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Stöckli Hans · Nationalrat · 2007-06-21

Stöckli Hans · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-06-21

Wortprotokoll

Die SP-Fraktion unterstützt die Schaffung eines nationalen Sprachkompetenzzentrums. Seit mehr als fünfundzwanzig Jahren ist dieses Sprachzentrum Thema in unserem Land. Jetzt soll es in diesem Gesetz verankert werden, und zwar im Zusammenspiel zwischen Bund und Kantonen. Am Zusammenhalt unserer mehrsprachigen Willensnation muss tagtäglich gearbeitet werden. Es ist demnach unverzichtbar, dass auch die Schweiz die nötige Forschung im Bereich der Sprachen betreibt. Das ist eine Notwendigkeit, die im Ausland schon lange erkannt wurde. Solche Kompetenzzentren gibt es schon lange, in Italien in Udine und in Bozen, in Flensburg, Brüssel, Wales, Singapur, Quebec und Toronto.

Wir haben gehört, dass die Mehrsprachigkeit auch ein wirtschaftlicher Standortvorteil ist, wenn man sie systematisch nutzt, wenn man sie systematisch ausarbeitet. Dafür muss auf nationalem und internationalem Niveau geforscht werden. Natürlich wird in der Schweiz an gewissen Universitäten, Fachhochschulen und auch privaten Institutionen wie zum Beispiel dem "Forum du bilinguisme" bereits wichtige Arbeit geleistet. Aber es braucht ein national anerkanntes Kompetenzzentrum, welches auch Koordinationsaufgaben übernimmt. Entgegen dem Antrag der Minderheit II (Freysinger), welcher als Eventualantrag formuliert ist, sollte nicht im Gesetz bereits beschränkt werden, dass nur universitäre Sprachinstitute berücksichtigt werden können. Diese Einschränkung hätte nämlich zur Folge, dass das Geld lediglich auf universitäre Institute verteilt würde, ohne dass ein "leading house", ein richtiges nationales Kompetenzzentrum, entstehen würde.

Im Rahmen der Vernehmlassung ist dieses Kernstück des Sprachengesetzes vor allem von den mehrsprachigen Kantonen, aber auch von der EDK vorbehaltlos unterstützt worden.

Sowohl der Bundesrat als auch die Gegner machen ja geltend, dass sich der Mitteleinsatz von einigen Millionen nicht rechtfertigen würde. Ich erlaube mir hier zu bemerken, dass wir in der grössten zweisprachigen Stadt der Schweiz, in Biel, jährlich mehrere Millionen in die Zweisprachigkeit investieren, und ich betone: investieren. Da gilt es, dass auch der Bund die entsprechenden Investitionen mitträgt.

Gerade in der immer mehr mediatisierten Welt ist es dringend nötig, die Veränderungen im Sprachgebrauch zu erfassen. Auch ist es dringend nötig, dass wir die Wirkungen unserer politischen Entscheide, vor allem im Bereiche der Bildung und der Sprachen, periodisch analysieren. Es geht nicht darum, eine neue Institution zu schaffen, sondern einer bestehenden einen zusätzlichen, wichtigen Auftrag zu erteilen. Es geht einerseits um die klassischen Aufgaben im Bereiche der Mehrsprachigkeit und des Sprachenerwerbs, die Evaluation und die Entwicklung der Sprachenpolitik, aber andererseits müssen auch Arbeiten im Rahmen des Bildungsmonitorings und der Überprüfung der Fremdsprachenkompetenzen gemacht werden.

Von grosser Bedeutung ist auch die Überprüfung der Sprachkompetenzen im Rahmen von Zuwanderung und Einbürgerung. Da öffnet sich ein weites und für uns neues Feld. Verschiedene Institutionen, die Universitäten Freiburg und Basel, aber auch der Kanton Graubünden und das "Forum für Zweisprachigkeit" in Biel haben sich um die Ansiedlung des Kompetenzzentrums beworben. Diese Frage ist nicht heute zu entscheiden, sondern es sollte die Möglichkeit geschaffen werden, dass ein solches Kompetenzzentrum erarbeitet werden kann. Ein Interesse besteht.

Dementsprechend ersuche ich Sie im Namen der SP-Fraktion, beide Minderheitsanträge abzulehnen und der Schaffung eines nationalen Kompetenzzentrums endlich zum Durchbruch zu verhelfen.