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Décision

RRB Nr. 1117/2021

Opernhaus Zürich AG, Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie

6 octobre 2021Allemand8 min

Source zh.ch

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 6. Oktober 2021

1117. Opernhaus Zürich AG, Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie

A. Ausgangslage Der Regierungsrat hat mit Beschluss Nr. 705/2018 die Eigentümer- strategie für die Opernhaus Zürich AG (Opernhaus) festgelegt. Vor- liegend erstattet die zuständige Fachdirektion gemäss den Richtlinien über die Public Corporate Governance (PCG-Richtlinien) erstmals den jährlichen Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie in der Spielzeit 2019/20 (PCG-Richtlinien Ziff. 7.4 und 7.5). Gestützt auf Art. 15 der Leistungsvereinbarung zwischen dem Kan- ton Zürich und dem Opernhaus vom 13. November 2019 hat die Direk- tion der Justiz und des Innern mit Verfügung vom 25. November 2020 die Jahresrechnung 2019/20 des Opernhauses zur Kenntnis genommen. Zudem hat sie gestützt auf Art. 16 Abs. 1 der Leistungsvereinbarung mit Schreiben vom 3. Dezember 2020 festgestellt, dass das Opernhaus aufgrund der Covid-19-bedingten Betriebsschliessung im Frühjahr 2020 (13. März bis 3. Juli 2020) verschiedene Vorgaben gemäss Leis- tungsvereinbarung nicht einhalten konnte, was auf einen unverschulde- terweise eingetretenen Umstand zurückzuführen und somit nicht dem Opernhaus anzulasten sei. Das Opernhaus hat Ende November 2020 den Geschäftsbericht 2019/20 und die Informationen für die Berichterstattung eingereicht (Art. 16 Abs. 2 Leistungsvereinbarung).

B. Berichterstattung

1. Umfeld Das Opernhaus gehört zu den wichtigsten Kulturinstitutionen der Schweiz und zählt zu den bedeutendsten Musiktheatern Europas. Mit den über 800 Mitarbeitenden ist das Opernhaus auch das grösste Kul- turunternehmen im Kanton und einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Kreativwirtschaft. Seit März 2020 ist der Kulturbetrieb ausseror- dentlich stark von den Covid-19-Massnahmen betroffen; trotz der seit einigen Monaten erfolgten Lockerung oder gar Aufhebung der Ein- schränkungen ist die Lage noch sehr angespannt, unter anderem wegen der merklichen Zurückhaltung des Publikums.

2. Entwicklung des Opernhauses Seit Beginn der Intendanz von Andreas Homoki im Jahr 2012 beruht die Programmation des Opernhauses auf einem Gesamtkonzept, das eine ausgewogene Mischung von Neuproduktionen und Wiederaufnah- men von Opern sowie von Ballettaufführungen und Konzerten enthält. Dieses Spielmodell, das auch eine zunehmende Öffnung des Opern- hauses für die breite Bevölkerung vorsieht (Oper für alle auf dem Sech- seläutenplatz, Eröffnungsfest, Einführungen usw.), hat sich sowohl in künstlerischer als auch in finanzieller Hinsicht sehr gut bewährt. Das Opernhaus wird dieses Produktionsraster mit rund zwölf Neuproduk- tionen und 20–22 Wiederaufnahmen auch in den nächsten Spielzeiten anwenden. Auch in der Spielzeit 2019/20 hatte das Opernhaus ein vielfältiges und kontrastreiches Programm geplant. Bis Mitte März 2020 war der Publikumszuspruch erneut ausgezeichnet: Die Platzbelegung betrug 92% bei der Oper und 98% beim Ballett. Unter den künstlerischen Höhepunkten der Spielzeit 2019/20 sind zwei Produktionen hervorzu- heben: die von Intendant Andreas Homoki inszenierte Oper «Iphige- nie en Tauride» von Christoph Willibald Gluck mit Cecilia Bartoli in der Titelrolle und die Ballettaufführung des berühmten zeitgenössi- schen Musiktheaters von Helmut Lachenmann «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern», das in der Choreografie von Christian Spuck zum ersten Mal als Ballett auf die Bühne kam. Wegen der Covid-19-Pandemie musste das Opernhaus am 13. März 2020 schliessen und konnte im Juli 2020 nur wenige kleinere Lieder- abende und Konzerte durchführen. Das Opernhaus musste vier ge- plante Opern-Neuproduktionen, eine Ballett-Neuproduktion sowie sechs Opern- und drei Ballett-Wiederaufnahmen sowie Oper für alle absagen. In der Spielzeit 2019/20 fanden im Opernhaus 199 Aufführun- gen statt (2018/19: 337), die von rund 140 600 Zuschauerinnen und Zu- schauern besucht wurden (2018/19: 243 000).

3. Jahresabschluss 2019/20 Das Opernhaus erzielte bei einem Gesamtertrag von 118,27 Mio. Franken einen Verlust von Fr. 167 000. Der geringfügige Verlust ist na- hezu gleich hoch wie im Vorjahr, aufgrund der Covid-19-bedingten Be- triebsschliessung und der damit verbundenen Veranstaltungsausfälle ergaben sich folgende grösseren Differenzen: – deutlicher Rückgang bei den Vorstellungseinnahmen: 10,8 Mio. Fran- ken – deutlicher Rückgang beim Personalaufwand: 12,5 Mio. Franken (der Rückgang umfasst Kurzarbeitsentschädigungen von rund 4 Mio. Franken)

Das Opernhaus hat in der Spielzeit 2019/20 nicht nur keine Ausfall- entschädigung gemäss COVID-Verordnung Kultur (SR 442.15) bean- tragt, es konnte gar eine Rückstellung von 5,5 Mio. Franken für die Be- wältigung der Pandemie in der Spielzeit 2020/21 bilden. Dank dieser Rückstellung konnte es auch die Spielzeit 2020/21 bestreiten, ohne eine Ausfallentschädigung gemäss der geltenden Covid-19-Kulturverord- nung zu beanspruchen. 4. Umsetzung der Eigentümerstrategie

4.1. Strategische Ziele des Kantons (Ziff. 2 der Eigentümerstrategie) Mit der Beteiligung und Unterstützung des Opernhauses verfolgt der Kanton – unter Wahrung der künstlerischen Freiheit – folgende Ziele: (Gewährleister) – Das Opernhaus ist als national und international beachtetes Musik- theater und Ballett positioniert. – Das Opernhaus präsentiert ein innovatives und abwechslungsreiches Opernrepertoire, das alle Gattungen und Epochen und insbesonde- re auch die zeitgenössische Musik berücksichtigt. Beurteilung: Trotz der verkürzten Spielzeit hat das Opernhaus diese Ziele 2019/20 erreicht. Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass das Opernhaus während der Spielzeit 2019/20 mehrere renommierte Auszeichnungen erhielt: Die Fachzeitschrift «Oper!» hat ihm den Award als bestes Opernhaus verliehen; dabei würdigte die Jury insbe- sondere die einzigartige Breite und Vielfalt des Programms sowie die bemerkenswerte Mischung von innovativen Regieansätzen und hoch- karätigen Besetzungen. Zudem hat die Fachzeitschrift «Tanz» das Bal- lett zur Kompanie des Jahres gewählt und «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» als Aufführung des Jahres ausgezeichnet. – Das Opernhaus macht durch eine entsprechende Preisgestaltung und Vermittlungstätigkeit sein Angebot einer breiten Bevölkerung zugänglich. Beurteilung: Auch dieses Ziel, das in Art. 5–9 der Leistungsverein- barung konkretisiert wurde, hätte das Opernhaus gemäss Planung bzw. hat es bis zur Betriebsschliessung erreicht. Weiter verfolgt der Kanton folgende wirtschaftliche Ziele: (Eigner) – Im Vordergrund der Tätigkeit des Opernhauses steht nicht der wirt- schaftliche, sondern der künstlerische Erfolg, weshalb das Opern- haus nicht gewinnorientiert ist und keine Dividenden ausschüttet. – Das Opernhaus deckt einen angemessenen Teil seiner Ausgaben mit Vorstellungseinnahmen, Drittmitteln und Erträgen aus betriebsna- hen Tätigkeiten.

Beurteilung: Der Anteil der Vorstellungs-, Sponsoring- und Spen- deneinnahmen sowie anderer betrieblicher Erträge (z. B. Gastronomie) betrug in der Spielzeit 2019/20 27,8%. In der vorhergehenden Spielzeit betrug dieser Anteil noch 34,9%. Bedingt durch die Coronapandemie ergab sich ein Ertragseinbruch von 12,4 Mio. Franken oder 27%. Der Ertragseinbruch konnte etwas gemindert werden, da Kundinnen und Kunden statt Rückerstattungen teilweise Gutscheine lösten. Sehr er- freulich entwickelten sich auch die Sponsoring- und Spendeneinnah- men, diese konnten um 4% gesteigert werden. Unter den gegebenen Umständen konnte das Opernhaus somit auch dieses Ziel erreichen.

4.2. Vorgaben an das Opernhaus (Ziff. 3 der Eigentümerstrategie)

4.2.1. Das Opernhaus betreibt in enger Absprache mit dem Personal- rat eine zuverlässige und faire Personalpolitik, pflegt eine transparente, aktive Kommunikation und stellt mit Unterstützung des kantonalen Hochbauamtes die Qualität seiner Infrastruktur sicher. Damit erfüllt es diese Vorgaben des Regierungsrates.

4.2.2. In Nachachtung von Ziff. 3.5 der Eigentümerstrategie hat das Opernhaus auf den Beginn der Spielzeit 2019/20 seine Rechnungsle- gung auf Swiss GAAP FER umgestellt und die Nebenbetriebe Gastro- nomie und Bernhard Theater konsolidiert.

4.2.3. Finanzen Die finanziellen Zielsetzungen ergeben sich aus der Eigentümerstra- tegie und der gestützt darauf angepassten Leistungsvereinbarung zwi- schen dem Kanton Zürich und dem Opernhaus (RRB Nrn. 705/2018 und 1045/2019). Die Messung der Ziele erfolgt anhand von Kennzahlen in den Be- reichen Verschuldung, Rendite, Ausschüttung und Cashflow. Bereich Vorgabe Beurteilung Verschuldung Der Zielwert wird erst für die – Spielzeit 2021/22 festgelegt. Rendite Der Zielwert für die Rendite Das ausgeglichene Ergebnis wurde fast des Eigenkapitals ist 0%. punktgenau erreicht. Bei einem Gesamt- aufwand von 118,31 Mio. Franken resul- tierte ein Verlust von Fr. 167 000, die Abweichung beträgt 0,1%. Ausschüttung Der Zielwert ist 0. Eine Ausschüttung ist nicht erfolgt. Die freiwilligen Gewinnreserven verringerten sich um den Verlust von Fr. 167 000. Cashflow Der Zielwert wird erst für die – Spielzeit 2021/22 festgelegt.

4.2.4. Risikomanagement Das Opernhaus führt jährlich eine Risikobeurteilung durch, die vom Verwaltungsrat verabschiedet wird. 2020 wurden 33 Risiken in vier Ri- sikokategorien beurteilt: – Extern (neun Risiken, z. B. höhere Gewalt [vor allem Pandemien, Ter- ror, Krieg, Naturkatastrophen]; bauliche Risiken: Wasser, Feuer usw.) – Strategisch (sieben Risiken, z. B. Schlüsselpersonen, Nachfolgerege- lung Direktion; bauliche Risiken: Raumprobleme) – Operativ (neun Risiken, z. B. mangelnde Motivation der Mitarbei- tenden; Betriebssicherheit, Unfälle) – Finanziell (acht Risiken, z. B. Liquiditätsengpässe; Sanierung Pen- sionskasse) Das Opernhaus hat folgende Toprisiken ermittelt: Kürzung des Kos- tenbeitrags, Rezession bzw. Konjunktureinbruch, höhere Gewalt (vor allem Pandemien, Terror, Krieg, Naturkatastrophen), Raumprobleme, Rückgang der Sponsoringeinnahmen und IT (Erpressungsversuche und/oder Fraud). Das Risikomanagement des Opernhauses ist zweckmässig und ziel- führend.

5. Fazit Die Geschäftstätigkeiten des Opernhauses entsprechen im Wesent- lichen den strategischen Zielen des Regierungsrates. Die Massnahmen und Vorgaben des Kantons sind bereits umgesetzt und – sofern und so- weit dies in Anbetracht der Coronapandemie möglich war – eingehal- ten. Es sind keine zusätzlichen Massnahmen angezeigt.

Auf Antrag der Direktion der Justiz und des Innern beschliesst der Regierungsrat: I. Vom Bericht der Direktion der Justiz und des Innern über die Um- setzung der Eigentümerstrategie für die Opernhaus Zürich AG in der Spielzeit 2019/20 wird Kenntnis genommen. II. Mitteilung an den Verwaltungsrat der Opernhaus Zürich AG, Falkenstrasse 1, 8008 Zürich, sowie an die Finanzdirektion und die Direktion der Justiz und des Innern.

Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:

Kathrin Arioli