Schmidt Roberto · Nationalrat · 2010-09-30
Schmidt Roberto · Nationalrat · Wallis · Fraktion CVP/EVP/glp · 2010-09-30
Wortprotokoll
Ich spreche nicht als Kommissionssprecher, sondern als Urheber dreier Motionen.
In den letzten Monaten sind Bilder von Wolfsrissen um die Welt gegangen, grausame Bilder, die illustrieren, wie der Wolf den Schafen und Rindern lebendigen Leibes die Klauen abreisst, ihnen die Eingeweide aus dem Bauch frisst und ihnen das Hinterteil vom Körper reisst. Manchmal leben solche gerissenen Tiere noch Stunden, bis sie qualvoll verenden oder von den Schäfern erschossen werden müssen.
Sie selber haben solche Bilder erhalten und gesehen. Das ist doch Tierquälerei, die eigentlich das Herz eines jeden Tierschützers erweichen müsste. Doch nichts dergleichen. Hinter der Maske der Tierschützer ist offensichtlich ein anderes Gesicht.
Ja, wir haben es mit dem Tierschutz weit gebracht: Bis ins kleinste Detail wird den Bauern vorgeschrieben, wie sie ihre Tiere zu halten haben. Millionen von Franken mussten unsere Bauern in tiergerechte Ställe investieren, selbst die Vorschriften zur Hundehaltung haben wir in extremem Masse verschärft, aber das Raubtier Wolf schützen wir strikt. Der Schutz eines Dutzends Wölfe kostet uns jährlich eine Stange Geld: mehrere Millionen, rund 80 000 bis 100 000 Franken je Wolf. Das ist mehr, als viele unserer Familien verdienen.
Der Schutz des Wolfes darf nicht länger über den Schutz der Haus- und Nutztiere gestellt werden. Ich habe zwar Verständnis dafür, dass nicht alle eine Beziehung zu Schafen und zum Rindvieh haben, aber was würden Sie sagen, wenn wir auch alle anderen Haustiere - Hunde, Katzen usw. - einfach dem Wolf zum Frass vorwerfen würden?
Ich habe nichts Grundsätzliches gegen den Wolf, aber in der Schweiz hat er nicht den Freiraum, den er braucht. Sie werden mir jetzt sagen, die Schäfer und Landwirte bekämen ja gutes Geld - 43 Millionen Franken pro Jahr, sagt man immer. Für die Alpsömmerung sind es 4 oder 5 Millionen Franken pro Jahr. Liebe Freunde, ihr könnt mir glauben: Unsere Bergbauern und Schäfer würden auf dieses Geld gerne verzichten, wenn ihr dafür auf den Wolf verzichtet. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, welch enormen Aufwand unsere Berglandwirte betreiben. Die Entschädigung beläuft sich im Sommer auf 10 bis 30 Rappen pro Schaf und pro Tag. Ich frage Sie: Wer ist bereit, für einen solchen Hungerlohn einen Sommer lang auf den Alpen Schafe zu hüten?
Hinter der Schafhaltung steckt nicht Profitstreben, sondern dahinter stecken Leidenschaft, Liebe zum Tier und zur Heimat, Zuchtarbeit, Zuneigung und viele Emotionen. Darum müssen Sie begreifen, wenn die Schäfer manchmal derart emotionsgeladen sind. Ohne die Schaf- und Viehhaltung würden unsere Alpen verganden, wären die Bergflanken der Erosion ausgesetzt, würde die Zahl der Lawinen und Erdrutsche zunehmen, würden unsere Touristen und Wanderer bald einmal öde Landschaften vorfinden.
Ich verlange mit meinen drei Motionen nichts Unmögliches. Ich verlange wie die UREK eine Regulierung des Wolfbestandes. Selbst der Bundesrat ist damit einverstanden und beantragt Ihnen, meine Motion 09.3812 anzunehmen.
Mit meiner Motion 09.3813 möchte ich erreichen, dass der Wolf nicht mehr "streng geschützt" ist, sondern wie der Luchs nur noch "geschützt". Auch hier hat der Bundesrat immer gesagt, dass das seiner Linie entspreche und eine Rückstufung richtig sei.
Mit meiner dritten Motion, der Motion 09.3814, "Planung der Alpbewirtschaftung", möchte ich erreichen, dass für jene Alpen, wo der Herdenschutz aus topografischen und technischen Gründen gar nicht umsetzbar ist, das Wolfskonzept gelockert wird. Wer glaubt, dass man alle Herden auf allen Alpen mit Hunden, Eseln und Hirten schützen kann, der träumt. Auf gewissen Alpen sind die Herden einfach nicht schützbar. Zudem wäre der finanzielle Aufwand viel zu gross. Selbst der Bundesrat schreibt in seiner Stellungnahme zu meiner Motion: "Allerdings wird es aufgrund der heutigen Herdenstrukturen mit relativ vielen kleinen Herden in zum Teil entlegenen Gebieten sowie der Topografie im Sömmerungsgebiet nicht möglich sein, alle Schafe zu behirten oder in Umtriebsweiden zu halten." Auch da wären wir uns eigentlich einig.
Die rund zweihundert Hunde, die heute im Herdenschutz eingesetzt sind, leisten gute Arbeit. Aber es ist eben eine Tatsache, dass diese Hunde auch ein Problem sind: für die Wanderer, für die Touristen. Gerade heute schreibt in der "Luzerner Zeitung" ein Hunde- und Herdenschutzexperte, dass die Hunde darauf trainiert seien, ihre Herde gegen Eindringlinge zu verteidigen. Es gebe immer mehr Leute, die Mühe damit hätten, wenn plötzlich ein grosser Hund auf sie zuspringt.
Stimmen Sie darum heute für die Nutztiere, für die Berglandwirtschaft, und stimmen Sie auch dem Bundesrat zu, der teilweise die Annahme meiner Motionen beantragt.