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Humbel Ruth · Nationalrat · 2007-12-11

Humbel Ruth · Nationalrat · Aargau · Fraktion CVP/EVP/glp · 2007-12-11

Wortprotokoll

Die Bedeutung körperlicher Bewegung für eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist unbestritten. Ausreichende Bewegung im Kindes- und Jugendalter ist ein relevanter Einflussfaktor für das Wachstum des Kindes, wirkt sich positiv auf das Skelett, die Knochendichte sowie Herz und Kreislauf aus. Wissenschaftliche Studien belegen die Bedeutung von Bewegung und Sport für die psychosoziale Gesundheit der Jugendlichen. Sie weisen einen positiven Einfluss auf die schulischen Leistungen und das Wohlbefinden nach. Sie zeigen, dass ein gesundheitsbewusstes Verhalten durch die Ausübung von Sport gefördert wird: Sportlich aktive Jugendliche rauchen seltener und konsumieren weniger Alkohol als gleichaltrige unsportliche. Gemäss WHO ist die Fettleibigkeit die [PAGE 1895] häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter.

Auch die Zahl der übergewichtigen Schweizer Kinder nimmt zu. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Anzahl übergewichtiger Kinder verdreifacht, die Zahl der fettleibigen gar versechsfacht. Rund ein Drittel der Personen in der Schweiz ist übergewichtig - mit entsprechenden Folgekosten für die Allgemeinheit. Bei den unter Zehnjährigen ist der Anteil noch grösser. Zudem zeigen rund 6 Prozent der fünf- bis zehnjährigen Kinder krankhafte Störungen der motorischen Koordination. Alarmierend ist, dass die Gewichtszunahme der Kinder von den Eltern häufig unbemerkt bleibt. Nur einem Drittel der Eltern mit übergewichtigen Kindern und Jugendlichen fällt auf, dass ihr Kind übergewichtig ist. Neben den Eltern haben Bildungseinrichtungen, von Kindergärten bis zu den Hochschulen, bei der Förderung körperlicher Aktivitäten eine grosse Verantwortung.

"Jugend und Sport" erfüllt eine ganz wichtige Funktion und steht für ein erfolgreiches Programm, das Jugendliche mit Sport fit und gesund hält, integrierend wirkt, zu lebenslangem Sporttreiben motiviert und auch künftige Spitzensportler ausbildet. Bei der Einführung war "Jugend und Sport" für Kinder ab zwölf Jahren; das Alter wurde inzwischen auf neun Jahre gesenkt. Wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen bestätigen aber, dass beim heutigen Alter von neun Jahren eine wichtige Entwicklungsphase vorbei ist und "Jugend und Sport" damit erst zu einem Zeitpunkt beginnt, in dem Bewegungsmangel und Fettleibigkeit vielfach schon weit fortgeschritten sind.

Mit der Einführung von "Jugend und Sport"-Programmen für Kinder ab fünf Jahren erfassen wir die Kinder rechtzeitig; wir fördern die Kinder bei der Entwicklung ihrer motorischen Fähigkeiten, eröffnen ihnen sportliche Perspektiven und tun rechtzeitig etwas gegen Bewegungsmangel und Übergewicht. Wir leisten einen Beitrag zur besseren Lebensqualität der Kinder und einen Beitrag zur Eindämmung der durch Übergewicht verursachten wachsenden Gesundheitskosten. Bewegung - Sport im Sinne von "Jugend und Sport" - ist die wirksamste und effizienteste Prävention. Unterstützen wir deshalb diesen Minderheitsantrag, bewilligen wir die 2 Millionen Franken für die Ausbildung von "Jugend und Sport"-Leitern für fünf- bis zehnjährige Kinder. Unsere Fraktion unterstützt diesen Minderheitsantrag.

Noch eine persönliche Bemerkung zum nächsten Antrag, den Beitrag an die nationale Anti-Doping-Agentur um 1 Million Franken zu erhöhen: Persönlich werde ich auch diesen Antrag unterstützen. Die heutigen Strukturen der Dopingbekämpfung in der Schweiz entsprechen in den Grundzügen noch denjenigen von 1990. Die Voraussetzungen müssen jedoch an die schwierigen heutigen Gegebenheiten angepasst werden. Es braucht gesetzliche und vor allem auch strukturelle und finanzielle Verbesserungen.

Im letzten Monat ist ein neues, verschärftes Welt-Anti-Doping-Programm in Kraft getreten, welches insbesondere im Bereich der Kontrollen nochmals einen grösseren Aufwand verursacht. Swiss Olympic wird daher seine Mittel für 2008 um 1 Million Franken aufstocken. Ein gleich hoher Beitrag kann auch vom Bund erwartet werden. Die Dopingbekämpfung kann nicht zur rein privaten Angelegenheit des Sports erklärt werden. Dopingfälle im Spitzensport sind die Spitze des Eisberges; es ist bekannt, dass auch im Breitensport leistungsfördernde Substanzen eingenommen werden. Es geht bei der Dopingbekämpfung um die Interessen eines fairen Sports, um die Vorbild- und Erziehungswirkung des Sports, letztlich aber auch um das Ansehen der Schweiz beim Engagement für eine wirksame Dopingbekämpfung im internationalen Kontext. International gesehen engagieren sich die Staaten bei der Dopingbekämpfung stark. So übernimmt beispielsweise in den USA der Staat 80 Prozent des gesamten Aufwandes für die amerikanische Dopingbekämpfung.

Die Frage der Dopingbekämpfung und der Mitverantwortung des Staates bei der Dopingbekämpfung ist keine Frage von rechts und links, sondern eine Frage des politischen Willens und der Ernsthaftigkeit gegenüber der schwierigen Aufgabe der Dopingbekämpfung. Im Ständerat wurde der entsprechende Antrag denn auch von einem FDP- und einem SVP-Vertreter unterstützt.

Die Sportverbände engagieren sich mit 1 Million Franken mehr. Das genügt nicht, um den zusätzlichen Aufwand nach internationalem Standard der Dopingbekämpfung zu erfüllen. Der Bund sollte meines Erachtens einen Schritt in die gleiche Richtung tun. Ich persönlich unterstütze daher den Antrag, das Budget bei dieser Position um 1 Million Franken zu erhöhen.

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