20.3121 · Interpellation · 2020-03-12
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Ich bitte den Bundesrat um Antwort auf folgende Fragen:
1. Wie beurteilt er die Situation des Mittelbaus zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Berichts der Schweizerischen Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)?
2. Dieser Bericht enthält eine Reihe von Empfehlungen. Wurden sie umgesetzt? Wenn nein, warum nicht?
3. In seinem "Bericht über den wissenschaftlichen Nachwuchs an Schweizer Universitäten" von 2014 hat der Bundesrat verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich die Situation des Mittelbaus an den Hochschulen stabilisieren liesse. Wurden diese Massnahmen umgesetzt? Mit welchen Ergebnissen? Wenn nein, warum nicht?
4. Wurden mit der BFI-Botschaft Massnahmen vorgeschlagen?
5. Gedenkt der Bundesrat, zusätzliche Massnahmen zur Einschränkung der Konkurrenz zu ergreifen, da der Konkurrenzkampf die Arbeitsbedingungen des Mittelbaus verschlechtert?
6. Wie gedenkt der Bundesrat vorzugehen, um den Schweizerischen Nationalfonds und die Kantone dazu zu bringen, sich an der Verbesserung der Bedingungen zu beteiligen?
Begründung
Verschiedene Medienberichte aus der jüngsten Vergangenheit weisen auf die oft prekäre Situation des Mittelbaus an unseren Hochschulen hin. Die meisten Angehörigen dieses Mittelbaus arbeiten in befristeten Arbeitsverhältnissen. Damit verbunden ist eine grosse Unsicherheit. Nur eine kleine Minderheit ist festangestellt. Diese Tatsache ist nicht nur Anlass zur Sorge für die Betroffenen - sie versetzt sie in eine Position der Schwäche und begünstigt Burnout, Mobbing und andere Belästigungen. Darunter leidet auch die Qualität der Forschung.
Der Bundesrat hat das Problem schon 2014 in dem Bericht in Beantwortung des Postulats 12.3343 der WBK-S erkannt. In diesem Bericht hat er verschiedene Empfehlungen gemacht.
2018 hat nun die SAGW einen Bericht mit dem Titel "Next Generation: Für eine wirksame Nachwuchsförderung" veröffentlicht. Auch dieser Bericht weist auf die grossen Probleme im Mittelbau hin, insbesondere auf den Mangel an sicheren Karrierewegen. Er enthält eine Reihe von Empfehlungen.
Wir bitten darum den Bundesrat, über seine Situationsanalyse und über die laufenden und die allenfalls geplanten Massnahmen, mit denen die Probleme behoben werden könnten, zu berichten.
Stellungnahme des Bundesrates
1./2./3. Der Bundesrat möchte daran erinnern, dass der Bereich des Nachwuchses bzw. des Mittelbaus in die Zuständigkeit der Hochschulen und ihrer jeweiligen Trägerschaften respektive des ETH-Rates fällt. Der Bund hat die Bemühungen der Hochschulen in dieser Hinsicht indes stets unterstützt. In der BFI-Botschaft 2017-2020 waren die Fördermassnahmen zugunsten des wissenschaftlichen Nachwuchses an den Hochschulen auf die Verbesserung der Karriereaussichten ausgerichtet. Die Berichte der Hochschulen belegen zudem, dass im Hinblick auf die Bereitstellung qualifizierter Nachwuchskräfte für die Wirtschaft und die Gesellschaft einiges unternommen wurde.
An den Universitäten machten die Assistenzprofessuren 2017 an der gesamten Professorenschaft 16 Prozent aus. 6,4 Prozent entfielen dabei auf Tenure-Track-Positionen, womit sich der Anteil allmählich dem gemäss BFI-Botschaft 2017-2020 vorgegebenen Ziel von 10 Prozent annähert. Der Anteil der Assistenzprofessorinnen und -professoren mit Tenure-Track dürfte auch dank der Einführung des Instruments der Eccellenza Grants des SNF steigen. Dank den projektgebundenen Beiträgen gemäss Artikel 59 HFKG (SR 414.20) konnten über die "Doktoratsprogramme und zukunftsgerichtete Entwicklung des 3. Zyklus (P-1)" insbesondere Doktoratsprogramme entwickelt und ausgebaut, die fächerübergreifenden Kompetenzen der Doktorierenden gestärkt sowie zwölf Kooperationen zwischen schweizerischen Fachhochschulen und Universitäten und sechs Kooperationen mit ausländischen Hochschulen unterstützt werden. An den Fachhochschulen trug dieses Instrument ausserdem zu einer Stärkung der spezifischen wissenschaftlichen wie auch praktischen Kompetenzen des FH-Nachwuchses bei, namentlich mit den "Pilotprogrammen zur Stärkung des doppelten Kompetenzprofils beim FH- und PH-Nachwuchs (P-11)". Die Chancengleichheit im Nachwuchsbereich wurde über das Projekt "Chancengleichheit und Hochschulentwicklung (P-7)" ebenfalls mit projektgebundenen Beiträgen unterstützt. Im Rahmen des 2017 vom SNF lancierten Instruments "PRIMA" für Forscherinnen mit Karrierepotenzial wurden 2019 insgesamt 19 Projekte finanziert. Im ETH-Bereich ist der Anteil der Assistenzprofessorinnen mit Tenure-Track im Jahr 2019 mit einer Zunahme von vier Prozent überdurchschnittlich stark gestiegen. Zudem hat der ETH-Bereich die Anstellungs- und Betreuungsbedingungen für seine Doktorierenden überprüft und gezielte Massnahmen eingeführt.
4./5./6. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses wurde von der Schweizerischen Hochschulkonferenz (SHK), gestützt auf die strategische Planung 2021-2024 der Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen, swissuniversities, auch für die anstehende BFI-Periode 2021-2024 als prioritärer Schwerpunkt festgelegt und vom Bundesrat in der BFI-Botschaft 2021-2024 gebührend aufgenommen. Diesem prioritären Schwerpunkt hat er sowohl bei der Festlegung des Gesamtbetrags der Referenzkosten als Grundlage für die Grundbeiträge des Bundes an die kantonalen Universitäten und Fachhochschulen, als auch bei der Festlegung des Zahlungsrahmens für die projektgebundenen Beiträge gebührend Rechnung getragen.
Die während der vorhergehenden BFI-Periode lancierten Massnahmen werden ab 2021 weitergeführt und ausgebaut. Im Rahmen der projektgebundenen Beiträge werden Projekte der Hochschulen unterstützt, mit denen die Zusammenarbeit der Hochschulen auf Doktoratsstufe vertieft wird. Dies geschieht über einen Pfeiler zur Mobilität im Projekt "Entwicklung des 3. Zyklus" und für die FH über eine neue Reihe des Programms P-11 zur Stärkung des doppelten Kompetenzprofils beim FH- und PH-Nachwuchs. Auch die Erhöhung des Frauenanteils auf allen Karrierestufen nach dem Doktorat ist eine der Massnahmen in der Nachwuchsförderung, die gemäss der strategischen Planung 2021-2024 von swissuniversities mit dem Projekt "Diversität, Inklusion und Chancengerechtigkeit in der Hochschulentwicklung" verfolgt wird. In den MINT-Fächern sind die in der strategischen Planung 2021-2024 von swissuniversities geplanten Massnahmen hauptsächlich auf die Erhöhung des Frauenanteils in allen Personalkategorien ausgerichtet. Auch im ETH-Bereich nimmt die Förderung des Nachwuchses in der Periode 2021-2024 einen wichtigen Platz ein: Ziel ist es namentlich, die Profile für leitende wissenschaftliche Positionen zu schärfen (Senior Scientists oder Maîtres d'enseignement et de recherche, MER), das Stellenangebot bedarfsgerecht auszubauen und die Chancengerechtigkeit in allen Bereichen zu fördern. Der ETH-Rat sieht ausserdem in seiner strategischen Planung 2021-2024 bis zu 80 zusätzliche Professuren vor, davon ein Teil als Assistenzprofessuren mit oder ohne Tenure-Track. Der SNF bietet spezifisch für junge Doktorierende das Instrument "Doc.CH" an. Schliesslich haben auch die Akademien der Wissenschaften Schweiz die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in ihrer Strategie 2021-2024 als Ziel festgehalten. So soll insbesondere das Pilotprojekt Young Talents in Clinical Research in Zusammenarbeit mit Stiftungen weitergeführt werden, um den Nachwuchs und eine angemessene Karrierebegleitung zu unterstützen.
Diese Massnahmen zeigen, dass sich die Hochschulen ebenso wie der Bund und die Kantone in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich auch im Zeitraum 2021-2024 weiterhin für den wissenschaftlichen Nachwuchs einsetzen werden.
Antwort des Bundesrates.