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Waber Christian · Nationalrat · 2007-12-19

Waber Christian · Nationalrat · Bern · Fraktionslos · 2007-12-19

Wortprotokoll

Seit zehn Jahren teile ich mit Ihnen in diesem Parlament Freud und Leid, die ersten zwei Jahre als Fraktionsloser, dann acht Jahre lang als Mitglied einer kleinen Fraktion. Es war eine spannende und ausgefüllte Zeit. Der grösste Gewinn waren die persönlichen Beziehungen, die vielen guten Gespräche, aber auch die politischen Auseinandersetzungen. Die Arbeit in verschiedenen Kommissionen bereitete mir grosse Freude; ich möchte all meinen Kolleginnen und Kollegen für die gute Zusammenarbeit danken, vor allem denjenigen in der Geschäftsprüfungskommission und der Gerichtskommission. Einziger Wermutstropfen waren und sind die unsäglichen Indiskretionen.

In der neuen Zusammensetzung des Rates muss ich mich neu ausrichten. Ich fand meinen Platz innerhalb der Fraktionsgemeinschaft mit der SVP; dafür möchte ich der SVP-Fraktion danken. Mit der neuen Ausrichtung der SVP-Fraktion kann ich mich als EDU-Mitglied nicht identifizieren. Aus diesem Grund bin ich nach der gestrigen Fraktionssitzung aus der Fraktionsgemeinschaft ausgetreten - nicht im Zorn oder aus Enttäuschung, sondern aus einem einzigen Grund: der Glaubwürdigkeit.

Als fraktionsloses Mitglied werde ich meinen Auftrag weiterführen: eine Politik auf der Grundlage der christlichen Werte. Damit fühle ich mich weder besser, noch habe ich ein besonderes Sendungsbewusstsein; ich tue es im Wissen, dass ich auch alleine nie alleine bin. Meine zwei Kommissionssitze habe ich gestern der Fraktion zurückgegeben; dies ist die logische Folge meines Entschlusses.

Nach all den Vorkommnissen der letzten Tage bin ich über das Verhalten der Menschen hier im Saal - mich eingeschlossen - traurig: Wir haben es an Anstand fehlen lassen. Was über der Treppe beim Aufgang zu unserer Wirkungsstätte steht - dass das Wohl des Volkes das höchste Gebot ist -, hat seine Gültigkeit verloren. Eine tote Fliege bringt duftendes Öl zum Stinken, und ein bisschen Dummheit macht alles Wissen und Ansehen eines Parlamentes zunichte.

Ich hoffe und bete darum, dass wir in Zukunft das Wohl des Volkes wieder im Vordergrund haben. Ich möchte dazu beitragen. Herzlichen Dank für Ihr Verständnis und gesegnete Festtage!