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Graf Maya · Nationalrat · 2007-06-21

Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2007-06-21

Wortprotokoll

Die grüne Fraktion unterstützt bei Artikel 15 Absatz 3 die Mehrheit der Kommission und votiert für eine Landessprache als erste Fremdsprache im Unterricht, schweizweit. Für uns Grüne wäre das eigentlich eine Selbstverständlichkeit - aus staatspolitischen Gründen und für ein einheitliches Bildungssystem. Es geht hier klar nicht um das Sein oder Nichtsein der Schulhoheit der Kantone oder gar das Sein oder Nichtsein der Schweiz. Diese Frage wird viel zu hoch bewertet. Es geht schlicht darum, dass wir im Bundesgesetz über die Landessprachen festlegen, dass sich Bund und Kantone gemeinsam dafür einsetzen, dass als erste Fremdsprache eine Landessprache unterrichtet wird - nicht mehr und nicht weniger. Machen Sie also bitte keinen Schicksalsartikel daraus. [PAGE 1088]

Das ist auch in keiner Weise gegen das Erlernen von Englisch gerichtet. Die Sprachkompetenz in Englisch als zweiter Fremdsprache nach Ablauf der obligatorischen Schulzeit muss genauso gewährleistet sein. Seien wir doch ehrlich, unsere Kinder haben bereits Frühenglisch, bevor sie es sich überhaupt bewusst sind: Musik, Sport, Computerspiele, Werbung, Informatik - alles in Englisch, mit dem sie selbstverständlich aufwachsen und umzugehen lernen. Darüber brauchen wir uns also keine Sorgen zu machen.

Doch wir Grünen machen uns Sorgen darüber, dass dabei die Landessprachen, die Sprachen, die in unserem eigenen Land von unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern gesprochen werden, zu kurz kommen. Für uns Grüne ist es daher selbstverständlich, dass wir zuerst diejenige Fremdsprache lernen, die von unseren Nachbarn, von unseren Landsleuten gesprochen wird, die uns im eigenen Land verbindet, die hilft und gewährleistet, dass wir einander besser oder überhaupt verstehen.

Dabei bedeutet das Erlernen einer Landessprache das gleichzeitige Vertrautwerden mit einer anderen Landeskultur, das Erspüren eine anderen Denk- und Betrachtungsweise. Dies trägt dazu bei, uns über die Sprachgrenzen hinweg zu verstehen und den inneren Zusammenhalt der Schweiz mit ihren vier Landessprachen zu festigen. Vielleicht wirkt dies auch der Tendenz entgegen, die eine Umfrage aufzeigte: Sowohl im französischen wie auch im deutschschweizerischen Sprachraum sprachen sich mehr als ein Viertel der Befragten für Englisch als erste Kommunikationssprache zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Sprachgruppen der Schweiz aus. Die EDK beruft sich auf ihren Sprachenkompromiss und wehrt sich gegen die Forderung der Kommissionsmehrheit. Ihr Kompromiss lässt aber alle Möglichkeiten offen. So gibt es zurzeit unter den Deutschschweizer Kantonen verschiedenste Varianten für den Fremdsprachenerwerb in der Volksschule. Stellen Sie sich, liebe Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer, einmal vor, dass es in der Romandie einen Kanton gegeben hätte, der mächtig wäre und eines Tages ohne Absprache einfach beschlossen hätte, Frühenglisch einzuführen.

Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben, was dieser Sprachenkompromiss der EDK bedeutet, ein Beispiel aus dem Kanton Baselland, wo sich das Kantonsparlament vor einigen Monaten gegen den Willen der Regierung deutlich für Frühfranzösisch und nicht für Frühenglisch aussprach. Im kleinen Baselbieter Dorf Augst wird ab der dritten Klasse Französisch unterrichtet. Nur einen Kilometer weiter westlich, im aargauischen Kaiseraugst, lernen die Kinder derselben Stufe Englisch und beginnen erst zwei Jahre später mit dem Französischunterricht, wenn im Baselbieter Nachbardorf mit dem Englischunterricht begonnen wird. Dies alles geschieht unter dem Zauberwort "Harmos" und dem Stichwort des Sprachenkompromisses. Die Realität und der klare Harmonisierungswunsch der Bevölkerung, welchen sie vor einem Jahr mit der Annahme der Bildungsverfassung mit über 80 Prozent Jastimmen deutlich machte, klaffen weit auseinander. Wir sollten daher heute ein Zeichen für ein einheitliches Bildungssystem und für die Förderung unserer Landessprachen setzen. Ich bin sicher, dass die Bürgerinnen und Bürger diesbezüglich pragmatisch und logisch denken - nicht ausschliesslich föderalistisch.

Aus diesen Gründen unterstützen wir Grünen grossmehrheitlich die Kommissionsmehrheit.