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Jenny This · Ständerat · 2010-12-02

Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2010-12-02

Wortprotokoll

Danke vielmals für den Hinweis. Aber als einer der wenigen Nichthochschulabsolventen in diesem Rat ergreife ich nun trotzdem das Wort, auch wenn das vielleicht für viele ein bisschen deplatziert daherkommt.

Kollege Bischofberger greift nun tatsächlich ein Problem auf, das offensichtlich alarmierend ist. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der ausländischen Studierenden an unseren Hochschulen verdoppelt. Die Hälfte unserer Doktoranden sind heute ebenfalls Ausländer, und der Zustrom hält ungebremst an. Ein ungelöstes Problem ist jedoch offensichtlich, dass an unsere Hochschulen Studierende strömen, die in ihrem Heimatland infolge mangelnder Leistungen keine Aufnahme finden. Auf Schweizer Niveau übertragen spricht man teilweise sogar von Sekundarschulniveau. Gemäss Notruf der Rektoren ist dieser Tourismus alarmierend und bringt uns an unsere personellen und räumlichen Grenzen. Die Qualität leidet als Ganzes. Offensichtlich ist auch ein Problem - das habe ich bis jetzt nicht gewusst -, dass Pensionäre mit ihren Thermosflaschen teilweise zwei Stunden vor der Vorlesung die Plätze besetzen und unsere Studierenden nachher keinen Platz mehr vorfinden.

Da zeigt sich mit aller Deutlichkeit, dass die Bologna-Reform, die in der Schweiz Begeisterung ausgelöst hat, offensichtlich nicht das ist, was wir gerne gehabt hätten. Bei aller Grosszügigkeit - es muss doch Unterschiede geben, wenn wir in der Schweiz einen Maturandenanteil von 20 Prozent haben, er in Italien aber zwischen 60 und 80 Prozent beträgt. Und alle haben die gleichen Aufnahmebedingungen!

Wenn die EU nun nach Harmonisierung ruft, so erfolgt sie schon, aber ich hoffe nicht, dass dies nach unten geschieht. Zudem wird es eine völlig unnötige und kontraproduktive Akademisierung der Berufe geben, sodass heute bald jede Hebamme und jede Krankenschwester und, wie ich befürchte, bald jeder Maurer einen Hochschulabschluss haben muss.

Da kann man nicht mehr behaupten, die ausländischen Studierenden seien so oder so eine Bereicherung. Das hat irgendwann Grenzen.

Das Postulat geht tatsächlich in die richtige Richtung. Ob das Problem damit gelöst wird, ist eine andere Frage. Ohne ganz konkrete Massnahmen, Herr Bundesrat, gibt es keine Verbesserung. Zwingend ist, und das wurde angetönt, eine Aufnahmeprüfung oder eine Kontingentierung wie beispielsweise in St. Gallen. Damit hat man Erfolg. Natürlich hat der Kanton das bestimmt, aber es gibt keinen Grund, weshalb wir das an den ETH und an den anderen Universitäten nicht auch tun sollen. Wir können ja auch einmal etwas Gutes von den Kantonen übernehmen, die Kantone müssen ja genug von uns übernehmen.

Bei den Universitäten und den ETH fehlen, so habe ich mir sagen lassen, Bestimmungen über den Zugang zum Master-Studium. In Deutschland wird überall selektioniert. Weshalb wird das bei uns nicht getan? In jedem Fall ist eine Kostenbeteiligung zwingend notwendig, Herr Kollege Reimann hat darauf hingewiesen. Der Kanton Tessin hat das, und diejenigen, die dort Aufnahme finden, begrüssen es, wenn man etwas für den Komfort und für das ausgezeichnete Studium bezahlen muss. Heute zahlen die Schweizer Steuerzahler für jeden ausländischen Studenten 10 000 Franken, aber nicht für das ganze Studium, sondern pro Jahr. Natürlich darf uns das etwas kosten, aber es darf nicht dazu führen, dass unsere Studierenden benachteiligt werden.

Herr Bundesrat, schöne Berichte genügen hier definitiv nicht mehr, hier sind Massnahmen angesagt.