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Reimann Maximilian · Ständerat · 2009-09-14

Reimann Maximilian · Ständerat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2009-09-14

Wortprotokoll

Über Sinn beziehungsweise Unsinn der Wiederansiedlung von wilden Tieren, die in der heutigen Zeit kein oder kein genügendes Lebensbiotop haben, scheiden sich bekanntlich in unserer Gesellschaft die Geister. Zunächst begrüsst man solche Projekte, aber wehe, es wird eine Menge Schafe oder viel Freiwild wie Rehe oder Gämsen gerissen - dann erschallt ebenso schnell der Ruf nach Abschuss. Es scheiden sich die Geister auch in der Politik; Kollege Maissen kann uns in Sachen Wolf ein Liedlein singen. Hier habe ich nun ein weiteres Kapitel aufgeschlagen, nämlich das Luchsansiedlungsprojekt Luno.

Zunächst aber eine formelle Vorbemerkung: Herr Bundesrat, ich habe sieben Fragen aufgeworfen, nummeriert von 1 bis 7. Die Antwort des Bundesrates besteht aber aus einem Haufen Prosa, sodass Fragen und Antworten nicht unbedingt deckungsgleich sind. Das ist unschön und sollte nicht Schule machen. Aber vermutlich gehört das im vorliegenden Fall zum System. Es gibt nämlich Leute, insbesondere auch in der Verwaltung, denen Transparenz betreffend Kosten und Nutzen der Luchsansiedlung gegen den Strich geht; man will bewusst keine volle Offenlegung.

Nehmen wir dazu nur einmal Frage 6 zum Einsatz von Flugzeugen zur Suche von vermissten Luchsen und zu den dadurch verursachten Kosten. Da gibt der Bundesrat zu, dass zwar keine Helikopter eingesetzt werden, dafür aber Flächenflugzeuge. 500 Franken würden pro Flug zu Selbstkosten verrechnet; der Pilot fliege jeweils kostenlos. Ja, Herr Bundesrat, was sind das denn für Flugzeuge? Gehören sie dem Bund, etwa der Armee oder dem Bazl? Die Frage ist offengelassen. Gehören sie dem Bund, fliegt der Bundespilot wohl gratis für den Luchs, aber Vollkosten produziert er alleweil. Ich hatte nach den Vollkosten gefragt, den direkten und den indirekten; die Antwort darauf ist man mir offenbar zu einem guten Stück schuldig geblieben.

Ebenso bin ich überzeugt, dass bei den Kantonen wesentlich höhere Kosten anfallen, als sie in der Antwort des Bundesrates ausgewiesen werden. So hat man beispielsweise in meinem eigenen Kanton, dem Kanton Aargau, den Personalbestand in der Jagdverwaltung massiv aufgestockt, unter anderem mit vier oder fünf Biologen mit Hochschulabschluss, die einen Teil ihrer Arbeit nun mit der Beobachtung und der Pflege der amtlich oder wild ausgesetzten Luchse verbringen. Würde man die Vollkosten einsetzen, so sähen Ihre Zahlen auch da etwas anders aus, Herr Bundesrat.

Ich habe persönlich nichts gegen den Luchs. Er ist ein schönes Tier. Aber wenn diese Tierart nur mit hohen Kosten zulasten der Allgemeinheit überlebensfähig ist, dann ist die Grundsatzfrage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis des Projektes zweifellos angebracht. Insbesondere gehört dazu auch die Schadensstatistik. So liegen mir beispielsweise Zahlen aus dem Kanton Bern vor, die aufhorchen lassen. Danach reissen legal oder illegal ausgesetzte Luchse allein im Berner Oberland im Schnitt jährlich 600 Gämsen und 1000 Rehe. Das ist in etwa so viel, wie auch die Jäger selber erlegen. Setzen Sie nun für eine Gämse 150 und für ein Reh 200 Franken Marktwert ein. Da kommt man doch zu erheblichen Schäden, die in der bundesrätlichen Antwort stark heruntergespielt werden. Ein Luchs verursache keinen Wildschaden im Sinne des Bundesrechts, so der Bundesrat. Aber ein Schaden für die Jagdwirtschaft ist es alleweil.

Schliesslich noch eine Bemerkung zum Auer- und Birkwild, das ich in meiner Interpellation in Ziffer 2 ebenfalls angesprochen habe: Der Bundesrat behauptet, eine mehrjährige Studie habe aufgezeigt, dass das Auer- und Birkwild nicht zum Beutespektrum des Luchses gehöre. Eine Quellenangabe zu dieser Studie macht der Bundesrat aber nicht. Mir stehen andere Quellen aus dem Fachkreis zur Verfügung, die das Gegenteil festhalten, z. B. ein gut dokumentierter Artikel in der "NZZ am Sonntag" vom 10. Mai 2009, worin Maurice von der Mühll über die von Luchsen verursachten Schäden berichtet, darunter auch über "die grossen Schäden, die der Luchs dem Bestand an geschützten Auerhähnen im Kanton Waadt zugefügt hat".

Ich lasse es dabei bewenden, Herr Bundesrat, und schliesse mit der Feststellung: Der Luchs als Raubtier in Ehren, auch in der Schweiz, aber dass man jährlich noch Hunderttausende von Franken an Steuergeldern ausgibt, um das Projekt Luno wissenschaftlich bis in die letzten Details zu verfolgen, es zu hegen und zu pflegen, das geht mir zu weit. Weniger wäre hier mehr. Das ist meines Erachtens nicht unbedingt eine Bundesaufgabe.