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Schenker Silvia · Nationalrat · 2007-09-19

Schenker Silvia · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-09-19

Wortprotokoll

Keine Angst, ich versuche nicht, Sie von der Komplementärmedizin als alleinigem Heilmittel zu überzeugen. Niemand, auch nicht das Komitee der Volksinitiative "Ja zur Komplementärmedizin", will die Schulmedizin verdrängen. Niemand, auch nicht die glühendsten Befürworterinnen und Anbieter alternativer Heilmethoden, nimmt für sich in Anspruch, das allein seligmachende Mittel zur Heilung bestimmter Krankheiten gefunden zu haben. Was wir wollen, ist jedoch, dass alle, nicht nur Sie, Herr Bundesrat Couchepin, die Freiheit haben, komplementärmedizinische Methoden anzuwenden, dass dies nicht ein Privileg für Zusatzversicherte oder Betuchte ist.

Komplementäre Heilmethoden verstehen sich, wie es der Name schon sagt, als Ergänzung, als Ergänzung zur Schulmedizin. Von den allermeisten Menschen werden sie auch in diesem ergänzenden, komplementären Sinne angewendet. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen, für Schwangere und für Kinder sind diese Heilmethoden besonders wichtig und sinnvoll. Manchmal sind es die einzig möglichen.

Die Entstehungsgeschichte dieser Initiative hängt mit dem Entscheid unseres Gesundheitsministers zusammen, fünf alternative Heilmethoden aus der Grundversicherung auszuschliessen. Damit hat er die Resultate der PEK-Studie ignoriert und bewirkt, dass diese Heilmethoden nicht mehr allen zugänglich sind. Nur wer eine Zusatzversicherung hat oder eine solche abschliessen kann, erhält die entsprechenden Kosten vergütet. Komplementäre Heilmethoden geniessen eine grosse Akzeptanz in der Bevölkerung. Dies zeigen alle Befragungen; die neueste war in der ersten Ausgabe der neuen Sonntagszeitung "Sonntag" zu lesen. Die Untersuchung zeigte, dass die Initiative eine grosse Zustimmung geniesst. Was bei der Abstimmung über diese Initiative herauskommt, hängt zum Glück nicht allein von dem ab, was wir heute hier entscheiden.

Dennoch bitte ich Sie im Namen der Minderheit, die Initiative dem Volk mit der Empfehlung zur Annahme vorzulegen.

Was also will die Initiative? Sie will im Grundsatz eines: Sie will der Komplementärmedizin neben der Schulmedizin einen angemessenen Platz einräumen. Um dies zu erreichen, soll in die Verfassung ein entsprechender Artikel eingefügt werden. In ein paar kurzen Sätzen zusammengefasst sind es folgende Anliegen, die die Initiative verfolgt: Die Zusammenarbeit von Schul- und Komplementärmedizin soll gefördert werden. Die Vielfalt des Heilmittelschatzes soll gewahrt bleiben. Dazu braucht es eine vereinfachte Zulassung der Heilmittel der Komplementärmedizin. Für nichtärztliche Therapeutinnen und Therapeuten sollen Zulassungs- und Berufsausübungsbestimmungen erlassen werden. Die fünf ärztlichen Methoden - Phytotherapie, Homöopathie, traditionelle chinesische Medizin, anthroposophische Medizin und Neuraltherapie - sollen wieder in die Grundversicherung aufgenommen werden.

Komplementärmedizin soll in Lehre und Forschung vermehrt berücksichtigt werden. Auch alternative Heilmethoden entwickeln sich und sollen genauso wie schulmedizinische Methoden erforscht werden, und auch sie müssen gelehrt werden.

Die Zeit reicht mir leider nicht, alle Argumente, die für ein Ja sprechen, auszubreiten. Aber es werden sich noch viele Befürworterinnen und Befürworter der Komplementärmedizin zu Wort melden. Wir werden am Schluss einen ganzen Strauss von Argumenten für die Annahme der Initiative haben. Ich bin davon überzeugt, dass Ihnen der Strauss gefallen wird.

Stimmen Sie Ja zum Minderheitsantrag und damit Ja zur Initiative.