Hutter Jasmin · Nationalrat · 2007-03-08
Hutter Jasmin · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2007-03-08
Wortprotokoll
Herr Daguet, jetzt steht noch ein "armes Tröpfchen" hier, aber wenigstens ein weibliches.
Zuerst einmal: Ich fühle mich sehr wohl in der Schweiz, ich fühle mich als Frau sehr wohl in der Schweiz. Brauchen wir einen Frauentag? Ja, warum eigentlich nicht? Es gibt ja verschiedenste Tage: Tag der Kranken, Tag der Mütter, Tag der Väter usw. Aber, sehr geehrte Damen, haben wir einen "Frauenprotesttag" nötig, wie er von vielen Seiten angekündigt wurde? Das ist doch völliger Unsinn. Das Einzige, was ein solcher Protesttag bewirkt, ist, dass der Graben zwischen Mann und Frau grösser wird, genauso, Frau Präsidentin, wie ein "Frauenrütli" am 1. August.
Eine Gleichstellungsdebatte, wie wir sie heute gehört haben, gehört doch der Vergangenheit an. Ich stimme zu, dass wir jegliche Lohnungleichheit zwischen Frau und Mann beseitigen müssen. Dies geschieht in KMU-Betrieben weitgehend von selber. Hier gehört eine Sensibilisierung dazu, mehr aber auch nicht. Frauen beschäftigen ganz andere Themen, und die Wählerinnen erwarten auch, dass wir diese ernst nehmen. Beispiele sind Sicherheitsfragen, Ausländerkriminalität, Vergewaltigungen durch Jugendliche an Kindern. Warum schliessen Sie, geschätzte Damen der linken Seite, [PAGE 140] bei solchen Themen Ihre Augen? Warum setzen Sie sich nicht für die wirklichen Frauenanliegen ein? Warum vernichten Sie die grossen Fortschritte der Gleichstellung der letzten dreissig Jahre mit der Zulassung von Scharia-Recht, das sogar Steinigung zulässt und somit der krassesten Frauenverachtung gleichkommt?
Frau Roth-Bernasconi, Sie fordern massives Vorgehen bei häuslicher Gewalt. Ich bin einverstanden. Im Kanton St. Gallen kennen wir bereits ein solches Gesetz. Dazu gehört aber auch die letzte Konsequenz, nämlich eine allfällige Ausweisung von Ausländern; und da hört Ihr Verständnis für diese Frauen leider wieder auf.
Um auf die anderen Vorstösse zurückzukommen: Quoten, egal ob Sie sie für Politik, Verwaltung oder Privatwirtschaft fordern, brauchen wir nicht. Fähigkeiten und Qualifikationen sind gefragt, Frausein alleine ist noch lange keine Qualifikation. Gerade Quotenfrauen, beispielsweise in Verwaltungsräten, Frau Leutenegger Oberholzer, werden das Vertrauen in die Befähigung der Frauen senken.
Wenn es den linken und grünen Politikerinnen wirklich Ernst wäre mit ihren Anliegen, dann sässen heute mindestens drei Frauen im Bundesrat, nämlich Frau Metzler, Frau Fuhrer, Frau Calmy-Rey und vielleicht auch Frau Beerli. Und da bin ich gleich beim Thema "Frauensolidarität" angelangt: Diese Solidarität spielt nämlich nur so lange, wie die Frauen aus dem links-grünen Lager kommen. Bei bürgerlichen Frauen hört diese Solidarität auf einmal auf. Von uns in der Privatwirtschaft fordern Sie also etwas, was Sie hier, in diesem Saal, nicht einmal selber vollziehen. Mehr noch, ich bin überzeugt, dass in unseren KMU-Betrieben, die immerhin die weitaus grösste Mehrheit der Schweizer Wirtschaft ausmachen, Frauensolidarität schon lange spielt, nämlich genau darum, weil Qualifikationen für sie sprechen, weil frau sich ein mimosenhaftes Getue schlichtweg nicht leisten kann.
Leistung, Herr Daguet, und somit auch Lohngleichheit, können nicht mit Kampfmassnahmen und Staatsvorgaben erreicht werden. Leistung muss jeder von uns selber erbringen, egal ob Frau oder Mann, egal ob in der Verwaltung oder in der Wirtschaft, Frauentag hin oder her. Mit Debatten wie heute disqualifizieren Sie sich selber. Berechtigte Anliegen verschwinden so nämlich unter dem Gros Ihrer Kampfschreie; berechtigte Anliegen, welche ohne irgendwelche Polemik behandelt werden könnten, schieben Sie so ins Abseits. Ich sage nur: schade - schade, haben Sie kein Vertrauen in uns KMU-Betriebe; schade, glauben Sie nicht an die junge Generation der Frauen; schade, stehen Sie sich mit Ihren Vorstössen selber im Weg. Ich glaube an die Fähigkeit von uns Frauen, ich glaube insbesondere auch an die Fähigkeit von uns KMU-Betrieben, die anstehenden Herausforderungen anzunehmen, denn wir stehen in der Verantwortung, ob Frau oder Mann. Nehmen Sie sich, geschätzte Damen und Herren der Linken, ein Beispiel daran.