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Décision

C3 22 61

KGVS-20221205-C3-22-61-20230609-412-ZWR-2023-149-150.pdf

5 décembre 2022Français4 min

RVJ / ZWR 2023 149 Zivilrecht Droit civil Zivilrecht – Zivilprozessrecht – Erbrecht – KGE (Einzelrichter der Zivilkammer) vom 5. Dezember 2022, X. c. Bezirksgericht B. – TCV C3 22 61 Erbausschlagung: Kosten bzw. Kostenvorschuss für dessen Protokollierung (Art. 566 und 570 ZGB)...

Source vs.ch

RVJ / ZWR 2023 149

Zivilrecht Droit civil

Zivilrecht – Zivilprozessrecht – Erbrecht – KGE (Einzelrichter der Zivilkammer) vom 5. Dezember 2022, X. c. Bezirksgericht B. – TCV C3 22 61 Erbausschlagung: Kosten bzw. Kostenvorschuss für dessen Protokollierung (Art. 566 und 570 ZGB) - Mit der Ausschlagung übt der Erbe ein ihm zustehendes materielles Recht aus, weshalb deren Protokollierung nicht von der Leistung eines Kostenvorschusses abhängig gemacht werden darf; hingegen sind die Bezirksgerichte berechtigt, für die Protokollierung einer Ausschlagungserklärung eine Gebühr zu erheben (E. 2).

Répudiation de la succession: frais ou avance de frais en cas de répudiation dictée au procès-verbal (art. 566 et 570 CC) - Par la répudiation, l'héritier exerce un droit matériel qui lui appartient, raison pour laquelle sa dictée au procès-verbal ne peut pas être subordonnée au versement d'une avance de frais; en revanche, les tribunaux de district sont autorisés à percevoir un émolument pour l'établissement d'un procès-verbal de répudiation (consid. 2).

Verfahren (gekürzt)

Mit Eingabe vom 6. April 2022 erklärte X. die Ausschlagung der Erbschaft ihrer Mutter. Das Bezirksgericht auferlegte ihr daraufhin einen Kostenvorschuss von Fr. 200.-. Mittels Beschwerde wehrte sich X. dagegen, einen Kostenvorschuss zahlen zu müssen.

Aus den Erwägungen

Considérants

2.

Die Ausschlagung ist gegenüber der zuständigen Behörde, im Wallis dem Bezirksgericht (Art. 4 Abs. 1 EGZPO), schriftlich oder mündlich zu erklären. Die Behörde hat die Ausschlagung zu protokollieren (Art. 570 ZGB). Es ist in der Lehre und Rechtsprechung allgemein anerkannt, dass die Behörde für die Protokollierung eine Gebühr erheben darf (Urteile Obergericht Zürich PF220007 vom 23. Februar 2022 E. 4.1 m.w.N.; Obergericht Thurgau vom 10. März 2011 RBOG 2011 Nr. 5,

150.

RVJ / ZWR 2023

E. 3; Kantonsgericht Schwyz ZK2 2018 64 vom 18. Januar 2019 E. 4; Obergericht Aargau ZBE.2022.6 vom 27. Juni 2022 E. 4.2; Kantonsgericht Freiburg 101 2017 91 vom 3. April 2017 E. 3b; Häuptli, in: Abt/Weibel [Hrsg.], Praxiskommentar Erbrecht, 4. A., 2019, N. 11 zu Art. 570 ZGB; Rouiller/Gygax, in: Eigenmann/Rouiller [Hrsg.], Commentaire du droit des successions, 2012, N. 13 zu Art. 570 ZGB; Tuor/Picenoni, Berner Kommentar, 2. A., 1964, N. 5a zu Art. 570 ZGB; Escher, Zürcher Kommentar, 1960, N. 16 zu Art. 570 ZGB). Fraglich ist hingegen, ob die Behörde die Entgegennahme der Ausschlagungserklärung von der Leistung eines Kostenvorschusses abhängig machen darf. Die Lehre spricht sich grundsätzlich dagegen aus (Häuptli, a.a.O., N. 11 zu Art.

570 ZGB; Rouiller/Gygax, a.a.O., FN 35 zu N. 13 zu Art. 570 ZGB; Tuor/Picenoni, a.a.O., N. 5a zu Art. 570 ZGB; Escher, a.a.O., N. 16 zu Art. 570 ZGB), wobei sie alle auf einen Entscheid des Obergerichts Zürich vom 12. September 1935 (ZR 1936 Nr. 140) Bezug nehmen. Wesentlich erscheint, dass die ausschlagende Person ein ihr vom Gesetzgeber eingeräumtes materielles sowie fristgebundenes Recht wahrnimmt, dessen Ausübung nicht durch formelle Vorgaben vereitelt werden darf. Selbst wenn die Beschwerdeführerin der Vorinstanz keinen Kostenvorschuss leisten sollte, wäre es dieser somit doch verwehrt, die Ausschlagungserklärung deswegen zurückzuweisen und die Protokollierung zu verweigern. Vielmehr hätte sie auch in diesem Fall die Ausschlagung in das entsprechende Protokoll aufzunehmen und der Ausschlagenden anschliessend die Kosten in Rechnung zu stellen.

570 ZGB; Rouiller/Gygax, a.a.O., FN 35 zu N. 13 zu Art. 570 ZGB; Tuor/Picenoni, a.a.O., N. 5a zu Art. 570 ZGB; Escher, a.a.O., N. 16 zu Art. 570 ZGB), wobei sie alle auf einen Entscheid des Obergerichts Zürich vom 12. September 1935 (ZR 1936 Nr. 140) Bezug nehmen. Wesentlich erscheint, dass die ausschlagende Person ein ihr vom Gesetzgeber eingeräumtes materielles sowie fristgebundenes Recht wahrnimmt, dessen Ausübung nicht durch formelle Vorgaben vereitelt werden darf. Selbst wenn die Beschwerdeführerin der Vorinstanz keinen Kostenvorschuss leisten sollte, wäre es dieser somit doch verwehrt, die Ausschlagungserklärung deswegen zurückzuweisen und die Protokollierung zu verweigern. Vielmehr hätte sie auch in diesem Fall die Ausschlagung in das entsprechende Protokoll aufzunehmen und der Ausschlagenden anschliessend die Kosten in Rechnung zu stellen.