Teuscher Franziska · Nationalrat · 2008-03-05
Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2008-03-05
Wortprotokoll
Ich weiss ja nicht, ob und wo Sie diesen Winter Skiferien gemacht haben. Ich war auf der Riederalp. Die Riederalp ist eine Skidestination im Weltnaturerbe-Gebiet Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn. Die Riederalp macht wie die Bettmer- und die Fiescheralp, das Goms, Grindelwald und Mürren Werbung mit dem Unesco-Label. Dieses Gebiet schaffte es nämlich im Jahr 2001, in die Liste der Naturjuwelen der Welt aufgenommen zu werden. Berühmte Landschaften wie die Serengeti oder die Galapagos-Inseln sind in diesem Inventar aufgeführt. Die Schweiz verfügt nun auch über ein Gebiet, das in diesem Inventar der weltweiten Schönheiten figuriert. Darauf können wir zu Recht stolz sein. Auch der Tourismus profitiert von dieser Auszeichnung. In der ganzen Welt wirbt die Region mit dem Unesco-Label. Dadurch werden auch Arbeitsplätze in der Region geschaffen.
Die einmalig schöne Landschaft mit all ihren Gletschern, Bergen, Alpen und Weiden muss uneingeschränkt erhalten bleiben. Militärische Schiessübungen vertragen sich mit der Ruhe der Bergwelt schlecht und sind daher mit dem Grundgedanken des Weltnaturerbes schlecht zu vereinbaren. Daher beantrage ich Ihnen mit meiner Motion, dass im Perimeter des Weltnaturerbes in Zukunft keine militärischen Schiessübungen mehr stattfinden. Meine Motion ist breitabgestützt und wird von der SP, den Grünen sowie CVP- und FDP-Vertreterinnen und -Vertretern unterstützt.
Bis anhin nutzte die Schweizer Armee einen Teil des Weltnaturerbes zu Schiessübungszwecken. So gelangen denn auch immer wieder Geschosse auf den Gletscher und verschmutzen diesen.
Die Schiessübungen produzieren aber auch Lärm, und Lärm ist sicher keine Visitenkarte für ein Weltnaturerbe. Daher muss die Schweiz ein Interesse daran haben, bestehende Störungen im Gebiet nach Möglichkeit zu beseitigen. Das sollte bei militärischen Schiessübungen durchaus möglich sein. Doch davon will der Bundesrat in seiner Antwort auf meine Motion nichts wissen.
Herr Bundesrat Schmid, ich denke, auch Ihnen sollte doch unsere Bergwelt und unser Weltnaturerbe am Herzen liegen. Da sollten Sie doch im Interesse der Schweiz und im Interesse unseres Tourismus auf dieses Gebiet für Ihre militärischen Schiessübungen verzichten können.
Sie erwähnen in Ihrer Antwort, dass die Schweizer Armee einen kleinen Teil des Gebietes des Weltnaturerbes seit 1942 nutzt. Doch die Zeiten haben sich in diesen 66 Jahren geändert. Das Militär wurde redimensioniert, und der Druck auf unsere Naturlandschaften und unsere Bergwelt wurde riesengross. Sie schreiben dann weiter, dass ein totaler Verzicht mangels Ausweichmöglichkeiten zurzeit nicht möglich sei. Aber dann folgen keine Alternativen, die Sie geprüft haben. Ich gebe gerne zu, ich hege Zweifel, ob Sie wirklich geschaut haben, ob Sie diese Schiessübungen verlegen könnten.
Das Gebiet ist heute im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) [PAGE 112] aufgeführt. Daher schreiben Sie, das geltende Recht würde die bisherigen Schiessübungen nicht verbieten. Ich sehe das ein bisschen differenzierter. Der BLN-Schutz ist ziemlich schwach und meistens auch ungenügend, um die Landschaften und Naturdenkmäler ungeschmälert zu erhalten. Das hat die Evaluation des BLN-Inventars ergeben, und das sollten auch Sie wissen. Da können Sie sich nicht hinter dem Recht verstecken. Ich empfinde Ihr Festhalten an den Schiessübungen im Weltnaturerbe als ein bisschen stur. Sie haben doch Ausweichmöglichkeiten, und Sie können in diesem Gebiet der Natur und der Ruhe Vorrang lassen.
Ich bitte Sie daher, meiner Motion zuzustimmen, auch im Sinne der Werterhaltung des Gebietes. Je natürlicher das Weltnaturerbe ist, desto grösser ist der Trumpf für unseren Tourismus.