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Leumann Helen · Ständerat · 2010-09-14

Leumann Helen · Ständerat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2010-09-14

Wortprotokoll

Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt. Wir wissen, dass jugendliche Männer und Frauen auch ein Recht auf Bildung haben. Weil sie dieses Recht haben und entsprechend die Schule besuchen, sprechen sie auch unsere Sprachen. Ich schäme mich, weil wir papierlosen Studentinnen und Studenten ein Studium ermöglichen und ihnen das auch bezahlen wie den Schweizerinnen und Schweizern, Jugendliche, denen die schulischen Möglichkeiten für ein Studium fehlen, lassen wir aber fallen, und wir nehmen in Kauf, dass sie auf der Strasse leben. Das wollen wir ja auch nicht.

Aber was wollen wir dann? Wenn sie schwarzarbeiten, geht das ja auch nicht. Noch schlimmer wird es, wenn sie dann noch kriminell werden. Integration heisst doch auch, [PAGE 788] mitmachen zu können, um zu lernen, wie alle anderen zu sein. Das heisst letztlich auch, eine Ausbildung machen zu dürfen, um nachher einen Beruf zu haben, gleich zu sein wie der Rest der Klasse nach dem Schulabschluss. Wir haben genügend Arbeits- und Ausbildungsplätze, um diese Mädchen oder Knaben auszubilden, damit sie später im Leben einem Beruf nachgehen können und nicht von der Fürsorge leben müssen. Es ist ja nicht ihr Fehler, dass sie Kinder von Sans-Papiers sind - was für ein schreckliches Wort!

Auf der Ebene der Kantone existiert mit dem sogenannten Härtefallverfahren ein individueller Lösungsweg. Gemäss Ausländergesetzgebung müssten Sans-Papiers in ihre Heimatländer zurückkehren, wo sie keine Chance haben. Sind wir wirklich so hart, dass wir diesen jungen Männern und Frauen keine Chance geben wollen? Ich erinnere an Max Frisch, der einmal gesagt hat: "... und es kamen Menschen." Ich frage mich: Sollen wir sie denn nicht auch in einer Lehre ausbilden, damit sie eine Chance fürs Leben haben?

Aus diesen Gründen werde ich die Motion Barthassat annehmen.