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Bieri Peter · Ständerat · 2007-06-04

Bieri Peter · Ständerat · Zug · Christlichdemokratische Fraktion · 2007-06-04

Wortprotokoll

Bevor wir zum nächsten Geschäft der Tagesordnung kommen, möchten wir der verstorbenen Nationalrätin Josy Gyr-Steiner gedenken. So, wie ich Frau Josy Gyr allerdings kennengelernt habe, glaube ich, dass ihr die vielen Reden und das Lob gar nicht recht gewesen wären. Trotzdem: Frau Nationalrätin Gyr hat eine Würdigung durch uns mehr als verdient.

Josy Gyr hatte es nicht leicht, nicht im Leben, nicht in der Politik, nicht im Bundeshaus und ganz bestimmt nicht auf ihrem letzten, von der Krankheit überschatteten Lebensabschnitt. Doch sie war immer eine Kämpferin. Im Leben hat sie persönliche Schicksalsschläge nicht nur weggesteckt, sondern ist an ihnen gewachsen. In der Politik hat sie sich auf offene, herzliche und grosszügige Art und Weise einen Namen gemacht. Auch um ihre schwere Krankheit hat sie nie ein Geheimnis gemacht. Sie hat den Kampf aufgenommen, auch wenn sie ihn zuletzt verloren hat.

Josy Gyr-Steiner wurde 2003 für die SP Schwyz in den Nationalrat gewählt. Das kam damals für einige überraschend, aber bald schon wurde klar, dass sie mit ihrer Offenheit, ihrem Engagement und ihrer Kraft eine Glaubwürdigkeit besass, die manchmal in der Politik schmerzlich vermisst wird. Vorher war sie seit 1990 als Bezirksrätin in Einsiedeln politisch aktiv gewesen.

Für Josy Gyr stand bei der politischen Tätigkeit immer der Mensch im Mittelpunkt. Das war auch in der Kommissionsarbeit und im Plenum spürbar. Sie hat sich weniger für abstrakte Ideologie als vielmehr für urmenschliche Gerechtigkeit eingesetzt. Josy Gyr war es ein Anliegen, dass Menschen, die in ihrem Leben "krampft händ", wie sie zu sagen pflegte, zu dem ihnen zustehenden materiellen Lohn, zu Wertschätzung und zu dem ihnen zustehenden bisschen Glück kommen. Sie engagierte sich für Mütter in Not, gegen Ungerechtigkeiten und Vorurteile in der Gesellschaft.

Hier im Bundeshaus war Josy Gyr mit ihrer einfachen, geradlinigen und bodenständigen Art, mit ihrer klaren, aber immer humorvollen Sprache eine Ausnahmeerscheinung. Ihre Arbeit in der Geschäftsprüfungskommission und in der Kommission für öffentliche Bauten ging sie mit einer Selbstverständlichkeit und einem Engagement an, die unseren Respekt forderten, auch damals, als sie von ihrer Krankheit bereits schwer gezeichnet war.

Josy Gyr war eine sehr geschätzte Kollegin, und wir sind tieftraurig, dass sie nicht mehr unter uns weilt. Sie hat gezeigt, dass Politik von Menschen für Menschen gemacht werden soll und gemacht wird - und zum Menschsein gehört eben auch der Tod. Er hat Josy Gyr nun viel zu früh eingeholt. Unsere Anteilnahme gehört ihrem Mann, ihrem Sohn und der ganzen Trauerfamilie.

Ich bitte Sie, der Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken.

[VS]

Der Rat erhebt sich zu Ehren der Verstorbenen

L'assistance se lève pour honorer la mémoire de la défunte