23.4249 · Interpellation · 2023-09-29
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Die Erträge aus dem Schweizer Musik-Streaming-Markt sind für die Anbieter der entsprechenden Dienste wichtig und interessant: In der Rangliste der pro Kopf-Ausgaben für Musik liegt die Schweiz weltweit auf Platz sechs. Die Streaming-Anbieter (v.a. der dominierende Dienst spotify) konzentrieren ihre personellen und finanziellen Ressourcen aber in europäischen Zentren und meiden teilweise eine eigene Präsenz in der Schweiz ebenso wie inhaltlich angepasste Angebote für die verschiedenen Sprachregionen der Schweiz. Das schlägt sich in der Sichtbarkeit der Schweizer Musik im In- wie auch im Ausland nieder: Die sichtbare Präsenz von Schweizer Musik innerhalb der Streaming-Angebote ist auch im Vergleich mit in Bezug auf Mehrsprachigkeit und Grösse vergleichbaren Märkten deutlich unterdurchschnittlich.
Mit dieser schlechten Sichtbarkeit wird das Schweizer Musikschaffen gegenüber anderen Herkunftsländern massiv diskriminiert. Eine Chance für internationale Beachtung besteht aufgrund der mangelnden Sichtbarkeit kaum mehr.
Vor diesem Hintergrund bitten wir den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:
Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass das Schweizer Musikschaffen aufgrund der fehlenden Sichtbarkeit innerhalb der Streaming-Angebote gegenüber anderen Herkunftsländern benachteiligt ist?
Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass die Angebote inhaltlich die Sprachregionen der Schweiz (inkl. Mundart-Musikschaffen) nur ungenügend berücksichtigen?
Welche wirtschaftlichen und kulturellen Folgen ortet der Bundesrat aus dieser Benachteiligung?
Welche Verbesserungsmöglichkeiten dieser Situation sieht der Bundesrat? Was unternimmt er bereits jetzt zur Verbesserung der Situation?
Stellungnahme des Bundesrates
1. Streaming-Plattformen sind kommerziell ausgerichtete internationale Unternehmen. Trotz der Qualität und Quantität ihrer Produktion kommt diese Ausrichtung der Schweiz nicht entgegen und sie erhält dort keine angemessene Sichtbarkeit. Grund dafür ist die geringe Grösse unseres Landes und seines Marktes im weltweiten Kontext. Zudem bedienen die bekannten Musik-Streaminganbieter den Schweizer Markt normalerweise vom Ausland aus. Insbesondere sind die Mitarbeitenden, welche die für die Sichtbarkeit wichtigen Wiedergabelisten (Playlists) erstellen, nicht vor Ort in der Schweiz tätig und in der Regel mit dem Schweizer Musikschaffen wenig vertraut. 2. + 3. Auf den Musik-Streamingplattformen sind nach Angaben der Musikbranche insgesamt mehr als 100 Millionen Titel verfügbar. Das ist ein enormer Kulturschatz, der dem Publikum zu einem realtiv kostengünstigen Preis oder – mit Werbeunterbrechung – sogar kostenlos zur Verfügung steht. Die Förderung der kulturellen Vielfalt und der Sprachregionen streben internationale Streaming-Plattformen jedoch nicht an. Dennoch kommt es vor, dass Künstlerinnen und Künstler, die sich in Minderheitensprachen ausdrücken, auf diesen Plattformen wahrgenommen und gepusht werden (so z. B. Pronto, Gewinner des Schweizer Musikpreises 2023, der in Dialekt singt und auf Spotify derzeit 15 Millionen Klicks für seinen Song Push Talk mit 0,5 Millionen Streams pro Monat hat). Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig die Frage der Auffindbarkeit von Inhalten (Discoverability) ist, eine Vorbedingung, um die Verbreitungs- und Verdienstmöglichkeiten auf internationalen Streaming-Plattformen überhaupt nutzen zu können. In diesem Rahmen ist die kuratorische Arbeit in Form von Wiedergabelisten (Playlists) ein besonders interessantes Instrument zur Förderung der kulturellen Vielfalt, z. B. der Schweizer Musik. Aufgrund der geringen Vergütung, die Künstlerinnen und Künstler auf diesen Plattformen erhalten (ca. 0,3 Cent für einen Stream von mehr als 30 Sekunden für die Rechteinhaber/-innen auf der bekanntesten Streaming-Plattform), ist die Online-Verbreitung derzeit für die überwiegende Mehrheit der Musikschaffenden kein Weg, um nennenswerte Einnahmen zu erzielen, die sich oft in einer wirtschaftlich prekären Situation befinden. Eine gute Sichtbarkeit auf den Plattformen ist jedoch für Musikschaffende insbesondere im Hinblick auf die Bewerbung ihrer Liveauftritte von grosser Bedeutung. 4. Es ist aus kulturpolitischer Sicht wünschenswert, dass die Schweizer Musik in Zukunft insbesondere in den Playlists der Streamingplattformen besser vertreten ist. Das Bundesamt für Kultur (BAK) steht diesbezüglich mit Vertreterinnen und Vertretern der Schweizer Musikbranche im Austausch. Es hat der Musikbranche seine Unterstützung bei den laufenden Gesprächen mit den Betreibern von Streamingplattformen angeboten.