Studer Heiner · Nationalrat · 2007-03-08
Studer Heiner · Nationalrat · Aargau · EVP/EDU Fraktion · 2007-03-08
Wortprotokoll
Ich selber bin von Frauen aus fünf Generationen geprägt. Meine Grosstante, Emma Völlmin, aus dem Oberbaselbiet - neunundneunzigeinhalb Jahre war sie auf dieser Welt - musste in einer Zeit, als dort Armut herrschte und einige wenige Grossbauern und die Seidenbandherren aus Basel das Sagen hatten, als verwitwete Frau für die Rechte, für die Möglichkeiten des Überlebens ihrer Familie, aber auch für die Gemeinschaft kämpfen. Man hat damals nicht für sich gekämpft, sondern für die Gemeinschaft. Politische Rechte waren damals noch nicht das Erste.
In eine ähnliche Situation ist meine Mutter hineingeboren und hat gelernt weiterzukämpfen - dann eben auch für die Rechte der Frauen, für das Frauenstimmrecht. Sie war mir lange Jahre eine der spannendsten Begleiterinnen und Herausforderinnen. Sie wurde früh bei uns Parteimitglied, auch wenn sie kein Amt mehr hatte. [PAGE 130]
Ich habe jetzt drei Töchter, die politisch engagiert sind: eine im Kantonsparlament, eine ist Krankenschwester, und wenn sie gegen Hans Fehr an einer öffentlichen Versammlung über das Asyl- und Ausländerrecht debattiert, halten sie einander die Stange. Was sagt mir diese Generation? Wir wollen nicht Vorrechte, wir wollen nicht Quoten, aber wir wollen, dass die Gesetze korrekt sind und so angewandt werden, dass es keine Debatten mehr braucht.
Ich verstehe, dass die Debatte heute noch stattfindet, hoffe aber, dass es die letzte sein wird, damit die fünfte Generation - jene meiner Enkelin - so etwas nicht mehr debattieren und erleben muss, weil es selbstverständlich ist.
Was habe ich von diesen Frauen alles gelernt? Dass man für die Sache kämpft, einander zuhört, miteinander Lösungen sucht und es vor allem ohne Verbissenheit tut. Und ich erlebe von beiden Seiten - links und rechts - immer noch recht viel Verbissenheit bei diesem Thema, auch wenn der Humor ab und zu mal durchdringt, aber noch etwas zu wenig.
Deshalb ist für uns EVP-Nationalräte klar: Wir werden bei den Vorstössen überall dort mitstimmen, wo es darum geht, dass die Gleichstellung, die wir in der Verfassung und im Gesetz haben, auch realisiert wird. Da werden wir überall mitmachen. Dort, wo es aber um einen ideologischen Schlagabtausch geht, da sind wir nicht mehr dabei.