Häberli-Koller Brigitte · Nationalrat · 2007-03-08
Häberli-Koller Brigitte · Nationalrat · Thurgau · Christlichdemokratische Fraktion · 2007-03-08
Wortprotokoll
Wissen Sie, dass heute 30 Prozent der Paare in unserem Land kinderlos sind? Wissen Sie, dass die Schweizerinnen und Schweizer in 40 Generationen ausgestorben sein könnten, wenn die Geburtenrate so tief bleibt? Wissen Sie, dass zwei Drittel der Mütter heute zumindest teilweise ausser Haus arbeiten? Wissen Sie, dass Armut in unserem Land vor allem Familien mit Kindern trifft? Wissen Sie, dass 45 Prozent der Kinder über Mittag und nach der Schule nicht betreut werden?
All diese Tatsachen zeigen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden muss. Die Familien sollen aber selber wählen können, ob sich die Partner die Erwerbsarbeit und die Familienbetreuung teilen, ob ein Elternteil ganz ausser Haus arbeitet und der andere die Aufgaben in der Familie wahrnimmt oder ob die Kinder auch ausserhalb der Familie betreut werden sollen. Kein Modell soll gegen das andere ausgespielt werden, doch Mann und Frau sollen dieselben Wahlmöglichkeiten haben. Beides ist wichtig: die Betreuung der Kinder und die Erwerbsarbeit. Viele Unternehmen - und es werden immer mehr - erkennen den Handlungsbedarf und richten vermehrt Teilzeitarbeitsplätze, Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Vaterschaftsurlaub ein. Ein solcher kann auch ohne gesetzlichen Zwang realisiert werden. Frau Bundesrätin Leuthard hat es vorgemacht, als sie für die Mitarbeiter der Bundesverwaltung einen Vaterschaftsurlaub realisieren wollte. Schade, dass ihre Kollegin und ihre Kollegen im Bundesrat sie im Stich gelassen haben; es wäre ein wichtiger Schritt und ein Signal für viele Unternehmen gewesen.
Die CVP zählt auf die Verantwortung der Sozialpartner und auf die Verantwortung der Wirtschaft und der Unternehmer, denn diese sind auf Arbeitskräfte angewiesen, die sich motiviert und effizient engagieren. Auch dank dem Handbuch für KMU, welches vom EVD lanciert wurde, ist zu hoffen, dass immer mehr Betriebe den grossen Nutzen der Frauen an Arbeitsplätzen, in Kaderfunktionen und in Verwaltungsräten erkennen und es den Frauen - und den Männern, die mehr Verantwortung in der Familie übernehmen wollen - leicht machen, sich für "Beruf und Familie" und nicht für "Beruf oder Familie" zu entscheiden. Wir alle profitieren davon.