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19.4137 · Interpellation · 2019-09-25

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

Die Blockchain-Technologie, auf der zum Beispiel auch digitale Währungen (Kryptowährungen) basieren, beansprucht enorme Rechenleistungen und ist somit ein grosser Stromverbraucher. Die Kryptowährung Bitcoin verursacht beispielsweise einen Stromverbrauch, der Ende 2017 den Energieverbrauch vieler mittelgrosser Staaten übertraf. Der IT-bedingte Stromverbrauch generell ist in ständigem Wachstum begriffen und führt somit auch zu mehr Treibhausgasemissionen. Gemäss einem Bericht des Analysezentrums Gartner verantwortet die Informatikindustrie allein 2 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen - das ist mehr als die Luftfahrtindustrie.

Vor dem Hintergrund, dass der Bundesrat die Schweiz zu einem führenden Standort für Blockchain-Unternehmen weiterentwickeln möchte, stellt sich die Frage, wie er dies mit dem Pariser Klimaabkommen, der Energiestrategie 2050 und der damit verbundenen angestrebten Senkung der Treibhausgasemissionen in Einklang bringen kann.

Deshalb bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:

1. Wie viel Strom bzw. Energie braucht die gesamte Blockchain-Technologie aktuell in der Schweiz?

2. Welchen Stromverbrauch erwartet der Bundesrat in Zukunft, falls die Schweiz zu einem führenden Standort für Blockchain-Unternehmen wird?

3. Was gedenkt der Bundesrat zu tun, um den enormen Stromverbrauch von Blockchain-Anwendungen zu reduzieren?

4. Gibt es alternative Technologien, die weniger Strom verbrauchen, und inwiefern werden diese vom Bund gefördert?

Stellungnahme des Bundesrates

Blockchain zählt zur sogenannten Distributed-Ledger-Technologie (DLT) der Digitalisierung. DLT basiert auf dezentralen Konzepten und bietet viele Anwendungsmöglichkeiten, eine davon sind Kryptowährungen. Eine prominente Anwendung von Blockchain ist Bitcoin, bei der ein sogenannter Konsensmechanismus verwendet wird, der heute grosse Rechenleistung erfordert und es so immens erschwert, Transaktionen zu manipulieren. Dieser Mechanismus hat den Nachteil eines hohen Elektrizitätsverbrauchs.

1. Der Bundesrat hat keine Informationen zum Elektrizitätsverbrauch durch DLT und insbesondere Blockchain in der Schweiz. Der Elektrizitätsverbrauch wird nach Sektoren (Industrie, Dienstleistungen usw.), nicht aber nach Technologie erhoben. Der Elektrizitätsverbrauch von Rechenzentren in der Schweiz steht aber in einem gewissen, losen Zusammenhang mit der DLT-Nutzung in der Schweiz, denn entsprechende digitale Transaktionen werden in Rechenzentren durchgeführt. Im Jahr 2014 betrug der Elektrizitätsverbrauch der Rechenzentren in der Schweiz gemäss einer Studie des Bundesamtes für Energie 1660 Gigawattstunden. Zu berücksichtigen ist aber, dass Rechenzentren, in denen DLT verwendet wird, aufgrund der dezentralen Natur von DLT in mehreren Ländern stehen und Elektrizität verbrauchen. Daher ist es nicht möglich, den Verbrauch von einer bestimmten Blockchain oder von DLT in der Schweiz zu ermitteln.

2. Der Bundesrat kann nur Annahmen zur Entwicklung des Elektrizitätsverbrauchs von Blockchain treffen. Kurzfristig ist ein Anstieg wahrscheinlich. Derzeit entwickelt sich DLT und Blockchain technologisch jedoch rasch weiter, auch um Rechenleistung, Elektrizitätsverbrauch und damit Kosten zu reduzieren. Langfristig könnte sich der Verbrauch aufgrund des Technologiefortschritts reduzieren. Falls das zu einer weiteren Verbreitung führt, könnte der Elektrizitätsverbrauch insgesamt zunehmen. Inwiefern der Verbrauch von in der Schweiz ansässigen Blockchain-Unternehmen dann auch wirklich in der Schweiz stattfinden wird, bleibt mit Blick auf die dezentrale Natur der Technologie aber ungewiss. Es wird davon ausgegangen, dass der Elektrizitätsverbrauch von Schweizer Rechenzentren jährlich um zwei bis drei Prozent steigt.

3. Spezifische Instrumente, um den Elektrizitätsverbrauch von Blockchain zu reduzieren, existieren nicht. Der Strompreis und die regulierende Wirkung des Marktes setzen Anreize für Effizienzsteigerung und Verbrauchsreduktion. Im Rahmen der Strategie Digitale Schweiz werden Chancen von DLT angegangen. Entsprechend werden in diversen Pilotanwendungen unterschiedlicher Bundesstellen die Potenziale von Digitalisierung und DLT geprüft und offene Fragen insbesondere auch zur Energieeffizienz bearbeitet. Der Bundesrat unterstützt dementsprechend digitale Innovation, so z. B. Projekte, in denen dem hohen Elektrizitätsverbrauch von DLT bzw. Blockchain Rechnung getragen wird. Mit dem Förderprogramm "Effiziente Rechenzentren" von Energie Schweiz soll zudem die Energieeffizienz von Rechenzentren verbessert werden. Auch unterstützt das Bundesamt für Energie die Initiative Digital Switzerland bei der Erarbeitung eines Energieeffizienzlabels für Rechenzentren.

4. DLT bietet auch Lösungen, die weit weniger Energie verbrauchen als diejenigen, die bei Bitcoin benutzt werden. Darüber hinaus gibt es Technologien der Digitalisierung, die auf zentrale Konzepte, wie z. B. Plattformlösungen, setzen. Auch diese sind weniger energieintensiv. Es erfolgt keine technologiespezifische Förderung von DLT.

Antwort des Bundesrates.

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