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Jenny This · Ständerat · 2000-09-21

Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2000-09-21

Wortprotokoll

Ich fürchte zwar, dass ich zu dieser Debatte nicht mehr viel Neues beitragen kann. Wir können wohl um die Fristenlösung herum diskutieren, so lange wir wollen, eines wird sich nie, aber gar nie ändern: Der Entscheid für einen Schwangerschaftsabbruch wird letztlich immer bei der Frau allein liegen. Diesen Entscheid kann ihr niemand abnehmen. Die Betroffenheit ist derart radikal, dass sie nicht delegiert werden kann.

Die Erfahrungen in jenen Ländern, die ein liberales Gesetz eingeführt haben, zeigen auch klar, dass nur umfassende Aufklärung und Prävention einen wirksamen Beitrag zur Reduktion der Schwangerschaftsabbrüche leisten können, und nicht ein Verbot eines solchen Eingriffes. Das Strafrecht allein genügt nicht, hier ist die Gesellschaft als Ganzes gefordert.

Das Recht der Betroffenen auf eine Beratung ist sehr zu begrüssen, hingegen ist der Zwang zur Beratung ganz klar abzulehnen. Eine obligatorische Beratung ist eine unnötige Schikane und erneute Bevormundung von erwachsenen, selbstständigen Frauen. Die Betroffenen machen dies aus eigenem Antrieb, aber in einer Atmosphäre des Vertrauens und der Offenheit.

Mit einer gesetzlich verankerten Beratungspflicht würde dies schlagartig ändern. Darum haben sich namhafte Fachleute eben gegen diese Beratungspflicht ausgesprochen, wie das Kollege Schweiger bereits ausgeführt hat. Ausgerechnet jene, die immer wieder das hohe Lied der Eigenverantwortung singen, ausgerechnet jene sprechen diese Eigenverantwortung den erwachsenen Frauen ab. Man tut so, als fälle eine Frau einen solchen Entscheid irgendwann zwischen Tür und Angel.

Wer sind denn letztlich die Verlierer bei einer unerwünschten Geburt? Wer sind die Leidtragenden? Sicher nicht der Staat, sicher auch nicht die Politiker, die so tun, als ob sie für jedes unerwünschte Kind höchst persönlich aufkommen. Die grossen Verlierer und bedauernswerten Geschöpfe sind die unerwünschten Kinder. Die meisten von uns können nur erahnen, aber wohl kaum nachvollziehen, was es für ein Kind heisst, ungeliebt und ungewollt in der Gegend herumgestossen zu werden.

Das Schlimmste ist: Die meisten von ihnen bleiben ihr Leben lang auf der Schattenseite stehen. Gescheiterte Existenzen sind geradezu vorprogrammiert. Das ist statistisch erwiesen, Ausnahmen bestätigen selbstverständlich auch hier die Regel. Das ist erschütternd, aber es sind die nackten Tatsachen. Es gibt eben leider nicht nur unsere heile Welt hier im Saal.

Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen: Sämtliche Instanzen sind willkürlicher als die Frau selbst. Denken wir daran, nur sie - die Frau - ist letztlich schwanger; denken wir aber ebenfalls daran, dass wir in der Praxis die Fristenlösung eben schon lange haben. Weshalb soll sie nicht im Gesetz stehen? Alles andere ist - mit Verlaub - eine Heuchelei!

Ich bitte Sie deshalb, der Kommissionsmehrheit zuzustimmen.