24.4310 · Interpellation · 2024-12-09
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
Es ist davon auszugehen, dass die zunehmende Abnahme der Biodiversität finanzielle Konsequenzen in verschiedenen Bereichen zur Folge hat. So führt die Biodiversitätskrise zu einem Ungleichgewicht im Ökosystem, was wiederum Folgen auf das menschliche Leben hat.
Wie hoch sind die zu erwartenden finanziellen Folgen der Biodiversitätskrise für die Schweiz in den Bereichen:
1. Gesundheitswesen
2. Sozialstaat
Begründung
7'594 km2 an artenreichen Lebensräumen in der Schweiz gingen seit 1900 verloren. Das entspricht beinahe einem Fünftel der gesamten Landesfläche. Die Hälfte der verbleibenden Lebensräume für Tiere und Pflanzen ist gefährdet. Besonders betroffen sind Feuchtgebiete und Gewässer. Der Artenverlust im Tier- und Pflanzenreich hat einen Höchststand erreicht (ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz gelten als gefährdet oder als bereits ausgestorben). Nebst den verheerenden Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt ist auch mit schweren Konsequenzen für das menschliche Leben in der Schweiz zu rechnen. Die Natur bietet verschiedene Ökosystemleistungen, die essenziell für unser Leben sind; ob frisches Wasser, Schutz vor Überschwemmungen, die Lebensmittelproduktion oder Möglichkeiten zur Erholung. Die Gesundheit der Bevölkerung wird massgeblich durch Umwelteinflüsse und sozio-ökonomische Faktoren bestimmt. Die Klimaerhitzung, die Umweltverschmutzung und der Biodiversitätsverlust gehören zu den grössten gesundheitlichen Bedrohungen unserer Zeit und gefährden den medizinischen Fortschritt. So zeigt auch eine Studie aus dem letzten Jahr, dass die Biodiversitätskrise zu jährlichen Schäden in Milliardenhöhe führen wird. Insofern ist auch mit grösseren finanziellen Folgen in den Bereichen Gesundheitswesen und Sozialstaat zu rechnen.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat hat bereits in seiner Antwort auf die Ip. Prelicz-Huber 23.4426 «Biodiversitätskrise und Gesundheit. Die Zusammenhänge?» festgehalten, dass ihm keine Schätzungen zu den finanziellen Auswirkungen des Biodiversitätsverlusts in den Bereichen Gesundheitswesen und Sozialstaat vorliegen. Sektorale Kostenschätzungen für den Zeithorizont 2050 sind, wie der Bundesrat bereits mehrfach betont hat (Ip Weichelt 24.3798 «Was tut der Bundesrat im Rahmen der langfristigen Finanzplanung, um die (zukünftigen) Kosten des Verlustes von Arten und Lebensräumen tragen zu können?», Ip. Mahaim 24.4185 «Verkennt der Bundesrat die Höhe der mit dem Verlust der Biodiversität zusammenhängenden Kosten?»), mit sehr grossen Unsicherheiten verbunden. Der Bundesrat ist sich der Bedeutung der Biodiversität für die menschliche Gesundheit bewusst und setzt sich deshalb für deren Erhalt ein. Der Bund investiert jährlich über 600 Millionen Franken in die Biodiversität als Grundlage dieser Leistungen. Biodiversitätsförderflächen in der Landwirtschaft sowie sanierte und miteinander vernetzte Biotope tragen zur Sicherung und Wiederherstellung funktionsfähiger Ökosysteme bei. Zudem zielt der Bundesrat in seiner gesundheitspolitischen Strategie 2030 darauf ab, die Gesundheit über die Umwelt zu fördern: «Bund und Kantone setzen sich gemeinsam im Bereich der Umweltpolitik dafür ein, dass die Menschen der heutigen und kommenden Generation ein möglichst gesundes Leben führen und von Biodiversität und Landschaftsqualitäten profitieren können» (S. 27). Die Umsetzung dieser Zielsetzung erfolgt über zwei Stossrichtungen. Einerseits sollen umweltbedingte Risiken reduziert werden, wozu auch Massnahmen zur Bewältigung des Biodiversitätsverlusts zählen. Andererseits wird die Förderung von Natur- und Landschaftsqualitäten angestrebt, welche im Rahmen der Planung als Beitrag zur Gesundheitsförderung bewusst berücksichtigt werden sollen.