Teuscher Franziska · Nationalrat · 2007-12-06
Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2007-12-06
Wortprotokoll
Vor einigen hundert Jahren gingen die Gesellschaften der Osterinsel unter. Die Osterinsel ist vielen bekannt, denn auf dieser Insel hat man sehr grosse Steinfiguren gefunden. Ethnologen sind heute der Meinung, diese Zivilisation sei untergegangen, weil sie ihre Wälder rigoros abgeholzt hat. Sie brauchte das Holz für die Errichtung und den Transport der Steinfiguren, und deshalb hat sie ihre Waldfläche rücksichtslos gerodet und sich damit ihre Lebensgrundlagen zerstört.
In der Schweiz hatten wir Ende des 19. Jahrhunderts eine ähnliche Situation. Grössere Teile der Wälder wurden geschlagen, weil die wachsende Industrie immer mehr Brennstoffe brauchte. Der Wald konnte in vielen Teilen der Schweiz seine Schutzfunktion überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Daher erliess man 1876 das Eidgenössische Forstpolizeigesetz, das den Wald unter einen umfassenden Schutz stellte. Mehr als hundert Jahre später, 1991, modernisierte man den Schutz des Waldes und setzte das neue Waldgesetz in Kraft.
Heute liegt nun eine Teilrevision des Waldgesetzes vor. Dieser kann ich nicht zustimmen. Ich bin froh, dass die Mehrheit der UREK das auch nicht kann, denn mit dieser Teilrevision würden wir die Türe öffnen, um der Holznutzung im Wald Priorität einzuräumen. In gewissen Teilen der Schweiz hätten wir dann, als Folge davon, wieder Zustände wie Ende des 19. Jahrhunderts. Wir könnten ein paar Bäume in den Alpen in Reservaten retten, im Mittelland gäbe es dann Wüsten bzw. Holzplantagen. Jedenfalls komme ich zu diesem Schluss, wenn ich die Mitteilungen der Waldwirtschaft lese, wohin diese Seite im Wald will: "Der Bundesrat muss in seiner Botschaft der Wirtschaftlichkeit und dem unternehmerischen Handlungsspielraum der Waldeigentümer und ihrer Forstbetriebe Rechnung tragen." Die Teilrevision des Waldgesetzes bietet keine Gewähr, dass der Schutz des Waldes weiterhin umfassend gewährleistet ist.
Ich sehe eigentlich keinen Grund, das Waldgesetz zu revidieren, denn das Waldgesetz hat sich bisher gut bewährt. Die Waldfläche in der Schweiz ist geschützt, und der Wald kann all seine wichtigen Funktionen wie Schutz, Nutzung und Erholung wahrnehmen. Wenn wir die geplante Revision durchführten, würde die Natur im Wald auf wenige Flächen zurückgedrängt. Die Wälder in der Nähe der Städte und Agglomerationen würden sich in Industrieareale verwandeln, und ihre Funktion als Naherholungsgebiet ginge verloren.
Wir müssen dem Wald weiterhin eine hohe Schutzpriorität einräumen. Wir wollen einen naturnahen Wald, der Schutz bietet, zur Erholung einlädt, einen vielfältigen Lebensraum bildet und einheimisches Holz produziert, das hohen Umweltstandards genügt. Wenn wir zur vorliegenden Gesetzesrevision Ja sagen, erreichen wir genau das Gegenteil. Der Bundesrat will diese Teilrevision der Initiative "Rettet den Schweizer Wald" gegenüberstellen. Doch die UREK hat diesen Vorschlag hochkant bachab geschickt. Ich bitte Sie, heute im Nationalrat dasselbe zu tun.
Sollte das Parlament auf die Vorlage eintreten, unterstütze ich die Initiative "Rettet den Schweizer Wald". Sie ist dann die einzige Garantin dafür, dass der Wald nicht vielerorts zu Industriearealen degradiert wird. Die Initiative kam mit 115 464 Unterschriften zustande. Das zeigt, dass die Schweizerinnen und Schweizer den Wald hochachten und ihn auch umfassend schützen wollen, so, wie wir das mit unserer Forst- und Waldpolitik in der Vergangenheit auch getan haben.
Ich bitte Sie daher, heute die Teilrevision des Waldgesetzes abzulehnen und der Initiative zuzustimmen, um Druck auf den Ständerat zu machen, damit auch er die Teilrevision bachab schickt.