Fehr Mario · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2009-04-29
Wortprotokoll
Als Präsident des Kaufmännischen Verbandes Schweiz bin ich froh um sämtliche Unterstützung, die die Berufsbildung hier und heute in diesem Rat erfahren hat. Ich glaube auch, dass Frau Riklin mit ihrer Aussage Recht hat, dass wir eines der besten Berufsbildungssysteme der Welt haben und dass wir stolz darauf sein sollten. Wenn wir dies aber sind, dann müssen wir mehr machen, als nur stolz zu sein. Wir müssen dieses Berufsbildungssystem stärken, ihm die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen.
Herr Messmer hat mit seinem Hinweis völlig Recht, dass es Finanzierungsprobleme gibt, gerade bei den Übergangsregelungen, und dass sich der Bund in der Berufsbildung nach wie vor nicht genügend engagiert. Ich fordere deshalb den Bundesrat auf, hier noch mehr Engagement zu zeigen und mehr Mittel zu sprechen. Das gilt selbstverständlich auch für unser Parlament. Wenn Sie die Universitäten mit der höheren Berufsbildung und mit den Fachhochschulen vergleichen, dann stellen Sie fest, dass es in diesem Land keine gleich langen Spiesse gibt. Wenn wir auf dieses Berufsbildungssystem stolz sind, dann müssen wir dafür sorgen, dass in Zukunft die Spiesse gleich lang sind.
Meine Ansicht ist, dass gerade die Berufsbildung und insbesondere die höhere Berufsbildung sowie die Weiterbildung in dieser Krise, in der wir stecken, sehr hilfreich sein können. Wir brauchen in diesem Land eine Weiterbildungsoffensive. Wir brauchen besser heute als morgen ein Weiterbildungsgesetz. Wir brauchen neue Modelle, wie Weiterbildung gefördert, angeschoben werden kann, wie eben all diejenigen, die Weiterbildung fördern oder die sich in der Weiterbildung selber engagieren und viel Zeit, Energie und Geld in diese Weiterbildung stecken, nicht bestraft, sondern gefördert werden. Wir brauchen neue Modelle wie Bildungsgutscheine. Wir müssen die steuerliche Abzugsfähigkeit verbessern, und wir müssen die diversen Anbieter, auch private, in der Weiterbildung stärken.
Frau Bundesrätin Leuthard hat gestern zu Recht darauf hingewiesen, dass wir in einer Krise stecken, speziell in Bezug auf die Jugendarbeitslosigkeit. Die Zahlen sind insbesondere im Alterssegment der 20- bis 24-Jährigen alarmierend. Wenn wir heute in diesem Land in etwa 18 000 Jugendliche zwischen 20 und 24 Jahren haben, die keinen Job haben und sich auch nicht in Weiterbildung befinden, dann ist das alarmierend, dann müssen wir mehr machen. Frau Bundesrätin, ich bin froh darüber, dass Sie gestern die Betriebe aufgefordert haben, im Bereich der Weiterbeschäftigung für Jobeinsteigerinnen und -einsteiger mehr zu tun. Wenn Sie das gesagt haben, gehe ich davon aus, dass sich hier auch der Bund stärker engagiert - ich habe in dieser Sondersession einen entsprechenden Vorstoss deponiert - und dass Sie auch die Kantone auffordern, hier mehr zu tun. Wir müssen schon zur Kenntnis nehmen, dass gerade die öffentliche Hand im Bereich der Weiterbeschäftigung von Lehrabgängern nicht sehr stark engagiert ist, dass hier private Firmen oft voranschreiten. Wenn der Bund hier mehr tun will, so ist das mehr als nur willkommen! Wir begrüssen auch, dass der Bund die Zahl der Praktika erhöhen will.
Insgesamt geht es gerade in der Krise darum, die Perspektiven für die Jugendlichen zu verbessern. Die Berufsbildung, die Weiterbildung und mehr Lehrstellen können hier einen wesentlichen Beitrag leisten. Frau Bundesrätin, ich glaube, dass von dieser Debatte auch ein Signal ausgeht, indem heute quer durch alle politischen Lager unbestritten ist, dass die Berufsbildung gerade bei der Bewältigung der Krise eine zentrale Rolle einnimmt. Ich bin froh, dass hier Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Angestelltenorganisationen und hoffentlich auch der Bund am gleichen Strick ziehen. Dieses Land hat das verdient!
[VS]