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Brändli Christoffel · Ständerat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2008-09-15

Wortprotokoll

Am 24. Juli hat uns die traurige Nachricht erreicht, dass alt Bundesrat Kurt Furgler in seinem 85. Altersjahr gestorben ist. Ich möchte seiner Familie an dieser Stelle unsere tiefempfundene Anteilnahme aussprechen.

Kurt Furgler war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit mit vielen Talenten. Es sei schade, dass er als Ausnahmeerscheinung in der schweizerischen Politik keine Memoiren geschrieben habe, bemerkte Bundesratskenner und Historiker Urs Altermatt. Auch wir hätten sie sicher mit grossem Interesse gelesen.

Einige unter uns hatten noch die Möglichkeit, als Parlamentarier oder Regierungsräte mit Kurt Furgler zusammenzuarbeiten. In den 22 Jahren seit seinem Ausscheiden aus der Landesregierung hat er sich stets an die Usanz gehalten, als alt Bundesrat das politische Geschehen nicht zu kommentieren. Er zog sich aus der Politik zurück, zur Überraschung [PAGE 540] vieler. Und trotzdem: Kurt Furgler ist über die vielen Jahre nicht vergessen worden; die Reaktionen auf seinen Tod haben dies eindeutig gezeigt.

Er gehört zu den Politikern, die über die Grenzen der Schweiz hinaus Anerkennung gefunden haben. Wir erinnern uns daran, wie er 1985 als Bundespräsident die beiden damals mächtigsten Männer der Welt, Ronald Reagan und Michail Gorbatschow, in Genf empfing und jeden von ihnen in seiner eigenen Sprache begrüsste - das Foto ging damals um die Welt -, oder an die Besetzung der polnischen Botschaft in Bern, bei der sich der damalige EJPD-Chef als Krisenmanager bewährte und vor versammelter internationaler Presse mehrsprachig das unblutige Ende der Geiselnahme bekanntgab.

Kurt Furgler war nicht nur sprachbegabt, sondern er war auch ein Rhetoriker wie kaum ein anderer. Für viele Beobachter bleibt unvergessen, wie er als Fraktionspräsident und erst recht als Bundesrat zu fesseln und zu überzeugen vermochte. Im Militär stieg er zum Brigadier auf, dem höchsten Grad für einen Nichtberufsoffizier. Er war Sportler - Captain und erfolgreicher Trainer einer Handballmannschaft - und ein guter Kollege. Er war hochintelligent und galt in manchen Bereichen als visionär. Über die Parteigrenzen hinweg zollte man ihm Respekt. Oder anders gesagt: Er liess kaum jemanden unberührt. Es zeugt gewissermassen von Ehrerbietung, wenn kritische Zeitgenossen wie Niklaus Meienberg, Adolf Muschg, Peter Bichsel oder Max Frisch sich immer wieder mit Kurt Furgler auseinandersetzten oder die Auseinandersetzung mit ihm suchten.

Kurt Furgler hat viele Spuren hinterlassen und die Schweiz entscheidend mitgeprägt: Das Familien- sowie das Eherecht tragen seine Handschrift; er sorgte für einen Verfassungsartikel über die Gleichstellung von Mann und Frau; er spielte eine bedeutende Rolle bei der Gründung des Kantons Jura; und er gab wichtige Anregungen für die Totalrevision der Bundesverfassung, auch wenn diese erst Jahre später, in einem weiteren Anlauf, realisiert werden konnte. Dies sind nur einige Beispiele seines reichhaltigen Schaffens als Bundesrat. Aber auch in seiner 17-jährigen Nationalratszeit fand er grosse Beachtung: Er leitete 1964 die erste Parlamentarische Untersuchungskommission, die die Aufgabe hatte, die Kreditüberschreitungen bei der Beschaffung der Mirage-Kampfflugzeuge zu untersuchen. Kurt Furglers Fähigkeit bestand gemäss der Analyse von Urs Altermatt darin, "eine politische Krise mit minimalem Schaden und maximaler Wirksamkeit zu lösen". Eine Folge der Mirage-Affäre war, dass auf Empfehlung der Kommission Furgler die parlamentarische Kontrolle der Verwaltung wesentlich verstärkt wurde. Dank Kurt Furglers Vorstössen hat die Schweiz heute aber auch eine systematische Gesetzessammlung und das Schweizerische Korps für humanitäre Hilfe. An diesen Beispielen lässt sich erkennen, wie vielseitig das politische Engagement Kurt Furglers war.

Mit seinem Wirken wird uns Kurt Furgler immer in Erinnerung bleiben.

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Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen

L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt

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Präsident (Brändli Christoffel, Präsident): Sodann habe ich die traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, dass uns der ehemalige Nationalrat und Nationalratspräsident Enrico Franzoni am 8. September im Alter von 88 Jahren für immer verlassen hat. Er vertrat im Nationalrat den Kanton Tessin während 16 Jahren, nämlich von 1959 bis 1975.

"Die parlamentarische Debatte ist ihrem Wesen nach ein Dialog, denn nur auf dem Weg des Dialogs lässt sich in ständiger Auseinandersetzung mit den Gedanken des anderen zur Wahrheit finden, und sei es auch nur zu der bescheidenen Wahrheit, wie sie die Politik bieten kann." Diese Worte Enrico Franzonis haben nichts von ihrer Kraft verloren. Sie sagen viel über diesen Mann und über seinen Respekt gegenüber seinem politischen Mandat aus. Als Vertreter des Tessins und der italienischen Sprache hat Enrico Franzoni stets unser Staatsmodell gepriesen und die Bedeutung des Dialogs zwischen den Kulturen und Minderheiten hervorgehoben.

Seine politische Laufbahn begann sehr früh: Von 1948 bis 1952 war er Gemeinderat, anschliessend bis 1963 Gemeindepräsident von Muralto. Als Nationalrat präsidierte er die Geschäftsprüfungskommission, die christlichdemokratische Fraktion und zweimal die Tessiner Deputation. 1972 wurde er zum Nationalratspräsidenten gewählt; es war ein Amt, das er nach den Worten seines Nachfolgers mit Geist, Charme und Humor versah.

Wir behalten Enrico Franzoni als einen interessanten Menschen in Erinnerung, als einen Redner mit einem feinen Gespür für das treffende Wort. So kann uns das Fazit seiner Rede zum Abschluss der 39. Legislatur noch heute als Leitbild dienen: Es sei die Aufgabe jedes Parlamentes, stets abzuwägen, was wir von der Vergangenheit in der Gegenwart behalten und was wir von der Gegenwart für die Zukunft bewahren sollten.

Wir sprechen der Trauerfamilie unser herzliches Beileid aus.

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