Lang Josef · Nationalrat · 2010-09-27
Lang Josef · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2010-09-27
Wortprotokoll
Dies ist eine besonders erfreuliche Initiative. Erfreulich ist, dass dank dieses Volksbegehrens Musik und musikalische Bildung überhaupt zum Thema gemacht werden. Erfreulich ist weiter, dass die Initiative eine wichtige Stütze unserer Zivilgesellschaft ins Rampenlicht rückt: all die musikalischen Vereine, Gesellschaften und Verbände. In ihnen wurde ein Grossteil der 153 626 gültigen Unterschriften gesammelt.
Die Musik ist für die Entwicklung von Jugendlichen nicht weniger wichtig als der Sport. Deshalb soll die musikalische Bildung dem Schulturnen gleichgestellt werden. Musikalische Bildung hat eine grosse Bedeutung für die seelische und geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sowie, im Hinblick auf das lebenslange Lernen, von uns Erwachsenen.
Grundsätzlich bestreitet das niemand. Auch der Bundesrat weist in seinem "Bericht zur musikalischen Bildung in der Schweiz" aus dem Jahr 2005 auf die Wichtigkeit der Musik und auf die bestehenden Defizite hin. Musik wird heute im obligatorischen Schulunterricht allzu häufig mit zu wenig Ernsthaftigkeit und Professionalität vermittelt. An den pädagogischen Hochschulen wird das Fach Musik nur als Wahlfach angeboten.
Nicht in allen Kantonen sind Musikschulen in den Bildungsgesetzgebungen verankert. Solange Musikschulen vor dem Gesetz nicht als Bildungsinstitutionen anerkannt sind, wird ihre finanzielle Unterstützung mit öffentlichen Mitteln politischer Willkür ausgeliefert sein. Immerhin gibt es heute in der Schweiz gegen vierhundert öffentlich-rechtliche Musikschulen. Gerade im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um das Schulturnen weiss ich als Berufsschullehrer, wie wichtig eine verbindliche Bundesbestimmung ist.
Warum soll die Frage der kantonalen Kompetenz bei der Musik ein grösseres Problem sein als beim Sport? Zudem: Die Volksinitiative "Jugend und Musik" nimmt den Kantonen nichts weg; sie will sie bloss dazu bewegen, ihre Verantwortung gegenüber der musikalischen Bildung ernst zu nehmen, auch an den Fachschulen, und die Gemeinden der häufig wackligen Zuständigkeit für die ausserschulischen musikalischen Bildungsangebote zu entheben.
Kollega Föhn hat in seinem Votum gesagt, "Jugend und Sport" habe eine ganz andere Geschichte als "Jugend und Musik". Mit dieser Aussage hat er noch mehr Recht, als er selber beansprucht. Unsere Zivilisation hatte an ihrer Wiege zwei Modelle: Das spartanische setzte den Sport über die Musik, das athenische stellte Musik und Sport gleich. Athen oder Sparta? Das ist hier die Frage.
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