und machte sich aus dem Urwald in die gefährliche Savanne auf. So begann eine verblüffende Karriere: unsere Wandlung vom Tier zum Menschen. Tiere und Menschen gehören zusammen. Tun wir heute also auch etwas für unsere Artgenossen!