Merz Hans-Rudolf · Bundesrat · 2010-09-29
Merz Hans-Rudolf · Bundesrat · Appenzell A.-Rh. · 2010-09-29
Wortprotokoll
Ich möchte der Präsidentin für die literarische Laudatio mit den überraschenden Wendungen, in denen Wilhelm Busch mit Glück verbunden wurde, herzlich danken. Wilhelm Busch war ein Zyniker, und das Glück hat in der Politik oft mit Zynismus zu tun; das spüren wir auch in diesen Tagen wieder.
Ich habe sieben Jahre dort hinten in der zweiten Reihe zugebracht und sieben Jahre hier auf dem eher etwas voluminöseren Sitz. Der Unterschied ist nicht gross: Die Atmosphäre dieses Raumes bleibt einem, wenn man je darin gesessen hat. Jede Sitzung, die Sie abhalten, vereinigt fast tausend Jahre politische Erfahrung und über zweitausend Jahre menschliche Erfahrung. Dieses ungeheure Wissen und diese ungeheure Erfahrung schliessen sich hier in eindrücklichster Art und Weise zusammen. Das erlebt man bis in die Details der Gesetzgebung hinein, weil letztlich alles an Erfahrung hier zusammenfliesst.
Es ist eigentlich erstaunlich, wenn wir bei der Literatur bleiben, Frau Präsidentin, dass der Ständerat in diesem Punkt etwas wenig Widerhall gefunden hat. Friedrich Dürrenmatt hat in seinen luzidesten Stunden und in seinen düstersten Stunden die Schweiz immer wieder sehr kritisch angeschaut. Aber wenn er in seelischer Ausgeglichenheit war, und das geschah offenbar zeitweise auch, dann lobte er die Schweiz. Und so gibt es eine Passage, in welcher er den Ständerat als ein konservatives, ein abtiefendes, zurückhaltendes Gremium bezeichnet, von dem er sagt, es sei die wichtigste Einrichtung dieses Landes.
Es gibt einen Zweiten, der sich dazu geäussert hat, das war Gotthelf. Gotthelf hatte als Kämpfer für eine liberale Berner Kantonsverfassung selber viel für die Politik übrig; sie findet sich in vielen Romanen. Er hat selber zwar den Sprung nicht geschafft, aber sein Sohn ist Ständerat und Berner Regierungsrat geworden. Aber ein Bild, wie es Meinrad Inglin im "Schweizerspiegel" von einem Nationalrat gezeichnet hat, finden wir leider bezüglich der Ständeräte nicht. Es ist möglich, dass dieser Rat zu facettenreich ist, um ihn in die Literatur zu fassen, dass hier zu viel zusammenfliesst, um es auf den Punkt zu bringen. Und ich möchte das so stehenlassen.
Ich danke Ihnen, meine Damen und Herren, ganz herzlich für die Zusammenarbeit in diesen Jahren. In allen Schlüsseldossiers haben wir uns am Ende verstanden. In allen, auch heftigen Debatten haben wir am Ende den Punkt [PAGE 929] gemeinsam gesetzt, und es war mir jedes Mal ein Vergnügen, in diesem Rat aufzutreten.
Je vous remercie du fond du coeur pour cette collaboration. Chaque apparition parmi vous était pour moi une révélation - un événement, si vous voulez. Je me suis toujours réjoui de pouvoir défendre les idées et les stratégies de mon département et de ma politique personnelle. Pour cette raison, je vous souhaite encore une bonne fin de session et une bonne continuation, notamment pour l'année électorale qui va suivre, et qui sera dure.
Ich hoffe, dass wir uns bei dieser oder jener Gelegenheit wieder treffen werden - in diesem Saal sicher nicht mehr. Ich werde mich aus der Bundespolitik mit schönsten, mit besten Erinnerungen zurückziehen. Diese Erinnerungen haben vor allem mit diesem Saal zu tun.
Auf Wiedersehen, Tschüss, das war's! (Stehende Ovation)