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Lang Josef · Nationalrat · 2005-06-14

Lang Josef · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2005-06-14

Wortprotokoll

Vorher haben Gentech-Förderinnen und -Förderer behauptet, das Moratorium beeinträchtige die Agrarforschung. Das stimmt schlicht und einfach nicht. Auch der Bundesrat hält in seiner Botschaft fest: "Das Moratorium hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Forschung und die Produktion in geschlossenen Systemen." Im Gegenteil: Der Verzicht auf Gentechnik bietet der Schweizer Forschung die Gelegenheit, auf das zu setzen, was Zukunft hat: auf ökologische und ethische Spitzenforschung. Ich habe den Eindruck, die Herren Randegger und Hochreutener haben Angst vor der Zukunft, nämlich vor einer Zukunft, deren Paradigma lautet: Qualität kommt vor Quantität. Das ist die moderne Moderne.

Angst vor der Gentechnik selber muss vor allem der biologische Landbau haben, und darauf will ich hier vor allem eingehen - auch weil ich aus einem Kanton komme, der diesbezüglich zu den Pionierkantonen der Schweiz gehört. Hintergrund dieses erfreulichen Umstandes war ein grosses Problem, nämlich das Problem, dass der Zugersee wegen der Überdüngung keine Luft mehr hatte. Die damalige Diskussion in unserem Kanton hatte viele Parallelen zur Diskussion, die wir jetzt führen. Jedem mit gesundem Menschenverstand war klar, dass der See nur mit Wurzelbehandlung zu heilen war - also weniger Chemie. Stattdessen schlugen der Homo oeconomicus, der fette Bauprofite witterte, und sein Zwillingsbruder, der Homo technocraticus, ein 60 Millionen Franken schweres Projekt zur Ableitung von Wasser aus dem Vierwaldstättersee vor. Es wurde aber berechnet, dass es billiger sei, die Zuger Landwirtschaft auf biologischen Landbau umzustellen, als das Problem mit hochteurer Technologie anzugehen. Die Folge davon ist, was ich schon erwähnt habe: Unser Kanton gehört zu den Pionieren des biologischen Landbaus.

Was die Gentech-Konzerne heute der Welt anbieten, ist ebenfalls eine Scheinlösung, ist blosse Symptombekämpfung, wie damals die Idee, Wasser aus dem Vierwaldstättersee in den Zugersee abzuleiten. Beispiel: Mittels gentechnischer Eingriffe werden Pflanzensorten auf Spritzmitteltoleranz getrimmt, weil die Monokultur-Landwirtschaft an ihre ökologischen Grenzen stösst. Gescheiter wäre es aber, die einseitige Bewirtschaftung, die zu Bodenerosion und Grundwasservergiftung führt, durch eine vielseitigere und umweltverträglichere Produktion abzulösen. Die in einem beschränkten und überholten Denkmodell gefangene Gentech-Forschung ist einseitig schadenorientiert, Probleme betrachtet sie isoliert. Die wirklich moderne Forschung - zur Moderne, Herr Randegger, gehört auch die Autonomie der Forschung - orientiert sich am Gesamtsystem und versucht, Ursachen zu klären, statt mit punktuellen Eingriffen Symptome zu bekämpfen.

In der Schweiz hat die Landwirtschaft eine bemerkenswerte Reform eingeleitet. Umweltschutz und Tierwohl gehören zu [PAGE 797] ihren Zielen, in deren Zentrum die Nachhaltigkeit steht. Dazu passt die Agrotechnik ebenso schlecht wie die Grosstechnologie zum Zugersee. Wenn man den Verfassungsartikel der Landwirtschaft und das Landwirtschaftsgesetz ernst nehmen will, wenn man den Verfassungsartikel zur Gentechnik im Ausserhumanbereich und das Gentechnikgesetz umsetzen will, dann gibt es zum Moratoriumsvorschlag der Gentechfrei-Initiative nur eine Haltung: ein klares Ja. Nicht nur die Zukunft des Landbaus, sondern die Zukunft der Gesellschaft überhaupt liegt nicht im Kampf gegen die Natur, sondern in der Arbeit mit der Natur.